Trotz Miniaufschwung,
Das Spiel ist aus - Nichts geht mehr

1. Die Profitrate

Norbert Nelte - 03.06.07 - ökonomische Theorie

Noch ist kein Kräutlein gegen den tendenziellen Fall der Profitrate und gegen die Grenzen des Marktes gewachsen. Nur die anteilsmäßig schwindende Arbeit ist die Quelle des Profits und der Markt bleibt begrenzt, die Erde bleibt nun mal eine Kugel.

Der Kapitalismus neigt sich seinem Ende zu, auch wenn seine Anhänger den derzeitigen Mi­niaufschwung noch so sehr bejubeln. Er wird leider nicht nachhaltig sein und der Abwärts­gang wird weiter und schneller voranschreiten, gerade wegen des Miniaufschwungchens. Aber eins nach dem anderen.

Die Realität des tendenziellen Falls der Profitrate.

Dieser Fall ist ein von Karl Marx im „Kapital“ entdecktes Phänomen und bis heute nicht schlüssig widerlegt, höchstens nicht verstanden. Mit der Arbeitswertlehre stellt er fest, woraus der Wert einer Ware sich zusammensetzt. Einerseits wäre das das konstante Kapital (c), die Ab­schreibung für die Maschinen, die Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, der Gebäudeanteil und sonstige Anlagen, also alles Ausgaben, die schon bezahlt wurden, die bereits kristallisierte Arbeit, bei der der Vorkapitalist sich einen Mehrwert einbehalten hat; aber nur der Durchschnitt, der für die Ware aufgewendet wird. Andererseits wäre das die gesamte durchschnittlich notwendige Arbeitskraft, den Neuwert oder die Wertschöpfung. Dieses Kapital ist aber variabel, weil der Mensch und nur er die Eigenart besitzt, einen höheren Gebrauchswert für das Kapital zu erarbeiten als sein eigener Tauschwert beträgt. Hier braucht der Kapitalist nur den Lohn ausbezahlen (v), nur das vorzustrecken, was der Kollege braucht, um sich zu reproduzieren und seine Kinder auszubilden. Den Rest behält er für sich, den Profit oder Mehrwert (m). Der gesamte nationale Mehrwert sind gleich die Gewinne, die Zinsen und die Grundstückskosten.

Warenwert

c              =              konstantes Kapital oder Poduktionsmittel 

              zirkulierendes Kapital (Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe)                                                                                         + fixes Kapital (Wertabgabe der Arbeitsmittel bzw. der Anlagegüter)

v              =              variables Kapital oder Lohn [Reproduktionskosten der Arbeit]
m             =              Mehrwert (Wertschöpfung ./. Lohn) [Mehrprodukt/Überschuss]

WS         =              v + m (Der im letzten Produktionsprozess hinzukommende Wert)

Der Preis gravitiert m den Warenwertl.:

 

Halt, halt, halt, rufen die bürgerlichen Volkswirtschaftler, der Gewinn sei doch ein extra Aufschlag. Ein Aufschlag würde aber keine Wertschöpfung ergeben, sondern nur eine Preissteigerung und damit würde man sich nur aus dem Markt herauskalkulieren. Und wenn alle Anbieter sich absprechen würden, dann führe das nur zur Inflation. Nein, der Mehrwert ist nichts anderes als die durch die Arbeitskraft hergestellte Wertschöpfung abzüglich des ausbezahlten durchschnittlichen Lohnes. Die Arbeit ist die einzige Quelle des Mehrwertes.

Das kann doch gar nicht sein, denkt der Betriebswirtschafter, ich führe doch von meinem Kapital die neuesten profitabeleren Maschinen ein, entlasse ein Haufen Leute und dann steigt der Gewinn und der Aktienkurs. Abgesehen von der Frage, dass doch Arbeiter am Band, die Ingenieurin von der Arbeitsvorbereitung oder der Einkäufer vom 2. Stock die Maschine erwirtschaftet haben, stimmt die auch – kurzfristig. Hier hört unser Betriebswirt aber auf zu denken und zählt seinen zu erwartenden Sonderprofit.

Nur, oh Schreck, die Konkurrenz hat ja die gleiche Maschine gekauft und auch 100 Leute freigestellt. Nun wird sich der niedrigere Durchschnittswert der Ware durchsetzen und aus dem Sonderprofit ist ein niedrigerer Profit als vorher geworden (Norbert Nelte, Marxistische Wirtschaftstheorie - leicht gemacht, S. 14) Ein Direktor von Bayer erzählte mal dem Spiegel: „Ich verstehe das nicht, ich rationalisiere ständig, und dennoch fällt unsere Profitrate. „ Nun, wir sehen, dass man die Konkurrenz einbeziehen muss. Wenn die Konzernbosse Leute rauswerfen, dann sinkt auch mittelfristig auch ihre Profitrate, weniger Arbeit gleich kleinere Profitrate. So einfach ist das. Vor 50 Jahren zahlte man für eine Filmkamera mehrere Tausend Mark. Heute ist das in vielen Handys mit drin, mit Uhr, Radio, Wecker, Kamera, Internet, Notizgerät … wo kann denn daher die Profitrate herkommen?

Inzwischen ist der Lohnanteil in der Schwergüterindustrie schon auf 10% gesunken, im Automobilbau mit den Kollegen Robotern gar auf 4%. Bei dem Siemens-Handy Werk wurden zum Schluss 1% Rendite erwirtschaftet. Man errechnete, dass auch, wenn die Arbeiter völlig für Null gearbeitet hätten, nur 4% Rendite erwirtschaftet wurden, so, dass Siemens die Handy-Werke nur noch loswerden wollte und der Käufer BenQ sich gleich mit dem Markennamen nach Taiwan aus dem Staub gemacht hat.

So hat sich in der Realität der tendenzielle Fall der Profitrate durchgesetzt. Marx ist schon längst bewiesen. Übrigens kann man dieses Phänomen auch bei der durchschnittlichen Rendite beobachten. Als Siemens seinen Willen bekundete, die Rendite wieder auf von jetzt magren 6-8% wieder auf 18% hochzuschrauben, da hieß es unisono in den Wirtschaftszeitungen, „Oh gewaltig, das ist ja wie vor dem 2 Weltkrieg“.

1850, am Anfang des Kapitalismus während der ursprünglichen Akkumulation erzielte das Kapital noch eine Profitrate von 45%. Nach dem 1. Weltkrieg fiel sie bereits unter 20% und erreichte 1982 ihren Tief­punkt von 5,4%. Dies war schon weit unter dem Satz, den ein Investor auf dem Finanzmarkt erzielt hätte. Bis dato fiel seit dem Ende des Faschismus der Anteil aus Kapitaleinkommens vom Bruttosozi­alprodukt kontinuierlich von 44% bis auf 26% ab. 1982 war dann aber das ab­solute Wendejahr. Dem Kapital wurde es angesichts der niedrigen BIP-Anteile und Renditen Angst und Bange. Die Unternehmer­vereine zitierten den FDP-Vorstand in ihre heiligen Hallen und verlangten eine Umkehr mit diesen Sozialgeschenken an die „kleinen Leute“. Genscher wechselte dann die Koalition ohne Wählerauftrag artig von der SPD zur CDU, und Helmut Kohl konnte dann in der Folge die Umverteilung von oben nach unten wieder von unten nach oben umkehren. Seither konnten die Arbeitnehmerinnen im Durchschnitt für ihren Lohn nicht mehr Güter kaufen. Ihre Kaufkraft blieb bis 2001 immer gleich. Im Ergebnis kletterte die durchschnittliche Profitrate auf Kosten der Arbeit wieder nach oben, aber nur bis 1993 auf 8, höchstens 10%. Die Wertschöpfungsrate – die gesamte Wertschöpfung (v + m) zum vorgeschossenem Kapital (c + v) - sank aber im Hintergrund dennoch weiter. Es wurde nur die Einkommen umgeschichtet von der Lohnseite zur Mehrwertseite. Der tendenzielle Fall der Profitrate (m/c + v) erklärt sich aus dem permanenten Fall der Wertschöpfungsrate (v + m/c + v).2

Ab 1993 diktierte wieder der tendenzielle Fall der Profitrate deren Richtung nach unten. Das Kapital kann den Arbeitern alles nehmen, den Fall der Profitrate wird sie nicht stoppen können. Große Konzerne mit einem Kapitalvermögen von beispielweise 50 Milliarden €uro erwirtschaften mit 4% Mehrwert immer noch 2 Milliarden. Aber für das Kleinbürgertum sind 4% gar nichts. Damit hätte der Garagenproduzent Apple dem Elefanten IBM kein Feuer unter dem Hintern machen können Marx, der sein Hauptaugenmerk auf diese Frage legte, zieht daraus seine wichtigste Schlussfolgerung:

» Die Profitrate, d.h. der verhältnismäßige Kapitalzuwachs ist vor allem wichtig für alle neuen, sich selbständig gruppierenden Kapitalableger. Und sobald die Kapitalbildung ausschließlich in die Hände einiger wenigen, fertigen Großkapitale fiele, für die die Masse des Profits die Rate aufwiegt, wäre überhaupt das belebende Feuer der Produktion erloschen..« 3 »Sie würde einschlummern.« fügt er hinzu.

In der 2. Hälfte der 1990er Jahre änderten die Konzerne dann hilflos ihre Taktik und verlagerten ihre Ge­winnstreben weg von der Produktion zum Portfolio, zu ihren Finanzpapieren, also weg vom Produktionskapita­lismus hin zum Shareholder-Value-Kapitalismus. Man sprach von Mercedes nur noch von einer Bank mit ange­schlossener Autowerkstatt. Inzwischen resultieren die Gewinne der Konzerne nur noch zu 5% aus der Produk­tion und zu 95% aus dem Finanzmarkt. Man kaufte Aktien, nicht wegen der müden Dividende, sondern wegen der Kurssteigerungen, um sie dann mit ihren Insiderinformationen gewinnbringend zu veräußern Verlierer sind immer die Kleinsparer. Nachdem ihnen bereits am Arbeitsplatz um die Hälfte ihres Arbeitserfolges unterschla­gen wurde, wird ihnen nach Feierabend noch einmal von den „Insidergeschäftsbetreibern“ ihr sauer Erspartes vielleicht für die Rente aus der Tasche ge­zogen.

Finanzmarkt heißt aber auch, dass dort nicht nur mit Aktien, auch mit Wa­rentermingeschäften, lukrativen Rohstoffen oder gar mit ganzen Konzernen spekuliert wird. Finanzmarkt heißt aber auch Weißwäsche von Waffengeschäften, Rauschgift, Prostitution, illegale Spielcasinos und Wetten und nicht zuletzt auch die Rosinen der Börsen. Die Konzerne des Finanzmarktes haben weltweit schon die Produktionsbetriebe mit ihren Gewinnen überrundet, in Deutschland ist die Allianz die Nr. 1. Nur die Ölkonzerne wie Exxon können da noch mithalten.

Im neuen Jahrtausend versprachen auch die Finanzanlagen keine allzu rosigen Geschäfte mehr. Die Profitrate ist 2002 wieder auf 4% gefallen. Nun setzte man auf den Heuschreckenkapitalismus, die Hedgefonds und die Private-Equity-Häuser. Hedgefonds machten aus sinkenden Aktienkursen sogar Gewinne und die Private-Equity-Häuser leben von der Substanz gut gehender Betriebe. Durch die Auflösung aller liquiden Mittel, Zerschlagung der Betriebe, Entlassung der Stammbelegschaften, Kürzung der Tariflöhne usw. fuhren sie bis zu 30% ein. Inzwischen – wir schreiben bereits das Jahr 2007 – ist ihre Marge schon auf 15% gefallen. Die Heuschrecken sind das letzte Aufgebot des Kapitalismus (4). Sie kontrollieren weltweit schon 4 Billionen Dollar (4.000.000.000.000) von 56 insgesamt. Mit den Weltkriegstreibern, den militärischen Zerstören, schreiben sie die 2. Seite des letzten Kapitel des Kapitalismus, die wirtschaftlich Zerstörung.

Erst wollte die SPD-Bundeskanzler Schröder die Hedgefonds aus Deutschland raushalten. Am 1.1.2005 aber ließ er sie auf Druck der Industriebosse doch noch zu. Diese sahen in den Hedgefonds einen wichtigen Bestandteil ihrer Finanzanlagen. Dann beschimpfte Müntefering die „Masters of the Universe“, wie sie sich selber nennen, als Heuschrecken. Am 22.6.2005 aber sondierte Finanzminister Steinbrück mit Heuschreckenagent Merrill Lynch deren Kaufinteressen an den restlichen Staatsbetrieben, wobei die Telecom schon konkreter ausgehandelt wurde. Hier besitzt das Haus Blackstone schon 2,7 Milliarden an Aktien und will die 20 Milliarden des Bundes auch noch übernehmen, dann hätte es schon 35% des Global Players. Den Aufsichtsratssitz von der Münchener Rück hat das Haus mit dem schlecht deusch sprechenden Lawrence Guffey schon übernommen. Guffey verlangte gleich die Ablösung des alten Vorstandsvorsitzenden Kai-Uwe Ricke, weil dieser nur 32.000 ArbeiterInnen rauswerfen wollte.

Erst stellte sich der Bund mit seinen 30% dagegen. Nach einem Monat aber gab er seinen Widerstand auf, weil er sich daran erinnerte, dass er doch mit Blackstone ins Geschäft kommen wollte. Also bestimmte man René Obermann zum neuen Vorstandsvorsitzenden, da dieser bereit war, von insgesamt 120.000 Mitarbeitern. 50.000 zu feuern und 50.000 für einen 30% niedrigeren Lohn auszugliedern und mehr arbeiten, 42 Std. Dieses unverschämte Ansinnen hat man zwar erst einmal auf -13% zurückgeschraubt, die Kollegen werden aber jegliche Ausgliederung  und Kürzung ablehnen müssen, da in einem ausgegliederten Betrieb viel schlechtere rechtliche Möglichkeiten für die Arbeitenden besteht. Der Mutterkonzern zahlt für den Service nur so viel wie die Konkurrenz, und schon schreibt die Tochter Verluste und hat die beten Argumente, weiter zu kürzen. Die Gewerkschaften können dann einpacken. Ver.di ist schon mit der Forderung nach einer 34stündigen Arbeitszeit in die Offensive gegangen. Am 30.3. meldet online-Money:

„Der Telekom-Vorstand will seine Sparpläne beim Konzernumbau auch gegen Widerstand der Arbeitnehmer durchsetzen. Streiks nimmt der Konzern in Kauf. „Selbstverständlich würden wir uns darüber nicht freuen. Wenn es aber sein muss, muss es sein“, sagte das für Finanzen und Personal Vorstand Karl-Gerhard Eick der „Süddeutschen Zeitung““ (5)

Seither gab es schon mehrere Demonstrationen der Telekom- oder T-Service-Kollegen. Es grummelt ganz schön an der Basis. Wir sahen bei Gate Gourmet, dass deren Investor, das Private-Equity-Haus TPG (Texas  Pacific-Group) der beste Garant dafür war, dass die Arbeiter wieder kämpfen lernen. Das wird sich bei der Telekom mit mehr Getöse fortsetzen. Wir schrieben am 2.8.06: „…was die 120 Kollegen von Gate Gourmet geschafft haben, schafft ihr mit 120.000 Kollegen schon lange.“ (4) und so wird sich das bei jeder Heuschreckenplage fortsetzen, da das Grashüpfer-Geschmeiß auch die von Illusionen träumenden Arbeiter mit ihrer Beschleunigung des Untergangs nur aus jedem Schlaraffenland-Traum unsanft aufwecken, daran werden auch die von dem EU-Ministerrat ins Auge gefassten „Kontrollgesetze“ nichts ändern.

Am Ende der fallenden Profitratenkurve beobachten wir nicht ein Einschlummern, wie von Karl Marx beschrieben, sondern eher wie auch die unendlichen Endzeitkriege, wüste Todeszuckungen des kapitalistischen Systems. In der 2. Folge wollen wir uns mit den von Rosa Luxemburg in ihrem Werk „Die Akkumulation des Kapitals“ aufgestellten Thesen über die Grenzen des Marktes beschäftigen, die natürlich auf dem von Marx entwickeltem Wertgesetz aufbauen. Ihre Thesen beschreiben die katastrophale Wirklichkeit noch prägnanter. Letztlich befassen wir uns aus den Gesetzen logisch zwingende Alternative und zeigen den Weg dorthin auf

Norbert Nelte
www.marktende.de
Internationale Sozialisten

 

Fußnoten:

1 Norbert Nelte, Norbert Nelte, Marxistische Wirtschaftstheorie - leicht gemacht, S. 14
2 Bei beiden Formeln - m/c + v und v + m/c + v – umfasst der Zähler nur die Jahreszahlen und der Nenner aber das vorgeschossene Kapital. Die Permanenz der fallenden Wertschöpfungsrate ist wie bei den Konjunkturzyklen auch durch die Umschlaghäufigkeit relativ. Man kann z.B. auch dem permanenten Fall der Wertschöpfungsrate dadurch entgegenwirken (Nicht stoppen, nur verlangsamen), dass man die Umschlaghäufigkeit erhöht, z.B. durch schnellere Bandgeschwindigkeit oder geringere Kapitalbindung durch „Just in Time“.
3 Karl Marx, "Das Kapital," Bd. 3, Seite 269, 15. Kapitel, Entfaltung der innern Widersprüche des Gesetzes
http://www.mlwerke.de/me/me25/me25_000.htm
4 http://www.linkezeitung.de/cms/content/view/822/36/
5 http://www.focus.de/finanzen/news/konzernumbau_aid_52130.html

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