Sahra Wagenknecht wird Anhängerin von Ludwig Erhard, dem ersten Neoliberalen.

Norbert Nelte - 27.05.2015 - Theorie

Ludwig Erhard wird von Sahra Wagenknecht als Vorbild gesehen. Nun hat sie also mit Stalin gleich auch Marx eingestampft … und wird Anhängerin … des Ordoliberalismus, des Vorläufers des Neoliberalismus und seines ersten Praktikers, Ludwig Erähard.

Erhard war während des Nationalsozialismus stellvertretender Leiter beim Nürnberger Institut zur Wirtschaftsbeobachtung der deutschen Fertigware und Lehrbeauftragter der Nürnberger Handelshochschule.„In der Zeitung des Instituts äußerte sich Erhard beispielsweise positiv über die nationalsozialistische Zwangskartellierung, denn sie beuge den Schäden des „artfremden Preiskampfes“ vor“ (Wikipedia)

Es mag sein, dass Erhard diesen gequirlte faschistische Scheiße deshalb verfasst hat, um seine Karriere im 3. Reich machen zu können, er selber gar nicht an den „artfremden Preiskampf“ geglaubt hat, er gar nicht wusste, was das ist. Niemand weiß das. Aber umso schlimmer war sein opportunistisches Verhalten, denn die Nazis konnten sich nur mit den tausenden opportunistischen Mitläufern aufbauen.

Und hier sollen die Kartelle für den dogmatischen Marktwirtschafter Erhard plötzlich positiv gewesen sein? Aber Antisemit war er schon. Noch 1949 versuchte er die Rückgabe der Rosenthal Porzellan AG an die jüdische Familie des Unternehmensgründers Phillip Rosenthal als Berater der Firma zu verhindern.


Ab 1942 leitete er das von ihm gegründete Institut für Industrieforschung, das von der Reichsgruppe Industrie finanziert wurde und damit ein halbstaatliches Institut wurde.

Während des Faschismus war der Anteil der Löhne am BSP konstant  bei 55% klein. Erst nach dem Krieg ging ihr Anteil bis zum Genscher Putsch 1982 bis auf 84% wieder hoch.

In diesem Umfeld hat Erhard seine Führungspositionen inne gehabt und musste das mit seinem Opportunismus auch sicher richtig finden. In Anlehnung an den von Walter Eucken mitbegründeten Freiburger Schule des Ordoliberalismus, dem ursprünglichen Neoliberalismus, entwickelter er sein Konzept der „sozialen“ Marktwirtschaft ursprünglich für den Faschismus, wobei “sozial“ im Ordoliberalismus nicht im Sinne von gemeinnützig oder hilfsbereit gemeint ist, sondern mehr von „gesellschaftlich“ gebraucht wird. Ordo kann man auch als Stuhlreihe verstehen und der Staat macht den Platzanweiser für die verschiedenen gesellschaftlichen, sozialen Figuren, z.B. soll er Monopole und Kartelle verbieten, den Rest reguliert der Markt.

So war Ehard auch nach dem Krieg nicht der Schöpfer des Begriffes „sozial“ in „soziale Marktwirtschaft“. „1945 wurde er von der amerikanischen Militärregierung in die von Ministerpräsident Wilhelm Hoegner (SPD) geführte Bayerische Staatsregierung zum Staatsminister für Handel und Gewerbe berufen. Nach den Wahlen im Dezember 1946 musste er dieses Amt niederlegen“ (Wikipedia), denn er wurde nicht wieder gewählt.

Ab 1949 wurde er parteiloser Wirtschaftsminister nach dem dogmatischen marktwirtschaftlichen Ordoliberalismus. Aus der Freiburger Schule hatten sein Berater Walter Eucken und besonders auch Wilhelm Röpke und Leonhard Miksch unmittelbaren Einfluss auf die Wirtschaftspolitik im ersten Jahrzehnt der Bundesrepublik. Das Konzept der Soziale Marktwirtschaft arbeitete aber sein Abteilungsleiter Alfred Müller-Armack aus, nicht er. Ludwig Erhard übernahm nur die Bezeichnung, weil sie ihm politisch opportun erschien.

Dass Erhard wenig mit sozialer Politik im Sinne von hilfsbereit zu tun hatte, wurde an der Auseinandersetzung von 1957 mit dem Sozialpolitiker Adenauer deutlich, der eine Rentenreform nach dem Umlageverfahren (Generationenvertrag) einführen wollte. Erhard stellte sich mit dem Argument dagegen, dass sie nicht zukunftsfähig sei. So hat der ordololiberale und unbeugsame Marktverfechter Erhard viele Auseinandersetzungen mit den Sozialpolitikern Adenauer und Alfred Müller-Armack.

Nach dem Krieg wollte 80% der Bevölkerung den Sozialismus ohne Kapitalisten, gezwungenermaßen auch die CDU. Auch in Bayern 84% für den Sozialismus. Dem konnte und wollte sich keiner entziehen.Nur die beiden Politiker Adenauer und Erhard wollten eine klare Westbindung. Erst nach der Berliner Blockade durch Stalin und der Luftbrücke von Juni 1948 bis Mai 1949 waren alle für die Westbindung.

Ludwig Erhard mit seiner Zigarre steht auch für den Wirtschaftsaufschwung nach 1945. Nur Anfangs lief es gar nicht besonders, auch nach der Währungsreform 1948 und der Regierungsübernahme 1949.

Erst der Korea Krieg 1953 brachte Wirtschaftsaufschwünge, wie wir sie 2010 von China kennen, und zwar 1955 = 12,8%. Während die US-Firmen sich auf die Waffenproduktion konzentrieren, lieferte Deutschland und Japan die Konsumgüter an die USA. Das lieferte dann den „Wohlstand für Alle“, und nicht Erhards Wirtschaftspolitik.

Sollte Sahra Wagenknecht die Wahrheit über Ludwig Erhard erfahren, dann möchte ich bezweifeln, dass sie immer noch behaupten würde, dass "Ludwig Erhard bei uns mit seinen Ansprüchen am besten aufgehoben wäre" Der Weg vom orthodoxen Stalinisten zu einem liberalen Marktverfechter ist manches mal wirklich nicht weit.

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