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Wirtschaftszusammenbruch: Der „Point of no Return“ der Produktion wird gerade überschritten.
Keine weltweite Rückkehr mehr möglich zum Wirtschaftsboom

Norbert Nelte - 25.03.09 - Ökonomie

Märklin, Schießer, Rosenthal, eine Marke nach der anderen verschwindet vom Markt. Die Autobranche zittert. Mit den Abwrackprämien gab es kurz noch mal einen Aufschub vor dem Untergang. Aber zu so einem Konsumgutschein wie die Abwrackprämie bei allen Endverbraucher-Investitionen wollte sich die Regierung dann doch nicht durchringen, da bei den anderen Gütern wie z.B. Computern der Importanteil doch höher liegt. Da dachte die Regierung, kann sie das Geld gleich nach China überweisen. Die Auftragseingänge im Januar 2009 im Maschinenbau sind fasst um die Hälfte, um 40% abgestürzt.

Hier sind wir auch schon bei der Quintessenz, beim wesentlichsten Punkt.

In einem normalen Wirtschaftsverlauf mit Boom und Krise fällt der Konsummittelsektor weltweit immer noch schneller als der Produktionsmittelsektor und es entwickelt sich immer ein Überschuss im Konsummittelsektor. Der Überschuss im Konsumsektor kann, wenn er nicht mehr in dem ausländischen Markt ausweichen könnte, dann immer noch in den unterproduzierenden Produktionsmittelsektor durch Kapitalübertrag oder Verkauf von Konsumgütern als Produktionsmittel verschoben werden (Siehe Tabelle Nr. 3 der erweiterten Reproduktion). Die permanente Überproduktion des Konsummittelsektors im Kapitalismus liegt daran, dass der Arbeiter von seiner Wertschöpfung in beiden Sektoren nur einen Teil um 60% ausgezahlt bekommt und der Kapitalist sich den Rest für die Kapitalakkumulation, und für die Revenue, seinen eigenen Verbrauch behält. Er kann gar nicht so viel Schnitzel essen, wie er den Arbeitern abknöpft und der Puddingpulverhersteller investiert den Profit in normalen Zeiten z.B. im Maschinenbausektor.

Sobald aber die Wirtschaftskrise durch die Verengung der Märkte so stark fällt, dass die Anlageinvestitionen weltweit schneller als die Löhhne fallen, dann
kann er auch nicht mehr in den Konsumsektor übertragen werden (Überproduktionsgesetz von Nelte, steigt die organische Zusammensetzung des Kapitals q, dann tritt die Überproduktion im Konsumsektor auf, fällt q, dann Überproduktio im Produktionsmittelsektor - siehe Norbert Nelte - Rosa Luxemburg, die Grenzen des Marktes und die Todeszuckungen des Kapitalismus und Norbert Nelte, Marxistische Wirtschaftstheorie - leicht gemacht).



In normalen Zeiten wird den Arbeitern von ihrer Wertschöpfung der Mehrwert entwendet und der Arbeiter behält nur das für seine Reproduktion, um den nächsten Tag wieder arbeiten zu können. Die Überproduktion im Konsumsektor 2  konnte der Kapitalist aber, was nicht exportiert wurde, immer im Produktionsmittelsektor 1 verwerten, also beispielsweise Strom, der für den Endverbraucher geplant war, als Produktionsmittel an eine Maschinenfabrik verkaufen.

Fallen weltweit die Anlageinvestitionen aber bedingt durch den Fall von q schneller als der Kapitalist den Arbeitern mit dem Mehrwert abknüpft, tritt der Überschuss im Produktionsmittelsektor 1 auf und er kann nicht mehr übertragen werden, die Panik bricht bei den Herrschenden aus. Ein zusätzlicher Arbeitsplatz in der Produktionsmittelindustrie zieht gleich beispielsweise 5 weitere Arbeitsplätze in der Zuliefererindustrie und der Konsumindustrie nach sich, die Kollegen brauchen ja auch zu Essen und ein Häuschen. Ein verlorener Arbeitsplatz zerstört entsprechend 5 weitere.

Nicht gleich bei jedem Produktionsrückgang, also in einer normalen Krise verändert sich die organische Zusammensetzung des Kapitals (q = c/m) in den Produkten, das Verhältnis von Maschinen zu Lohn bleibt bestehen und der Überschuss entsteht weiter im Konsumsektor. Aber wenn die Investitionen massiver fallen als die Löhne, verändert sich auch die organische Zusammensetzung des Kapitals, bei einer massiven Kürzung der Anlageinvestitionen mag sich erst wenig in der Zusammensetzung auswirken, aber schon eine kleiner Fall von q hat verheerende Auswirkungen.

Der einzelne Kapitalist mag sich sagen, dass sowieso ein Konkurrent insolvent geworden ist, also braucht er die eine teure Maschine nicht ersetzen und dafür stellt er wieder 10 Leute mehr ein. Schon sinkt der Absatz bei der Maschinenfabrik, weil die Frau Meier ihren Hunger nicht mit einer Stanzmaschine lösen kann. Nach China kann man sie auch nicht mehr verkaufen, weil die schon selber welche bauen. Die Wirtschaft stürzt ab wie als wenn sie gegen eine Wand fährt. Die Maschinenfabrik entlässt 100 Arbeiter, die Zulieferer entlassen 100 und die Läden in der Stadt der Arbeiter machen dicht.

150 Jahre lang haben die Kapitalisten die Massen verarscht. Nun haben sie sich ganz gehörig selber verarscht, durch die Rationalisierung fiel die Profitrate und dem Arbeiter klaute der Kapitalist immer mehr vom Lohn. Der konnte immer weniger konsumieren und beim Kapitalist sank die Erwartungshaltung, die für neue Erweiterungsinvestitionen wichtig sind. Nun kommt noch die Grenze des Marktes nach China hinzu, die er nicht berücksichtigt hatte außer Rockefeller mit seiner Abschaffung der Marktwirtschaft, der Weltdiktatur und dem Weltmonopolgedanken und einigen Mahnern wie Julian Robertson oder
Paul Craig Roberts. Huch, der Globus ist ja hier zu Ende und es gibt kein Massenprodukt mehr, was man dem Arbeiter aufschwatzen könnte.

Es gäbe noch eine andere Möglichkeit, die organische Zusammensetzung wieder zu steigern, das wäre die ursprüngliche Akkumulation. Wir arbeiten alle 10 Stunden für 1 Euro. Nicht? Das würde auch nichts bringen, denn dann käme wieder das Problem mit der geringen Profitrate.

Der rückläufige Konsumsektor kann nicht den maroden Produktionsmittelsektor antreiben und die Wirtschaft kommt zum Erliegen. Nach der Auslöschung am Markt einiger Kapitalisten wird es noch einmal zum Aufschwung kommen, aber nie mehr so wie bisher, als der Produktionsmittelsektor die treibende Kraft war. Die Tendenz im Kapitalismus zur Monopolisierung hat diesen Motor noch dazu nach Amerika zentralisiert. Der hatte noch das Ende mit Schneeballsystemen im Finanzsektor zu verzögern versucht, aber das hatte nur zu einem noch brutaleren Ende geführt, so, dass bei Fox News die Analytiker für 2014 schon die Auflösung jeden Rechtsstaates sehen.

Leider sehen manche die Krise verursacht im Geldsystem oder im Finanzsektor. Ihnen fehlt durch die Verwechslung von Ursache und Wirkung die Totalität des Zusammenbruchs. Beides sind nur Auswirkungen der kapitalistischen Wirtschaft, nur mit den Theorien des tendenziellen Falls der Profitrate von Karl Marx und den Grenzen des Marktes von Rosa Luxemburg können wir seinen totalen Zusammenbruch erklären, aber auch sein unwiderrufliches Ende. Marx ist nun mal bei vielen aus der Mode gekommen und Luxemburg war es noch nie.

Jetzt läuft genau das Umgekehrte wie beim Wirtschaftsaufschwung ab, für jeden verlorenen Arbeitsplatz in der Produktionsmittelindustrie werden 5 weitere verloren. Die Volkswirtschaften stürzen im Steilflug ab.

Es umkreist immer mehr und immer schneller der abgeschöpfte Profit den Globus zur Kapitalisierung auf der Suche nach profitablen Anlagemöglichkeiten. Bisher waren das täglich 2 Billionen Dollar, aber das werden jetzt unendlich mehr, da das Kapital wegen der Überproduktion keine Anlagemöglichkeit mehr findet. Es wird immer aggressiver bei der Privatisierung auftreten, beim Rohstoffdiebstahl, der Abholzung des Urwalds, immer offener kriminelle Methoden beim Waffenhandel, Glücksspiel, Rauschgift, Prostitution, Kunstraub oder Pillenbetrug anwenden. Mit den Luftnummern der Derivaten-Wettgeschäfte haben die seriösen Herrschaften ja nicht aufgehört, jetzt geht es erst richtig los, die Pleite der wichtigsten Staaten durch die „Bankenrettung“ ist ja schon vorprogrammiert, dem IWF wird bald das Geld zur Staatenrettung ausgehen.

Solange der Sturz des Produktionsmittelsektors nur in wenigen Ländern auftritt wie 2002, als die Anlageinvestitionen schon über 5% in Deutschland und 10% in Amerika abstürzten, welches wir hier in dem Artikel Rohstoffkriege und Sozialdemontage 2006 dargestellt hatten, gab es noch mal ein Anstieg des Bruttosozialproduktes. Damals konnten noch China, Europa, Russland und Lateinamerika mit ihrer Investitionsnachfrage diese Länder wieder retten.

Wir prophezeiten den Untergang des Kapitalismus in diesem Artikel erst in 30 Jahren. Wenn nun aber die Entwicklung des abstürzenden Maschinenbaus und der Investitionen schon jetzt weltweit festzustellen ist, dann wird  der Kapitalismus trotz Sonnenscheins schon jetzt innerhalb der nächsten 10 Jahre direkt in die Tauschwirtschaft abstürzen. Die Gewalt des Absturzes der gesamten Wirtschaften weltweit weisen auch eher auf die Variante des schnelleren Falls des Produktionsmittelsektors als den des Konsumsektors hin.

Wir haben jetzt keine statistischen Zahlen auf Wunsch, ich kann sie auch nicht wie ein Uniprofessor von einem Heer von Studenten zusammen suchen lassen, durchsuchen wir das Internet.

Deutschland
Anfangs wiesen wir schon darauf hin, dass die Auftragseingänge im Januar 2009 im Maschinenbau um fasst die Hälfte, um 40% abgestürzt sind (März -42%). Das Statistische Bundesamt; Investitionsgüterproduzenten im Nov. 08 -4,9 % im Dez 08, im Jan 09 -12,0% (Wiwo)  dagegen stiegen die Konsumgüter geringfügig über +0,1%.

England

Industrieproduktion: 10/08 = -2,2%, 11/08 = -3,2, 12/08 = -8,8%

Japan

Industrieproduktion: Nov. -8,1, Dez. -9,6
Die japanischen Autobauer stellten im Januar 41 Prozent
weniger Fahrzeuge her als noch ein Jahr zuvor
Japans Export bricht um 46 Prozent ein

China

China brechen Exporte in Rekordtempo weg

Vereinigten Staaten

Die Auslieferungen für Investitionsgüter (ohne Verteidigung und Flugzeugbau) verringerten sich im vierten Quartal 2008 um knapp 4 % gegenüber dem Vorquartal und signalisieren einen deutlichen Investitionsrückgang.
Auftragseingänge mit intakter Abwärtsbewegung – deutlicher Investitionsrückgang zu erwarten
US-Wirtschaft zum Jahresende um 6,2 Prozent geschrumpft

Diese Liste könnten wir noch unendlich fortführen, wir sehen schon, dass die Investitionen weltweit stark gefallen sind und dass der oben beschriebene freie Fall der Wirtschaft schon stattfindet. Alle Zahlen deuten auch auf die Stimmigkeit unserer Theorie der Überproduktionskrise hin. Die organische Zusammensetzung des Kapitals fällt wieder, sie führt aber nicht zu einer Erhöhung der Profitrate, da die gleichen Fixkosten auf eine niedrige Stückzahl verteilt werden. Es entsteht die Überproduktion im Produktionsmittelsektor, der nicht mehr übertragen werden kann und die Wirtschaft fast abrupt zum Stoppen bringt.

Aus einer Leserzuschrift an Hartgeld:

„Gestern hat mich eine Bekannte aus XXX am Chiemsee angerufen, die dort ein Geschäft betreibt. Die Frau des örtlichen Raiffeisenbankchefs war bei ihr im Laden und hat gesagt, dass ihr eigener Mann sein ganzes Geld in bar heim holt, weil er glaubt, dass in 2-3 Monaten der Zusammenbruch kommt:“ es geht nimmer lang“.

Auch nehme die Zahl der Abhebungen dramatisch zu, immer mehr Leute holen ihr Geld : „ die sind schon öfter jetzt bis über die Straße angestanden“

Also, die Bankchefs heben schon ihr eigenes Geld von ihrer Bank ab, sie trauen sich selber nicht mehr.

Julian Robertson, berühmter Hedge-Fonds-Manager sagt globalen Wirtschaftszusammenbruch voraus.
Soros sieht kein Ende des „finanziellen Kollaps“.
Britischer Geheimdienst warnt vor Sturm auf die Banken - Plan die Armee einzusetzen
Im Juni Wirtschaftszusammenbruch und im Juli die Aufstände. Die Uhrzeit entzieht sich unserer Kenntnis, vielleicht verschiebt sich ja auch alles noch um einige Monate.

(2009 1. Wirtschaftszusammenbruch, Aufstände in Griechenland, Tunesien, Ägypten, Spanien, Israel, Syrien. 2011)

Norbert Nelte
nc-nelteno@netcologne.de
Internationale Sozialisten

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