Oskars Vakuumsauger, den Arbeitern aber die ganze Backstub!

Norbert Nelte - 16.12.2008 - ökonomische Theorie

Seit einiger Zeit versucht der Vordenker der Linken Oskar Lafontaine der Nation zu erklären, was Sozialismus ist. Also, die erste Maschine, die die Arbeiter erwirtschaften, gehört dem Boss, und die zweite Maschine gehört den Arbeitern. Fifty-Fifty, Super, nun müssen die Arbeiter auch so wie das Kapital denken und rationalisieren sich nach den Anforderungen des Weltmarktes einfach selber weg, sonst lohnt sich ja die Maschine nicht, wie der Vakuumsauger in Yellow Submarine – schlürf – schwuppdiwupp, weg hat er sich selber weggesaugt

Das Problem ist dann nur, wovon sollen die Arbeiter dann noch leben?
Karl Marx und Friedrich Engels hatten solche Überlegungen im Kommunistischen Manifest  Bourgeois-Sozialismus genannt. Das Wesentliche am Sozialismus ist doch die andere Wirtschaftsweise. Wir wollen nicht wie die Bourgeoisie für einen blinden Markt produzieren, sondern nach einem Plan für die Bedürfnisse aller Kollegen. Wie wir besonders heute sehen, ist das Kapital überhaupt nicht in der Lage, vernünftig zu wirtschaften. Sie produzieren erst auf Halde und dann streiten sie sich mit dem Konkurrenten um den Absatzmarkt, womöglich mit Krieg. Nein, so eine irrsinnige Produktionsweise können die Arbeiter wirklich nicht mitmachen. Um planvoll produzieren zu können, müssen wir aber deshalb alle Maschinen kontrollieren. Im Manifest heißt es dann weiter  (S. 25):

„Unter Veränderung der materiellen Lebensverhältnisse versteht dieser Sozialismus aber keineswegs Abschaffung der bürgerlichen Produktionsverhältnisse, die nur auf revolutionärem Wege möglich ist, sondern administrative Verbesserungen, die auf dem Boden dieser Produktionsverhältnisse vor sich gehen, also an dem Verhältnis von Kapital und Lohnarbeit nichts ändern, sondern im besten Fall der Bourgeoisie die Kosten ihrer Herrschaft vermindern und ihren Staatshaushalt vereinfachen.“

Dieser Vorschlag von Herrn Lafontaine ist nichts anderes als auch schon der ebenfalls gefährliche, aber ernst gemeinte Vorschlag von Herrn Köhler, den Arbeitern Aktien zu geben, nur bei Lafontaine handelt es sich um etwas mehr, 50% des Neuwertes,  nur das war ja kein ernst gemeinter Vorschlag, er hatte ja uns nicht verraten, wie so etwas durchzusetzen sei, ob mit einer Revolution oder mit einem Antrag der Linkspartei im Bundestag auf der Grundlage der  bürgerlichen Grundordnung. Revolution wird der etablierte Herr sicher nicht meinen, also meint er von in seinen Vorstands- und Aufsichtsratsesseln aus.

Er hat sich schon zu lange Gedanken um das Kapital gemacht und hat sich nun heillos darin verstrickt. Ihm scheint nämlich entgangen zu sein, dass die Maschinen im Produktionsmittelsektor mit der blinden Produktion des Kapitalismus schon längst nur noch Ein – Zwei Prozent abwerfen, da könnten wir gleich dicht machen. Er weiß doch selber, dass die Mehrzahl der Gewinne in den Konzernen heute aus den Finanzpapieren mit Leerverkäufen und Derivaten kommt, allenfalls noch Rohstoffklau. Porsche z.B. hatte mehr Gewinn als Umsatz gemacht, also Gewinne aus ihren Finanzpapieren, beispielsweise Aktien von VW, kaum Gewinne aus der Produktion. Die Maschinen, die wir nur in dem kapitalistischen Rahmen nutzen dürfen, sollen sie sich an den Hut stecken, wir Arbeiter wollen alles, wir haben schließlich auch alles produziert. Da sieht man, dass das „Arzt am Sterbett des Kapitalismus“-Spielchen nur in deren Untergang mit treibt.

Die IGM macht dieses Spielchen mit ihrer 8% Tarifforderung voll mit. Eigentlich müsste sie mindesten 11% mehr bekommen (8% Inflation + 3% Produktivitätssteigerung) und dann 22% fordern, sollte der Lohn mithalten. Nein, erst mal tut sie so, als ob die 8% unheimlich viel wären und dann begründet sie das damit, dass es mit der Industrie toll aufwärts ginge.

Wir Arbeiter müssen aber mehr Lohn fordern, unabhängig davon, wie es dem Kapital geht. Sie haben Jahrzehnte immer fette Gewinne gemacht und uns dabei erklärt, dass sie ja auch das Risiko in schlechten Zeiten tragen würden. Jetzt sind die schlechten Zeiten da, aber plötzlich sollen doch wir Arbeiter das Risiko tragen. Das ist auch die Devise der reformistischen Gewerkschaftsführung und sie impft ihre Mitglieder mit dem Virus ein.

„Die Arbeitnehmer sind wütend, weil sie trotz Aufschwung weniger in der Tasche haben, während Manager und Kapitalbesitzer massiv profitiert haben“, erklärt IGM-Chef Berthold Huber der Bild-Zeitung am 31.10. Am 6.11. ging schon durch die Nachrichten, dass die IWF für Deutschland in 2009 0,8 % Wirtschaftssenkung voraussagt, wir leben doch jetzt schon in der Rezession, gerade die Autoindustrie erlebt doch einen Absatzeinbruch nach dem anderen. GM wird Mitte 09 wahrscheinlich dicht machen wird oder kaufen die Chinesen das Schnäppchen?. 1,6% Schrumpfung 2009 in den USA. Dabei hat das mit der Finanzkrise gar noch  nicht richtig angefangen. 200 Milliarden wurden bis jetzt nur abgeschrieben, 2,7 Billionen könnte es noch werden, meint das Manager Magazin (4/2008) und da sind noch nicht mal die Hedgefonds- und Kreditkartenausfälle dabei. Sollen die Kollegen nach Huberts Logik dann deshalb Lohnkürzung hinnehmen?
Ob Hubert oder Lafontaine. Die Wirtschaft ist in einer derart desaströsen Lage, abgewirtschaftet von den unfähigen sozialen und neoliberalen Marktwirtschaftern, dass jetzt die Weltarbeiterklasse sich alle Maschinen nehmen muss um eine basisdemokratische, nach Vernunft geplanten Wirtschaft aufbauen zu können. Nur dann haben wir noch eine Zukunft!

Norbert Nelte
Internationale Sozialisten
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