Norbert Nelte, Marxistische Wirtschaftstheorie, leicht gemacht.

Norbeet Nelte - 04.06.2015
- Ökonomische Theorie

Einführung

Von der Sklavenhaltergesellschaft bis zum Feudalismus wurde die einfache Warengesellschaft durchgeführt. Der Schuster stellte z.B. Schuhe her, nicht um damit Gewinn zu erwirtschaften, sondern um dafür Gerste zu bekommen. Es herrschte das Prinzip vor Ware – Geld – Ware (W-G-W). Der Schuster produzierte erst die Ware Schuhe, verkaufte sie für Geld und kaufte sich für dieses Geld die Ware Gerste.

Im Kapitalismus dagegen herrscht das Prinzip Geld – Ware – GeldΔ (G-W-G’). Der Kapitalist investiert z.B. in eine Autofabrik Geld, lässt dort die Ware Auto produzieren und verkauft diese für Geld, natürlich so, dass er dann auch mehr (Δ=Delta) hat, als er anfangs Geld investiert hat. Natürlich auch will er bei der ganzen Gewinnhackerei mehr haben, als er auf der Bank für Festgeldzinsen ohne Risiko bekommen würde. Dies nennt Marx die erweiterte Warengesellschaft.

Wir unterteilen den Gebrauchswert und den Tauschwert der Waren. Ein Pullover mag schön mollig sein, dann hat er einen hohen Gebrauchwert für seinen Träger, aber wenn er dabei ausgefranst ist, kannst Du ihn nicht mehr auf dem Flohmarkt verkaufen. Sein Tauschwert ist gleich Null.
Was aber bestimmt den Tauschwert? Bürgerliche Ökonomen lehren, dass Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen. Richtig. Aber worum gravitiert der Preis? Ein Apfel gravitiert eben um 50 Cent und eine Waschmaschine um 800 Euro. Keiner käme auf die Idee, eine Waschmaschine für 50 Cent nachzufragen. Der Gravitationsmittelpunkt eben ist der Wert, den Karl Marx sich ergeben sieht aus der Summe der in der Ware kristallisierten Arbeit, deshalb

1. Arbeitswertlehre

»Wir wissen, dass der Wert jeder Ware bestimmt ist durch das Quantum der in ihrem Gebrauchswert materialisierten Arbeit, durch die zu ihrer Produktion gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit.« (Karl Marx: "Das Kapital", Band I, Seite 201)

Der Tauschwert einer Ware versteht sich nur im nationalen Durchschnitt. Unser Kapitalist, nennen wir ihn Henri, investiert also in Maschinen, Fließband, Roboter, dem Grundstück und der Fabrikationsstätte, den fixen Produktionsmitteln und den variablen für die Produktion, den Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen sowie den Halbfertigfabrikaten. Für diese Produktionsmittel muss Henri den Vorkapitalisten bezahlen und der behält seinen Gewinn schon selber. Die anderen Kapitalisten bezahlen ja auch die Vorkapitalisten, so, dass Henri daraus keinen Gewinn abschöpfen kann. Es sei denn, dass er die Lieferanten durch Großeinkauf unter Druck setzen kann, dann macht er einen Sondergewinn. Die Konkurrenten machen aber auch einen entsprechenden Sonderverlust, so dass sich hier bei den Produktionsmitteln im Durchschnitt kein Gewinn ergibt. Dieses Kapital nennen wir konstantes Kapital = c.

Nun kauft Henri noch die Arbeitskraft der Arbeiter ein, die seine Autos zusammenbauen sollen. Dafür zahlt er ihnen Lohn, das nennen wir das variable Kapital = v. Dieser Lohn beträgt in ausgeglichen Zeiten für ihn nur soviel, dass der Arbeiter auch morgen wieder arbeiten kann, seine Kinder ausgebildet und dass er sich einiges Geld fürs Alter zurücklegen kann. Aber oh Wunder, der Arbeiter kann nun eine höhere Wertschöpfung schaffen, als er an ihn die Reproduktionskosten, den Lohn bezahlen muss.



Nachdem der Kapitalist Henri also das konstante Kapital (c) und das variable Kapital (v) vorgelegt hat, erzielt er dank der Schweißarbeit der Arbeiter mit dem Autoverkauf einen höheren Umsatz als c+v. Dieses Plus, den Mehrwert (m) behält er für sich. Die Verzinsung des vorgelegten Kapitals c+v ist dann die Profitrate m/(c + v) = p.

2. Der tendenzielle Fall der Profitrate

Nun besteht für Henri von Anfang an die Gefahr, dass er von der Konkurrenz totrationalisiert wird. Weltweit wird jährlich 3,3% rationalisiert, so dass die Weltbank davon ausgeht, dass ein Wirtschaftswachstum unter diesen 3,3% schon eine Wirtschaftsschrumpfung bedeutet.

Deshalb ist unser Henri nicht faul gewesen und rationalisiert auch und stockt seinen Maschinenpark von 50 auf 80 Millionen auf. Dafür kann er für 50 Millionen weniger im Jahr 1.000 Arbeiter rauswerfen und hat nur noch 30 Millionen Lohnkosten bei gleichen Verkaufserlösen von 150 Millionen Einheiten. Sein Gewinn steigt von 20 auf 40 Millionen und seine persönliche Profitrate von 15,38% auf 36,36% gestiegen, so dass er die Dividende fett erhöhen kann. Bei der Gewinnsteigerung von 20 Millionen hat doch sein Manager ein Boni von 5 Millionen verdient.

So sah der schöne Business-Plan aus, aber Herr im Himmel hilf, die Konkurrenz rationalisiert noch mehr und macht alles billiger. 90 c + 10 v bei einem Verkauf von 110, so, dass Henri bei seinen Ausgaben von 110 nur noch 110 einnimmt, gar keinen Gewinn mehr erzielen kann. Statt einem Gewinn von 40 Millionen kommt gar kein Gewinn raus.'

Das haben alle Betriebs- und Volkswirte bei Henris Autoindustrie nicht gesehen, weil alle bei der eigenen Rationalisierung aufgehrt haben, zu denken.

Über die gesamte Industrie, die Politik, die Theorie die Banken und allen Kalkulationsabteilungen wurde wie vom Mehltau der Gedanke gestoppt, dass doch die Konkurrenz bitte schön auch rationalisiert. Nur Marx und Engels ist dieser Gedanke aufgefallen und deshalb konnten sie den Kapitalismus auch bis zu Ende denken.

Im „Kapital“ sieht Marx die Produktion des Kapitalismus deshalb einschlummern:

»Die Profitrate, d.h. der verhältnismäßige Kapitalzuwachs ist vor allem wichtig für alle neuen, sich selbständig gruppierenden Kapitalableger. Und sobald die Kapitalbildung ausschließlich in die Hände einiger wenigen, fertigen Großkapitale fiele, für die die Masse des Profits die Rate aufwiegt, wäre überhaupt das belebende Feuer der Produktion erloschen. Sie würde einschlummern.« (Karl Marx, "Das Kapital," Bd. 3, Seite 269)


3. Entgegenwirkende Tendenzen


Natürlich sieht Marx auch einige entgegenwirkende Tendenzen zum Trend der fallenden Profitrate. Diese Entgegenwirkung schwächt aber den Fall nur ab, diese Feststellung war für Marx schon wichtig.

Das wichtigste ist die Erhöhung der Ausbeutungsrate (Mehrwert/Lohn = m/v). Der Lohn wird gekürzt und damit der Gewinn erhöht. Das funktioniert auch heute noch, aber auch nur sehr schwach, da der Anteil des Warenwerts vom Lohn nur noch sehr gering ist, bei VW z.B. nur noch 4%, wenn man dort den Lohn um 20% kürzt, wird der Gewinn gerade einmal um 1% erhöht, Peanuts. Bei vielen Firmen hat man schon festgestellt, dass auch, wenn die Kollegen umsonst arbeiten würden, die Produktion sich nicht mehr lohnt, bei Siemens-Handy beispielsweise, die haben den Laden dann ganz schnell an BenQ nach Taiwan verhökert.

Eine zweite entgegenwirkende Tendenz ist die »Verwohlfeilerung der Elemente des konstanten Kapitals ...«, (S. 245) Die Verminderung von c durch Ausweitung der Schichtarbeit ist kaum mehr möglich, da schon ausgereizt. Die Lagerhaltungskosten können auch nicht mehr vermindert werden, da schon „Just in Time“ ans Fließband geliefert wird.

Auch der Rüstungskapitalismus wirkt kaum mehr entgegengesetzt. Im Irak-Krieg 2004 konnte Bush noch das BIP um 2% hochtreiben und die Gewinne sprossen. Inzwischen aber alle wesentlichen Volkswirtschaften so tief im Minus mit dem BSP, dass nichts mehr sprießt. Die laufenden Afghanistan-, Irak- und Somalia-Kriege werden auch keinen zusätzlichen Nachfrageboom mehr bringen.
Die gegenläufigen Tendenzen haben kaum mehr den tendenziellen Fall der Profitrate abschwächen können, so dass sie heute schon im produktiven Bereich auf 1-2% gefallen ist.

Der Fall der Profitrate auf ein Minimum weit unter dem Finanzmarktzinssatz geht einher mit den Grenzen des Marktes, der mit der Kapitalisierung von China seinen Endpunkt gefunden hat.

Der Anteil der Arbeit in den Waren wurde durch die ständigen Rationalisierungen immer geringer, so dass er heute bei den deutschen Industrieprodukten weit unter 10% ausmachen. Die Arbeit ist aber die einzige Quelle des Mehrwerts, weshalb dieser schon in der Produktion auch wegen des Ende des Marktes bei 1 – 2% angekommen ist.

Man ging 2002 mit den Heuschrecken dazu über, auf Kosten der Substanz der Betriebe Profite zu machen. Das ging aber nur bis 2009 bis zur Bankenkrise, da die Banken den Heuschrecken kein Geld mehr liehen. Jetzt ist man dazu übergegangen, dass die Konzerne über den Staat die Arbeiter für die Erhöhung ihrer Gewinne anbetteln.

Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Arbeitermassen den Saustall der Bosse in die Wüste schicken und nach einer vernünftigen wirklichen Planung nach ihren Bedürfnissen demokratisch in einem Arbeiterrätesystem wirtschaften, nicht mehr wie bei dem Kapital im Wettbewerb für einen unbekannten Markt und auch nicht wie in der DDR mit dem Rüstungswettlauf als Triebfeder, beides sind nur Blindhühner. So einfach ist das.

Home


Besucherzähler