Endstation Sehnsucht!

Norbert Nelte - 19.01.09 - Theorie

Langsam rollt der kapitalistische Weltwirtschaftszug in den Sackbahnhof ein.

Wir sehen schon im Nebel voraus die Bahnhofshalle und die Ansagerin säuselt aus den quäkenden Lautsprecher so, dass Du jetzt nicht weist, will sie uns bezirzen oder ängstigen, „Endstation, bitte alles aussteigen, sie haben Anschluss mit dem Zug der Vernunft mit dem demokratischen Basisplan zur freien Welt oder mit dem Kriegszug der Diktatur zum Höllenschlund mit der Atombombe“ und die Fahrgäste suchen schon mal ihre Koffer zusammen.

Manche sind sich noch nicht schlüssig, welchen Zug sie nehmen möchten, na ja, vielleicht gibt’s ja noch Taxis nach, ja wohin denn nur, vielleicht nach Arkadien?

Der IWF hat für 2009 für alle Industrieländer eine weltweite Rezession, praktisch eine Schrumpfung von 0,3% vorausgesagt. Nur den BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) bescheinigte der Weltwirtschaftsfond noch ein Wachstum, zwar auch kleiner als 2007, aber immerhin noch ein Wachstum. In China z.B. ging das Wachstum von 11,4 auf 8,6% zurück. Die „Wirtschaftsexpertin He Qinglian sieht China in einer Rezession“. Die China-Kennerin äußert gegenüber der Epoch Times „Vor 2006 waren die faulen Kredite in den Banken schon sehr hoch, laut von Ernst & Young „unabsichtlich“ herausgegebenen Information betrugen sie mehr als 900 Milliarden US-Dollar. Auch der Vorstandsvorsitzende der UBS AG ist nach seiner Einschätzung auf diese Zahl gekommen. Da es nur die Werkbank der Industrieländer ist und „die normalen Bürger sehr wenig Geld haben“, da sie das wenige Geld  für  die „Rentenversicherung, Bildung und die Krankenversicherung“ ausgeben müssen, wird aus China trotz Noch-Wachstums keine eigenen Aufschwungsimpulse kommen, es ist zu 60% vom Export abhängig.

Deutschland muss mit einer Schrumpfung von 0,8% rechnen. Die letzten 2 Quartale schrumpfte die Wirtschaft schon um 0,4 bzw. 0,5%, wir befinden uns schon mitten in einer Rezession, alle Industriestaaten befinden sich bereits darin. Die Umsätze der deutschen Industrie sind im September so stark gesunken wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Um 3.9% fielen sie abrupt nach unten. Die Bestellungen sogar um 8%. Mercedes und BMW melden Verluste, besonders brach das Amerikageschäft ein. Opel muss die Regierung um 500 Millionen Euro Stütze anflehen. Die 50 Milliarden für die Hypo Real sind schon verbrannt, die 20 Mrd. Nachschlag auch und sie wird wie alle Banken ewig weitere Rettungspakte benötigen, kein Problem, nun wird mit Turbo-Geschwindigkeit Geld gedruckt und mit Turbo die Inflation angetrieben. Für den Steuerzahler, den Lohnabhängigen wird immer weniger Geld über bleiben. Leerverkäufe wurden wieder zugelassen. Die Autobauer entlassen schon mal die Leiharbeiter, die IGM  verzichtet auf gleich bleibenden Reallohn und Opel erwägt Lohnverzicht und bittet die Bundesregierung um Hilfe. Merckle, der Chef von Ratiopharm hält auch die Hand auf, er hatte 1 Milliarde Euro verzockt.

Und erst mal Amerika. Zu der Kaufzurückhaltung kommen noch Millionen Entlassungen. Die Deutsche Post alleine steigt aus ihrem Amerikageschäft aus und wird 15.000 Leute entlassen. Die Citi Bank entlässt 53.000 und die 300.000 von General Motors? Na, der geht die Puste aus. Auf  3 Dollar ist dieGM-Aktie schon gefallen. Die Banken rechnen mit 2.000.000 Entlassungen, insgesamt 2009 in Amerika. 300 Milliarden will Obama Garantien für die Citi Bank geben. Das wird nicht langen. Die 123 Mrd. für die AIG-Versicherung sind schon verbrannt und schon muss man noch mal 100 Milliarden Nachschlag geben, damit sie weiter zocken kann. Die AIG hat die meisten CDS und würde bei einem Untergang alle Großbanken der Welt mit sich reißen, da darf der amerikanische Steuerzahler genau wie bei der Citi-Bank ewig zahlen, bis ihm die Luft wegbleibt. Zu dem 700 Milliarden Care-Pakete für die Konzerne kommen noch mal 800 dazu.

In New York werden jeden Morgen die Hungerleichen eingesammelt und wenn sie Glück haben und jemand für sie gesammelt hat, kommen sie ins Massengrab, den Rest fressen die Hunde. In Washington um die Ecke vom Weißen Haus betteln die Barfußkinder um ein Kanten Brot. Die Suppenküche in New York verteilt täglich 350.000 Portionen, müsste aber 4 Millionen verteilen. 4.000.000 Familien wurden schon aus ihren Häusern rausgeschmissen und die meisten von ihnen wohnen jetzt im Auto oder in den Zeltstädten. 1.000.000 Amerikaner hat bisher die Finanzkrise schon arbeitslos gemacht.

Gut, bis jetzt kann man sagen, dass, nachdem viele Betriebe pleite gegangen sind, Kapital zerstört wurde, es ab Mitte 2009 wieder aufwärts gehen wird. So sieht das auch der IWF und alle Berufsoptimisten.

Es sieht zwar immer noch recht düster aus, aber alle Regierungen der Welt verströmen noch Zuversicht, sie bekommen die Märkte wieder in den Griff. Mein Pfleger erzählt mir, dass bei ihm nächstes Jahr wieder ein neues Auto ansteht und es dann wieder aufwärts gehen würde nach der Methode „jetzt wird wieder in die Hände gespuckt, wir steigern das Bruttosozialprodukt“ Das ist auch die herrschende Meinung bzw. die Meinung der Herrschenden. Die Begründung ist dann, irgendwie wird das schon weiter gehen, der Kapitalismus sei noch stark genug und wird nie untergehen. Differenzierter hört sich das schon bei den Linksrevolutionären an. Von der SAV werden wir aufgeklärt, dass es bei Marx kein rechnerisches Ende des Kapitalismus geben werde und die FAU vergleicht diese Krise mit der der 30 Jahre, und da ging es ja auch wieder aufwärts.

Hier ein Beispiel eines Konrad Angast vom Komitee für Rätedemokratie, der mich kritisiert, ich würde Illusionen mit meinen Artikel streuen. Kein Wort verliert er zu den Fakten: Profitrate unter der des Finanzmarkzinssatz, die Grenzen des Marktes, BSP-Kurve bei Null und dem Kreditkarten- sowie dem Derivatenproblem. Nur müsste die Idee der Räte langsam in der Klasse sich heranreifen. Die KfR hat wahrscheinlich noch nichts von der Theorie von Marx und Luxemburg gehört, dass das Bewusstsein im Kampf fast über Nacht entsteht und sie dann Bewegung und die Partei aufbaut. Diskutieren kann man mit den Kollegen ewig, da kommt nichts bei raus. Karl Marx nennt das, das ist wie einem Kleinkind höhere Mathematik beizubringen. Wir müssen im Betrieb Kämpfe organisieren und mit den Individuen diskutieren, die heute schon bereit sind, über den Reformismus hinaus zu gehen, dann entsteht Bewusstsein. Die meisten Trotzkisten favorisieren die Theorie der langen Wellen von Mandel. Alle sind sich einig, dass Rosa Luxemburg mit ihrer Theorie der Grenzen des Marktes sowieso nicht Recht hatte, weil sie bei ihrer Rechnung der erweiterten Reproduktion einen logischen und rechnerischen Fehler gemacht hatte.

Im Vergleich zu der 30-Jahre-Krise ist als 1. Punkt zu sagen, dass diese Krise, und sie hat gerade erst angefangen, schon 30% aller Länder betroffen hat. In den 30 Jahren waren das gerade mal 20%. Der 2. Punkt ist, die Durchschnittsprofitrate war damals noch bei gut 20%. Heute liegt sie im produktiven Gewerbe bei knapp 1%. Deshalb machen die Firmen heute ab 1990 3. zu 90% ihre Gewinne aus Finanzmarktpapieren. Entsprechend sind heute die Derivate 10-20mal so groß wie das Weltbruttosozialprodukt, damals waren sie etwa gleichgroß. 4. ist auch die 30-Jahre-Krise nur mit einem Weltkrieg gelöst worden, nachdem wir aber noch solche Polemiken schreiben können. Diesmal würde es keinen mehr geben, der überhaupt noch schreiben könnte, 35 mal könnte die Welt zerstört werden.  Auch kommt noch 5. hinzu, dass mit China die Grenzen des Marktes erreicht sind. Alle 5 Punkte zeigen, dass es nach so einem Fall nicht wieder aufwärts gehen wird.

In 1927 - 1932 ging aber die Industrieproduktion um 48,2% zurück, fehlt also noch dieser Punkt für einen Beweis. Das ist noch der einzige Punkt und alle Fakten deuten darauf hin, dass dieser Punkt noch locker erreicht werden wird. 200 Mrd. Dollar sind erst von den Schrotthypotheken abgeschrieben worden und 2,7 Billionen und die Kreditkarten- sowie die Heuschreckenschulden müssen noch abgeschrieben werden. Spätestens bei einer der nächsten Abschreibungswellen und der Insolvenz der Big Three GM, Ford und Chrysler sollte dieser Punkt doch dem Letzten klar geworden sein. Der Kongress hatte die 25 Mrd Dollar Hilfe für GM abgelehnt, aber auch wenn sie noch mal helfen sollten, die alle drei sind so ein Fass ohne Boden, recht bald wird der Kongress aufgeben weil es immer teurer wird und das kostet 239.000 Jobs, 1/10 aller amerikanischen. Die Citi-Group zerbröselt, das wäre dann die 6. Großbank Amerikas, bleiben noch 12 übrig. 20 Kleinbanken sind kaputt. Alle Marktbeobachter sind sich einig, dass die USA die Vormachtstellung bis 2025 verlieren wird. Wo ist der neue Wirtschaftsmotor?

Landesbank Baden-Württemberg meldet 2 Mrd. Euro Verlust und KfW 1,6. Die Schreckensmeldungen tickern jetzt im Minutentakt ein. Island ist gerade noch so vom IWF vor dem Staatsbankrott gerettet, aber gleich mit einer 50% Hyperinflation. Weitere 8 Staaten haben beim IWF Geldbedarf angemeldet, ihm gehen aber die Dollar aus. Browne tingelt zu den Staaten und sammelt weitere Gulden zusammen, sofern er noch etwas bekommt. Morgan Stanley spricht davon, dass die Kreditkrise in eine gefährliche "Panikphase" übergegangen sei“. Merkel stimmt uns für 2009 auf düstere Zukunftsaussichten ein, aber ab Mitte 2009 würde es wieder aufwärts gehen. Glaubt denn jemand im Ernst, wenn dann weitere Millionen Kollegen entlassen sind, weitere Staaten und Banken bankrott sind, dass es dann wieder aufwärts geht? Steinbrück sagt doch selber, sie könnten gegen die [Billionen] der Weltmarktkrise mit einem Konjunkturprogrammchen gar nicht anstinken, das ist auch verlorene Liebesmühe.

„Ex-CDU-Generalsekretär Heiner Geißler und Enthüllungsautor Günter Wallraff prophezeiten unisono das Ende des Kapitalismus, den Untergang des "tollwütig gewordenen Raubtierkapitalismus". Schluss, aus.“ schreibt der Spiegel unter dem Titel „ Schmierentheater der Sofa-Sozialisten“. Seit dem 2 Quartal geht es um  0,5% mit der Wirtschaft bergab, ernsthafte Ökonomen schätzen für 2009 2% Minus. Für die Lohnabhängigen geht es schon seit spätestens 2001 bergab, und jetzt das. Lt. OECD wird es weitere 700.000 Arbeitslose bis 2010 geben. Das Finanzbebenmessgerät nach Richter/Prechter steht bei 8,8. Bei 10,0 Totalzerstörung.

Die reformistischen Gewerkschaftsfürsten haben nichts dem entgegenzusetzen. Im Gegenteil, sie machen mit. Die Pensionsgelder der eigenen Angestellten aller Gewerkschaften der Welt haben sie bei dem übelsten Private Equity Haus Blackstone angelegt, nur weil dies auch in Rohstoffe oder Teak-Hölzer macht und damit länger lebt als die anderen Heuschrecken. Die Hilfspakete der Regierung für die Banken und Konzerne sind nichts anderes als eine indirekte Lohnkürzung, eine Umverteilung von unten nach oben, weltweit gaben die Regierungen schon 1,5 Billionen den röchelnden Konzernen. Nun fordert ver.di nicht etwa die Milliarden für unsere Renten und Löhne, nein sie fordert für Deutschland auch so ein Paket wie in China über 500 Mrd. für die Konzerne. Sie lügen uns direkt an. Die IGM hat jetzt für 18 Monate über 4,2% abgeschlossen und brüstet sich mit einer Erhöhung von 4,2%, dabei sind das pro Jahr umgerechnet nur 2,85%, und die können noch die Firmen bis 1,24% kürzen.

Trotz ihrer Politik ist es aber wichtig, den Gewerkschaften beizutreten, nicht wegen der Funktionäre, sondern wegen der Kollegen. Beispielsweise haben den wilden Streik bei Opel Bochum, der über den Reformismus hinausweist, die gewerkschaftlichen Opel-IGM-Vertrauensleute organisiert. Sie haben sich eben über die Gewerkschaftsarbeit kennen gelernt und Vertrauen zueinander gewonnen.

Die Profitrate für das verarbeitende Gewerbe hat 1993 in Deutschland nach dem Ökonom Robert Brenner 3,5% erreicht. Sie fiel also schon in den 80ern unter dem Finanzmarktzinssatz. Nun verlagerte das Produktionskapital seine Profitheckerei auf die Aktien, die bis 2000 dann 90% vom Gewinn betrugen. Man sprach nun vom Casino-Kapitalismus. Nach dem Crach von 2000 gingen die Privatkunden aus den Aktien raus und das Kapital wechselte dann zu den Heuschrecken über, die gut 30% Rendite mit Leerverkäufen. Rohstoffklau und Ausweidung der Betriebssubstanzen erzielten. Durch die Finanzkrise 2007 erzielten sie aber nur noch 10% und das Kapital musste sich eine neue Geldquelle suchen und entdeckte Dich als Steuerzahler. Die Staaten in aller Welt funktionieren dabei als Agent des Kapitals, der weiter von unten nach oben umschichten soll. Man wechselte vom Heuschrecken zum Bettel-Kapitalismus oder privatem Staatskapitalismus.

Mit der Annäherung der Profitrate an die Null-Achse hat sich auch die Wachstumskurve gegen Null angenähert. Sobald die Märkte sich immer mehr verengen, kann der permanente Mangel der Binnennachfrage nicht mehr mit zusätztlichen Export kompensiert werden. Der permanente Mangel der Binnennachfrage resultiert aus der Aneignung der durch den Arbeiter geschaffen Wertschöpfung durch den Kapitalisten abzüglich der der Reproduktion des Arbeiters, dem Lohn. Der Arbeiter muss außer für die Rente im wesentlichen seinen Lohn verkonsumieren. Der Kapitalist aber investiert den unterschlagenen Mehrwert nur, wenn er sich davon eine lukrative Rendite verspricht, nicht heute in einer Rezession. In allen Staaten verlief die BSP-Kurve genauso. In China weist sie auch schon nach unten. Am Höhepunkt vor 2 Jahren lag sie bei 11,6, für 2009 prognostiziert der IWF 7,5%. Wo soll der Aufschwung herkommen?

Was will man sich bei den beiden Kurven der Profitrate und des Bruttosozialproduktes nach einer Finanzkrise noch versprechen? Mir wird Katastrophismus und Triumphalismus vorgeworfen. Aber die beiden Kurven sprechen doch für sich, sie sind eine Katastrophe, nicht der Bote, der diese Nachricht überbringt. Meine Kritiker sollten doch inhaltlich dazu etwas sagen. Die Kurven nicht zur Kenntnis nehmen, ist schlichtweg Ignoranz.

Natürlich hatte Karl Marx im Kapital kein plötzliches rechnerisches Ende gesehen, weil er damit die Menschen vielleicht aufgefordert hätte, vor 90 Jahren schon die Hände in den Schoß zu legen. Daher drückte er das Ende des Kapitals als langsam einschlummernd aus, da das Kleinkapital an den niedrigen Profitrate eingehen wird „und sobald die Kapitalbildung ausschließlich in die Hände einiger wenigen, fertigen Großkapitale fiele, für die die Masse des Profits die Rate aufwiegt, wäre überhaupt das belebende Feuer der Produktion erloschen. Sie würde einschlummern.«

Da kann man ja warten, bis die Sonne untergeht, meinte Rosa Luxemburg dazu, und sah ein abruptes Ende mit den Grenzen des Marktes. Im Kommunistischen Manifest aber sahen das auch Marx und Engels indirekt (S. 9): „Wodurch überwindet die Bourgeoisie die [Überproduktions]-Krisen? Einerseits durch die erzwungene Vernichtung einer Masse von Produktivkräften; anderseits durch die Eroberung neuer Märkte und die gründlichere Ausbeutung alter Märkte."
(Karl Marx, "Das Kapital," Bd. 3, Seite 269)

Das heißt im Umkehrschluss nichts anderes als, dass, wenn es keine neuen Märkte mehr gibt, kann eine Krise nicht mehr überwunden werden. Für die Nachfrage der alten Kundschaft langt es, die alten Anlagen auf Vordermann zu bringen. Nur neue Märkte erforderten auch neue Erweiterungsinvestitionen, aber wesentliche neu Märkte sind nicht mehr da. Nur ein Weltkrieg könnte noch den Ruin herauszögern. Das sagen wir doch lieber, Ruin der verrotteten kapitalistischen Wirtschaft als ein Weltkrieg und dann ein Neuanfang einer geplanten Wirtschaft nach den Bedürfnissen der Massen, nicht nur einiger weniger Bürokraten, die auch nur Krieg spielen wollen. Wir Arbeiter brauchen aber nur die Köpfe der ausländischen Kollegen gewinnen. Eine andere Möglichkeit eines Aufschwungs wäre noch die Erfindung eines Massenproduktes, ein neuer Treibstoff vielleicht, aber das ist weit und breit nicht in Sicht.

Rosa Luxemburg sah das Ende sehr plötzlich kommen und sprach von den Todeszuckungen des Kapitalismus. Da sind wir aber schon mittendrin, oder was ist das Bankensterben, der bevorstehende Ruin von GM, Ford und Chrysler sowie die vielen Kriege und die permanenten Reallohnkürzungen anderes. Sie sah richtig, dass der Überschuss im Konsumsektor stattfindet. Marx irrte sich, als er im Kapital meinte, dass wir bei dem Weltmarkt abstrahieren können, dass er immer ausgeglichen ist. (siehe sein Schema, Tab. 1) und er stellte deshalb fest, dass der Markt immer ausgeglichen sei.

Rosa Luxemburg stellte aber irrigerweise fest, dass der Überschuss im Konsumsektor nicht auf den Produktionsmittelsektor übertragen werden könnte. Natürlich gibt es einen ständigen Übertrag des Kapitals vom Konsum- in den Produktionsmittelsektor, schließlich lief der Kapitalismus noch 100 Jahre lang relativ problemlos. In meinem Buch „Rosa Luxemburg, die Grenzen des Marktes und die Todeszuckungen des Kapitalismus“ habe ich aber rechnerisch nachgewiesen, dass, wenn weltweit die Investitionen schneller sinken als die Reallöhne, das dann der Überschuss vom Konsum- in den Produktionsmittelsektor wechselt und dann auch ziemlich abrupt kein Übertrag mehr stattfinden kann. Nach dem Wechsel, dem Point of no Return, wird die kapitalistische Wirtschaft sehr schnell gegen die Wand fahren und damit hat Rosa Luxemburg mit den Todeszuckungen und dem plötzlichen Ende schon richtig gelegen.


Wir gehen davon aus, dass die Weltwirtschaft nach der laufenden Rezession erst einmal durch die Gesundschrumpfung leicht nach oben gehen, aber sehr schnell in eine weitere Rezession fallen wird, da der Weltwirtschaftsmotor USA ganz ausgefallen ist und ein neuer nicht in Sicht ist, China hat, wie wir oben gezeigt haben, noch keine eigenen Aufschwungskräfte und Europa schon lange nicht mehr.

Die Kurve des Bruttossozialproduktes wird ab jetzt der Spur eines Ertrinkenden ähneln, der noch eins, zwei mal die Wasseroberfläche erreicht und dann vielleicht in 10, 15 Jahren den oben beschriebenen Point of no Return erreichen wird.

Sehr schnell nach 1, 2 Jahren, würden dann die nationalen Wirtschaften ganz zusammenbrechen und noch eine Weile würde die lokale Kapitalelite versuchen, auf lokaler Ebene mit städtischem Notgeld, Lebensmittelmarken und Wohnungsbeschlagnahmungen die Wirtschaft weiter zu führen. Bevor sich jetzt aber die kleinbürgerlichen Romantiker über den „Zurück zu kleinen übersichtlichen Organisationseinheiten“-Zug freuen werden, sei gesagt, dass sich dabei der Vandalismus von Warlords, Piraten und Plünderhorden immer mehr durchsetzen und eine Tauschwirtschaft in einer rechtlosen Gesellschaft entstehen würde, die nur das Recht des Stärkeren kennt.

Wir bekommen bereits heute in Somalia demonstriert, wie die Welt des Kapitals dann überall aussehen wird. Die Warlords bekämpfen den alten Nationalstaat und die vandalierenden Piraten bekämpfen die Warlords, die Devise heißt alle gegen alle. Als wir hier am 19.06.2006 das erste Mal über das Ende des Kapitalismus schrieben, sprachen wir noch von 20 – 30 Jahren. Die aktuellen Nachrichten lassen uns aber jetzt eher nur noch einen kurzen überschaubaren Zeitraum von 10, 15 Jahren vermuten.

Nun, bei dem Point of no Return werden die Herrschenden gezwungen werden, ihre Zuversicht, ihren Optimismus aufzugeben und zugeben müssen, dass die Kasse leer ist und sie nicht mehr für Essen und Wohnen der Familien sorgen können. Spätestens hier, genau wie in dem übermächtigen diktatorischen Staat DDR 1989, als das Zentralkomitee festgestellt hatte, dass die Kasse leer ist und niemand mehr da ist, auch nicht der IWF, der ihnen Geld leihen wollte und die Arbeiter Mut fassten  und mit einem gemeinsamen Spaziergang durch Leipzig dieses menschenverachtende System hinwegbliesen, werden die Arbeiter ihre Sache in die eigene Hand nehmen. Der Meister der Revolution Lenin beschreibt die Bedingungen für eine Revolution in aller Klarheit:

»Für den Marxisten unterliegt es keinem Zweifel, daß eine Revolution ohne revolutionäre Situation unmöglich ist, wobei nicht jede revolutionäre Situation zur Revolution führt. Welches sind, allgemein gesprochen, die Merkmale einer revolutionären Situation? Wir gehen sicherlich nicht fehl, wenn wir folgende drei Hauptmerkmale anführen: 1. Für die herrschenden Klassen ist es unmöglich, ihre Herrschaft unverändert aufrechtzuerhalten; die eine oder andere Krise der "oberen Schichten" eine Krise der Politik der herrschenden Klasse, die einen Riß entstehen läßt, durch den sich die Unzufriedenheit und Empörung der unterdrückten Klassen Bahn bricht. Damit es zur Revolution kommt, genügt es in der Regel nicht, daß die "unteren Schichten" in der alten Weise "nicht leben wollen", es ist noch erforderlich, daß die "oberen Schichten in der alten Weise "nicht leben können" 2. Die Not und das Elend der unterdrückten Klassen verschärfen sich über das gewöhnliche Maß hinaus. 3. Infolge der erwähnten Ursachen steigen sich erheblich die Aktivität der Massen, die sich in der "friedlichen" Epoche ruhig ausplündern lassen, in stürmischen Zeiten dagegen sowohl durch die ganze Krisensituation als auch durch die "oberen Schichten" selbst zu selbständigem historischem Handeln gedrängt werden.«
(L1enin: "Der Zusammenbruch der II. Internationale", LW 21, S. 206)

Dieser Satz zeigt allen Resignierten klar, dass es historisch so sein musste, dass die Massen trotz aller Überzeugungsversuche der Marxisten die Meinung der Herrschenden behalten mussten, weil die die Gehälter bezahlt hatten. Wir haben im 20. Jahrhundert immer vor einer Revolutionsromantik gewarnt, die besonders in der 68-Studentenbewegung hochgekommen ist. Das Ergebnis dieser Ungeduld war immer wieder das Wachstum durch Opportunismus, wie bei den Grünen oder jetzt der PDS. Wenn die beiden revolutionären Gruppen in der PDS Marx 21/SDS und die SAV da noch lange bleiben, kriegen sie vielleicht auch die Kurve nicht mehr zu einer Bewegung von unten.

Ab 2009 ist die richtige Zeit gekommen, bei der den Herrschenden langsam das Geld ausgeht, sie sich untereinander immer mehr streiten und sie nicht mehr so "leben können", wie bisher, mit ihrer Profitheckerei. Jetzt interessieren sich immer mehr Leute für den authentischen Marxismus und es gilt, die Tore der Organisation weit aufzumachen. Der Lebensstandard der Massen wird sich jetzt rapide verschlechtern. Wir müssen jetzt auf die Erfahrungen der Rätebewegung von unten zurückgreifen und die Werke der Klassiker studieren. Die Einkommen der Lohnabhängigen werden massiv angegriffen, so, dass sich erst einmal wegducken werden. Sie glauben halt noch, dass es wieder aufwärts gehen wird. Merkel und alle bürgerlichen Medien reden den Lohnabhängigen das ja auch kräftig ein, d.h. je länger auch die Linken in der Frage die Bourgeoisie unterstützen, umso später werden die Massen sich von dem Irrglaube, dass es wieder wesentlich aufwärts gehen würde, trennen können. Je eher wir alle klar sagen, mit Deinem Irrglaube bist Du verloren, je eher wird er sich auf die Alternative konzentrieren können und der Kapitalismus auf  dem Müllhaufen der Geschichte landen.

Norbert Nelte
Internationale Sozialisten

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