Karl Marx oder Rosa Luxemburg, „Einschlummern“ oder „Todeszuckungen des Kapitalismus“

Norbert Nelte - 21.7.2018 - Theorie

Karl Marx analysierte das Ende des Kapitalismus und zeigte auf, dass, nachdem er alle Produktivkräfte voll entwickelt habe, seine Mission beendet sei. Konkret machte er das Ende aus an der Profitrate. Wenn nur noch die großen Konzerne im Durchschnitt von den Profiten lohnend existieren können, für „die die Masse des Profits die Rate aufwiegt wäre überhaupt das belebende Feuer der Produktion erloschen. Sie würde einschlummern.«
Karl Marx, "Das Kapital," Bd. 3, Seite 269.

Diesen Punkt haben wir schon seit 2008 erreicht. Deshalb kauft die EZB den Konzernen ihre Schulden Anleihe-Papiere ab, und alle Marktbeobachter denken, dass das weitergehen wird: Ökonom: EZB wird ihre Anleihe-Käufe auch 2019 fortführen 18.7.08. Damit sie ihren Schrott überhaupt nochverkaufenkönnen, geben sie laut Dudenhöfer von der Uni Essen noch dazu Rabatte bis 40%: Auto-Rabatte steuern auf Rekord zu 16.7.18. Zahlen wirst die Verluste dann Du und alle Steuerzahler.

Hinzu kommt jetzt noch die Handelsschrankenpolitik von Trump mit der ganzen Welt. Die Wallsreet hat Trump zum Präsidenten gekürt, damit er für den Riesen kommenden Crash den Buhmann spielt.

Das alles sieht doch mehr nach Rosa Luxemburgs Todeszuckungen aus. Jetzt folgt eine kniffliger Text, in dem man sich ausführlich reinarbeiten muss. Aber, wenn Du alles richtig verstanden, wirst Du am Ende wissen, dass der Kapitalismus wie gegen die Wand fährt und davon sich nie mehr erholen wird. Du musst Dich nun autark machen musst, um bis zur Räterepublik durchzuhalten.

Marx wollte sich nicht vorstellen, dass es bei den Arbeitern zu einer Disakkumulation kommt und entwarf deshalb in seinem Modell der erweiterten Reproduktion ein Schema, dass im Produktionsmittel- und im Konsumsektor kaum mehr Maschinen nachgefragt werden. Er schrieb im 2. Band des Kapitals auf S. 513, dass unter der Annahme, dass II kaum neue Maschinen mehr kauft:

 „Es fände also relative Überproduktion in I statt, entsprechend dieser gleichzeitigen Nichterweiterung der Reproduktion auf Seite II.“ (Kapital 2. Band, S. 513)

Klar Logisch. Er hatte in seiner Abstraktion sogar strebt dire Profitrate nur gegen 20%, ganz anders, wie er das im 3. Band richtig gegen Null entwickelt.

Luxemburg schrieb auf S 31 ihrer Antikritik: „Zwar schien dieser letzte Abschnitt des Bandes, nach dem Engelsschen Zeugnis, Marx selbst »einer Umarbeitung dringend bedürftig« und ist nach demselben Zeugnis »nur eine vorläufige Behandlung des Gegenstandes«  geblieben“. Das waren eben nur Notizen, er fand keine Zeit mehr, das Buch auszuarbeiten,

Luxemburg kritisierte die willkürlichen Annahmen von Marc und entwickelte ihr Modell mit einer steigenden technischen Zusammensetzung des Kapitals. Sie kommt jedenfalls auf das Ergebnis, dass eine Überproduktion im Konsumsektor stattfindet. Das ist auch logisch, weil ja die organische Zusammensetzung des Kapitals (c/v) immer mehr ansteigt, also die Fremdrechnungen im Verhältnis zu den Löhnen zunehmen.

Das Problem dabei war, dass man in ihrem Schema auch Beispiele zeigen kann, die die Überproduktion auf dem Produktionsmittelsektor. Also auch hier kann man willkürliche Rechnungen erstellen. Daher konnte Tony Cliff ein Beispiel zeigen, dass Marx bestätigt hatte.

Aber wollen wir erst einmal Cliffs grundsätzliche Fragestellung zeigen, denn er hatte sie von allen am besten und leicht verständlich auf den Punkt gebracht.

Bei der einfachen Reproduktion sind  die „Produktionsmittel von

I = cI + cII

Konsummittelsekto Produkte von II = vI + mI + vII + mII”

Diese beiden Gleichungen können zu einer Gleichung zusammengefasst werden:

cII + vII + mII = vI + mI + vII + mII


[vII + mII können wir auf beiden Seiten wegstreichen, bleibt]
„cII = vI + mI


Jetzt macht Cliff die gleiche Rechnung bei der erweiterten Reproduktion:



“PI = cI + acI + cII + acII

PII = vI + rI + avI + vII + rII + avII

cII + acII = vI + rI + avIä


„Im Falle der einfachen Reproduktion muss cll gleich vl + ml sein. Im Fall der erweiterten Reproduktion muss cII + acII gleich vI + rI + avI sein, dann sind vI + rI + avI kleiner als vI + mI.“ (Da cI in dem Produktionsmittel von I ist)

 „Wenn nun unter den Bedingungen der einfachen Reproduktion Gleichgewicht herrschte, würde der Übergang zur erweiterten Reproduktion in Abteilung II nicht nur Nichtakkumulation voraussetzen, sondern sogar die absurde Situation der Disakkumulation.“

Absurd. acII steckt jetzt in cII und hat den Maschinenpark des Konsumsektors erhöht. Der Arbeiteranteil bei I ist dafür kleiner geworden. Mehr c, weniger v ist die normale Erhöhung der Kapitalzusammensetzung. Das wisst Ihr alle Drei doch. Tuny Cliff z.B. schreibt:

"So wurde berechnet, daß das Verhältnis der Nettoproduktion von Investitionsgütern zu der von Konsumgütern in Großbritannien sich wie folgt entwickelte: 1851: 100 zu 470; 1871: 100 zu 390; 1901: 100 zu 170; 1924: 100 zu 150.

"Die Zahlen für die USA sind: 1850: 100 zu 240; 1890: 100 zu 150; 1920: 100 zu 80.

Die Zahlen für Japan: 1900: 100 zu 480; 1913: 100 zu 270; 1925: 100 zu 240."

(Tony Cliff: Studie über Rosa Luxemburg, Kap.8, S. 54)

Die Verdrängung der Lohnempfänger durch die Maschinen ist die historische Mission  des Kapitalismus.Und genau das passiert auch. 50% der Jugendlichen in Deutschland haben schon einen prekären Arbeitsvertrag als Minijobber, mit Zeitverträgen oder als Praktikantum. Das kostet nichts mehr. Und erst recht braucht das Kapital da immer weniger investieren.

Aber es gab auch von Anfang an des Kapitalismus` eine relative Disakkumulation im Konsumsektor. . Es ist unbestritten bei allen Marxisten, dass die organische Zusammensetzung im Kapitalismus stetig ansteigt, stetig ansteigen muss. Auf der anderen Seite wuchs aber auch die gesamte Wirtschaftsproduktion. Dann hat das für den Betrachter zwar den Anschein, dass akkumuliert wird, aber relativ wird eben disakkumuliert, Tony, Deine Rechnung entsprach schon der Realität. Der Kapitalismus ist schon absurd. Das Kapital braucht immer weniger nur für den Lohn verauslagen, aber muss immer mehr für den konstanten Teil und der Gewinn wurde im Durchschnitt immer kleiner. Pech, Seht ihr immer noch nicht ein, dass Eure historische Mission  beendet ist.

Marx und Cliff haben bei ihrem Modell die Verhältnisse von c zu v nicht auseinander gehen lassen und die Sektoren I und II auch nicht. Aber auch Luxemburg hat zwar die Verhältnisse von c/v 500% auf 533,1 im Sektor I auseinander gehen lassen und II ebenso, aber nicht die Sektoren.

Ich habe entsprechend dem Modell von Cliff die Verhältnisse und die Sektoren auseinander streben lassen.

Die Überproduktion ist immer im Konsumsektor, immer. Ich habe extra auf  Marktende unter „Download der Excell-Tabellen“ eine Tabelle Nr.7 „Do it yourself“ gemacht, wo Du das testen kannst, ob das  stimmt. Da ist auch die Entwicklung jeweils der Profitraten drauf und anderes.

Wir sehen, Rosa Luxemburg hat Recht gehabt, als sie feststellte, dass die Überproduktion im Konsumsektor entsteht, und zwar immer, wie ich feststellte. Was heißt da nun in der Praxis. In den 200 Jahren des Bestehens des Kapitalismus nichts. Nichts, denn die Überproduktion wurde immer problemlos auf den unterproduzierenden Sektor I und auch in das Ausland übertragen.

Übrigens, wenn Marx und Cliff Recht gehabt hätten, dann hätten wir jede Jahr ein großes Problem gehabt, denn was will Frau Meier in ihrer Küche mit einer Stanzmaschine? Also – Übertrag wäre nie gegangen.

Wir hatten in der Vergangenheit nur die relativ geringen Kündigungen aufgrund der steigenden Zusammensetzung des Kapitals gehabt und etwa 1,5% Insolvenzen jedes Jahr. Das drückte sich alle 9-10 Jahre in minimalen Wirtschaftsrückgängen von - 0,5 bis 1,0% aus.

Diese Statistik ist original vom Statistischem Bundesamt. Wir sehen die kleinen Wirtschaftsdellen alle 10 Jahre, aber auch den ständigen Wirtschaftsabschwung bei den roten 10-Jahres Durchschnittslinien. Ein Phänomen, das in allen Industrieländern vorkam. Mit etwa 13% Wirtschaftswachstum fingen sie alle an und enden in der 2010 Dekade mit 0%, da immer mehr 3. Weltländer auch Konkurrenten geworden sind.

Aber, Oh Schreck, was ist da hinten die -5% Marke. Ja das ist genau unser Problem.
Im Normalfall entsteht die Überproduktion im Konsumsektor. In dem Moment aber, wenn die Geschichte rückwärts verläuft, also die Sektoren und C zu V zueinander streben, fällt die Überproduktion im Produktionsmittelsektor an und kann nicht mehr übertragen werden. 2008 entwickelte sich das damit, dass im März 2008 weltweit die Investitionen ausblieben.

Wegen der abrupt ausbleibenden Investitionen weltweit schrieben wir am 25.3.2009 „Wirtschaftszusammenbruch: Der „Point of no Return“ der Produktion wird gerade überschritten“ und in der Tat kamen dann mit Vorankündigungen im Juli 2009 der schrecklichen Wirtschaftseinruch von 5%. 2009 wurde eine Abwrackprämie von 2.500 Euro europaweit und mit Statistikbetrug hauptsächlich bei der Inflation, dem Bruttoinlandsprodukt, der Bankenrettung, den Haushaltsschulden und den Arbeitslosenzahlen, eigentlich bei allem, konnte man zumindestens in Deutschland noch eine Wirtschaftswachstum vorgaukeln.

Aber der 10 Jahre Krisenzyklus ist im nächsten Jahr wieder da und nichts ist gelöst. Im Gegenteil, die ganzen Blasen sind zehn mal größer als 2008/9 und viele sind dazu gekommen, hauptsächlich die Statistiklügen. Die Investitionsunterlassungen haben sich in Deutschland  und Japan angekündigt (siehe „Der endgültige „Point of no Return“ in der Produktion ist im Anmarsch).

Um von dem Wirtschaftscrash 2019 abzulenken hat die Wallstreet extra Trump als Rumpelstilzchen eingestellt, damit er überall auf der Welt Schrecken verbreitet, besonders den Zollschrankenkrieg. 1932 hatte das weltweit zu 50% Wirtschaftseinbruch geführt und dann kann die Wallstreet sagen, ja, das war nicht der normale Kapitalismus, das war das Rumpelstilzchen.

Wir müssen mindestens diesmal mit -50% rechnen. Wenn die weltweiten Investitionsverweigerungen zu einer Überproduktion im Produktionsmittelsektor gekommen ist, dir diesmal zu vielen Betriebsschließungen führen wird, da kein Staat mehr wird helfen können. Jeder Arbeitsplatzverlust im Produktionsmittelbereich wird 5-7 weitere Arbeitsplatzverluste im Dienstleistungsbereich nach sich ziehen. Ich rechne mit 20 Millionen Arbeitslosen und einer jahrelangen Superhyperinflation.

Das Wort von Rosa Luxemburg „Sozialismus oder Barbarei“ wird wahr werden. In Südamerka werden alle sehr schnell zur Räterepublik kommen. In den 1950 bis 1970Jahre waren dort alles rechte Regierungen bis Militärregierungen. Viele Menschen sind hierher geflüchtet und haben in Europa die bürgerlich linken Regierungen und Gewerkschaften kennen gelernt. Diese Erfahrungen haben sie mit nach Südamerika genommen und heute ist das alles viel linker als bei uns in Europa. Deshalb sind in Argentinien, Brasilien, Uruguay und Brasilien schon hunderte von selbstverwalteten Betrieben auch staatlich anerkannt. Die Demonstrationen, Generalstreiks und Betriebskämpfe sind dort zigmal militanter und größer als hier.

Wie schnell wird das basisdemokratische Räteparlament dann auf Ehropa und besonders auf Deutschland übergreifen, wenn der Kapitalismus in Flammen stehen wird?

Norbert Nelte

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