Mit dem Buch „Einführung in das Kapital von Karl Marx“ von Friedrich Engels hat man schon das Kapital von Marx verstanden.

Norbert Nelte - 24.10.18 - Theorie

Ich empfehle jeden Neueinsteiger in den Marxismus, nicht mit dem Kapital anzufangen, es ist  nur was für Spezialisten, besser mit Einführung in das Kapital von Karl Marx von Friedrich Engels. Helmut Kohl erzählte einmal, dass er nur bis zur Seite 100 bei Marx gekommen ist. Karl Marx beleuchtet seine Theorien von  allen Gegenargumenten der Kritiker seiner Zeit, die wir heute gar nicht mehr kennen.

  Marx war ein Philosoph, und als solcher setzte er sich mit seinen Fragen auch philosophisch auseinander, so, dass Du denkst, der kommt ja nie auf den Punkt. Aber die Betrachtungen aller sinnigen und unsinnigen Argumente musste er auch machen, sonst wären die Intellektuellen gar nicht auf ihn aufmerksam geworden, dazu gehören natürlich auch im 19. Jahrhundert die gewaltigen Bärte.

Der Dietz-Veerlag macht bei der Engels Einführung gleich am Anfang folgende 1. Füßnote: „Als 1859 Marx' »Zur Kritik der Politischen Ökonomie« erschienen war, hatte die offizielle deutsche Nationalökonomie davon keinerlei Notiz genommen, wodurch die unmittelbare Wirkung der Arbeit stark beeinträchtigt wurde. Um zu verhindern, dass dem »Kapital« das gleiche Schicksal widerfuhr, organisierten Engels und andere Mitkämpfer sofort nach dem Erscheinen des Werkes die Veröffentlichung von Rezensionen und Annotationen (kurze inhaltliche Zusammenfassung eines Buches [für bibliothkarische Zwecke]) in der deutschen Presse. Sie erreichten, dass bis Juli 1868 davon mindestens fünfzehn publiziert wurden. Während Engels in den für die bürgerlichen Zeitungen anonym geschriebenen Rezensionen das Buch scheinbar vom bürgerlichen Standpunkt aus kritisierte, um die bürgerlichen Ökonomen zu zwingen, sich über das »Kapital« zu äußern, konnte er in der Arbeiterpresse Marx' eigentliches Anliegen den Arbeitern nahe bringen. In den hier abgedruckten drei Rezensionen werden von ihm Marx' entscheidende Erkenntnisse am klarsten hervorgehoben und erläutert.“

Es ist zu empfehlen, bei den ökonomischen Marx-Büchern erst die Leichteren von Marx zu nehmen wie „Lohnarbeit und Kapital“ (1849) oder „Lohn, Preis, Profit“ (1865) bzw. gleich das hier besprochene Buch von Friedrich Engels „Einführung in das Kapital von Karl Marx“ auf Marxismus-Bilderbuch zu nehmen, er spricht dort alle wichtigen Punkte schon an.

Der wesentlichste Punkt von Marx’ „Kapital“ ist aber der tendenzielle Fall der Profitrate“, und den spricht er leider kaum an. Ich denke, wenn man den nicht versteht, kann man den ganzen Marxismus nicht verstehen. Ich habe deshalb bei dem Engelswerk den Anfang vom 13. Kapitel des 3. Buches von Marx’ Kapital hinten als Anhang noch einmal dazu gesetzt, denn hier ist Marx auch einfach zu verstehen. Ein besondrs sehr zu empfehlendes Buch ist das dadurch geworden.

Engels beobachtet stärker die Profitrate des Handelskapital im Feudalismus. Er schreibt.´dass „der Augsburger Fugger, Welser, Vöhlin, Hochstetter etc. und der Nürnberger Hirschvogel und andere, die mit einem Kapital von 66.000 Dukaten und drei Schiffen sich an der portugiesischen Expedition nach Indien 1505/06 beteiligte und dabei einen Reingewinn von 150, nach andern 175 Prozent“ machten. Anfang des 19. Jahrhundert waren sie in der Produktion bei Krupp oder bei Borsig nur noch um 70%.

Er stellt ein Rechenbeispiel an, bei dem er deshalb die errechneten 25% eine bescheidene Mehrwertsrate nennt: „Wir nehmen an, der Mehrwert, den er sich durch die neue Methode vom Weber aneignet, betrage nur 5 % vom Wert des Zeugs, was die sicher sehr bescheidene Mehrwertsrate von 25 % ausmacht“

Mehr leider nicht zum Fall der Profitrate. Insgesamt aber kann man sagen, dass damals die Wissenschaft sich noch nicht auf empirische Daten hatte aufbauen konnte, die Manufakturen wurden zu Marx‘ Zeiten gerade von der Maschinenindustrie abgelöst. Umso genialer ist die Überlegung von Marx, dass bei Verbesserung der Maschinen und dadurch anteilsmäßig weniger Lohn die Profitrate sinkt.'

Er schreibt im 13. Kapitel des 3. Bandes „Diese fortschreitende relative Abnahme des variablen Kapitals im Verhältnis zum konstanten und daher zum Gesamtkapital ist identisch mit der fortschreitend höheren organischen Zusammensetzung des gesellschaftlichen Kapitals in seinem Durchschnitt.“
e

Wenn c =   50,

V = 100,

so ist p´ = 100/150 = 662/3%.

Wenn c = 100,

V = 100,

so ist p´ = 100/200 = 50%.

Wenn c = 200

V = 100,

so ist p´ = 100/300 = 331/3%.

Wenn c = 300

V = 100,

so ist p´ = 100/400 = 25%.

Wenn c = 400

V = 100,

so ist p´ = 100/500 = 20%.

„Dieselbe Rate des Mehrwerts, bei unverändertem Exploitationsgrad der Arbeit, würde sich so in einer fallenden Profitrate ausdrücken, weil mit seinem materiellen Umfang, wenn auch nicht im selben Verhältnis, auch der Wertumfang des konstanten und damit des Gesamtkapitals wächst.“

(Karl Marx, Kapital, 3. Band, Dritter Abschnitt, Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate,  DREIZEHNTES KAPITEL, Das Gesetz als solches, S. 221.)

Marx weiter: „Nimmt man nun ferner an, dass diese graduelle Veränderung in der Zusammensetzung des Kapitals sich nicht bloß in vereinzelten Produktionssphären zuträgt, sondern mehr oder weniger in allen oder doch in den entscheidenden Produktionssphären, dass sie also Veränderungen in der organischen Durchschnittszusammensetzung des einer bestimmten Gesellschaft angehörigen Gesamtkapitals einschließt, so muss dies allmähliche Anwachsen des konstanten Kapitals, im Verhältnis zum variablen, notwendig zum Resultat haben einen graduellen Fall in der allgemeinen Profitrate bei gleichbleibender Rate des Mehrwerts oder gleichbleibendem Exploitationsgrad der Arbeit durch das Kapital.“

„Diese Rate des Mehrwerts würde sich jedoch, wie wir gesehen, in sehr verschiednen Profitraten ausdrücken, je nach dem verschiednen Umfang des konstanten Kapitals c und damit des Gesamtkapitals C, da die Profitrate = m/C. Ist die Mehrwertsrate 100%:

„Nun hat sich aber gezeigt, als ein Gesetz der kapitalistischen Produktionsweise, dass mit ihrer Entwicklung eine relative Abnahme des variablen Kapitals im Verhältnis zum konstanten Kapital und damit im Verhältnis zu dem in Bewegung gesetzten Gesamtkapital stattfindet.“


Dieser 13. Kapitel des 3. Buches ist meines Erachtens das wichtigste Ergebnis des Buches Kapital, aber bei Engels kommt das mit der zwingenden Darstellung von Marx seltsamerweise nicht vor. Also neben Engels auch den 13 Kapitel bei Marx lesen (als Anhang bei Engels), vielleicht noch meine Broschüre, „Kapital leicht gemacht“, denn hier wird auch erklärt, warum das Kapitalisten immer zwanghaft rationalisiert haben, obwohl sie wussten, dass dabei immer wieder ihre Profitrate sinkt. Jede Rationalisierung führt dazu, nachdem alle sie getätigt haben, dass der Preis der Ware auf die vorher geplanten niedrigeren Kosten plus Mehrwert fällt, und entsprechend fällt auch die Profitrate.

[Natürlich geschehen die Rationalisierungen immer gleichzeitig, also nur der 3. Schritt. Aber die Kapitalisten erhoffen sich nur den 2. Schritt. Mein Job als  Betriebswirt, Wirtschaftlichkeitsrechner war immer den 2. Schritt zu errechnen und wann die Maschine/Anlage sich amortisiert hat, bezahlt gemacht hat. Da aber hört dann das Denken der Ökonomen auf und dafür verleihen sie sich gegenseitig den Nobelpreis. Bei C sinkt der Preis auf die vorher kalkulierten, billigeren Kosten plus Mehrwert]

Die Linken haben das Kapital überhaupt nicht verstanden, vielleicht kamen sie auch nur wie Helmut Kohl bis zur Seite 100. Mir sagte einmal in den 70er Jahren der Gründer der SAG Volkhard Mosler, die Frage des tendenziellen Falls der Profitrate sei nebensächlich, die Arbeiter würden auch nicht streiken, wenn sie das wüssten.

Das stimmt zwar, aber die Kader müssen das wissen, um zu sehen, wo wir überhaupt stehen. Wir sehen doch, die zwei größten Gruppen der Linken, Marx21 (SAG Nachfolger) und SAV kuscheln mit den Linken und der Merkel und wähnen sich schon halb im Sozialismus. Bei einer Profitrate von 1% und globaler Schuldenkrise und immer mehr Überkapazitäten schreibt - Marx 21 völlig blind, sie stände laut IWF bei 12%, beim Klassenfeind holen sie sich ihre Informationen. (Marx 21 Artikel von Thomas Walter, „Immer noch aktuell: Marx‘ Krisentheorie“,) Sie sind im Strudel der Zeit für immer verloren.

Engels musste sich auch ständig mit Banausen rumschlagen. Sehr lustig schreibt er die Anekdote wegen des Wertgesetzes von Marx mit dem „Wichtelmännchen“ Achille Loria, Ökonomie Professor, wie dieser entrüstet „den festgefügten Marxschen Riesenbau in die Luft heben und zersprengen kann.“

Dazu muss man noch sagen, das die Ökonomen auch heute noch meinen, der Preis einer Ware stelle sich her über Angebot und Nachfrage und auch das „Wichtelmännchen“ verhöhnt Marxens Aussage mit dem Zufall. Geblieben ist Marx und seine Warenwerttheorie: Die kristallisierte (tote) Arbeit und die gesamte Arbeitskraft (v+m) fließen in die Ware ein und machen den Wert aus und der Preis gravitiert je nach Krise oder Boom um den Warenwert.

 


Es ist klar, dass unser Professor sich so echauffieren musste, denn damit hatte ja auch Marx gesagt, dass eigentlich die ganze Ware den Arbeitern gehöre, sie nur vom Kapital enteignet wurde.

„Man sieht, unser Loria ist überglücklich. Hat er nicht recht gehabt, Marx als seinesgleichen, als ordinären Scharlatan zu traktieren? Da seht ihr's - Marx mokiert sich über sein Publikum ganz wie Loria, er lebt von Mystifikationen ganz wie der kleinste italienische Professor der Ökonomie. Aber während Dulcamara sich das erlauben darf, weil er sein Handwerk versteht, verfallt der plumpe Nordländer Marx in lauter Ungeschicklichkeiten, macht Unsinn und Absurdität, so dass ihm schließlich nichts übrig bleibt als feierlicher Selbstmord.“

Wir sehen, mit dem Warenwert setzt er sich noch sehr gründlich auseinander und mit den anderen wichtigen Punkten wie Geld, Ware, Produktion, Arbeitstag, Mehrwertrate auch und spricht hier eine klare Sprach die schnell auf den Punkt kommt.

Darstellen lässt diese Klarheit besonders an einem Punkt.

„Das Arbeitsmittel gibt nur den Wert ans Produkt ab, den es seihst verliert,  p. 169. Dies ist in verschiednem Grad der Fall. Kohle, lubricants   (Schmiermittel)   pp.   werden   ganz   verzehrt.   Rohstoffe nehmen eine neue Form an. Instrumente, Maschinen etc. geben nur langsam und teilweise Wert ab, und der Verschleiß wird erfahrungsgemäß berechnet, p. 169, 170. Hierbei bleibt das Instrument doch fortwährend ganz im Arbeitsprozess. Hier also dasselbe Instrument zählt im Arbeitsprozess ganz und im Verwertungsprozess nur teilweise, so dass der Unterschied beider Prozesse hier an gegenständlichen Faktoren sich reflektiert. p. 171. Umgekehrt, der Rohstoff, der Abfall bildet, geht ganz in den Verwertungsprozess ein und in den Arbeitsprozess, da er minus des Abfalls im Produkt erscheint, p. 171.“

Wir sehen, er spricht klares Deutsch, jeden Satz, jeden Halbsatz kann ,man sofort verstehen. Aber weiter, jetzt der Vergleichssatz:

„In keinem Fall kann das Arbeitsmittel aber mehr Tauschwert abgeben, als es selbst besaß - es dient im Arbeitsprozess nur als Gebrauchswert und kann daher nur den Tauschwert abgeben, den es vorher schon besaß, p. 172.“

 

 

Auf der Seite 171 bei Marx lesen wir mehr über das Geld:

"Der Wert wird also prozessierender Wert, prozessierendes Geld und als solches Kapital. Er kommt aus der Zirkulation her, geht wieder in sie ein, erhält und vervielfältigt sich in ihr, kehrt vergrößert aus ihr zurück und beginnt denselben Kreislauf stets wieder von neuem.(13) G - G', geldheckendes Geld - money which begets money - lautet die Beschreibung des Kapitals im Munde seiner ersten Dolmetscher, der Merkantilisten … Abstrakt betrachtet, d.h. abgesehen von Umständen, die nicht aus den immanenten Gesetzen der einfachen Warenzirkulation hervor fließen, geht außer dem Ersatz eines Gebrauchswerts durch einen andren nichts in ihr vor als eine Metamorphose, ein bloßer Formwechsel der Ware. Derselbe Wert, d.h. dasselbe Quantum vergegenständlichter gesellschaftlicher Arbeit, bleibt in der Hand desselben Warenbesitzers in Gestalt erst seiner Ware, dann des Geldes, worin sie sich verwandelt, endlich der Ware, worin sich dies Geld rückverwandelt. Dieser Formwechsel schließt keine Änderung der Wertgröße ein. Der Wechsel aber, den der Wert der Ware sel bst  in diesem Prozess durchläuft, beschränkt sich auf einen Wechsel seiner Geldform. Sie existiert erst als Preis der zum Verkauf angebotenen Ware, dann als eine Geldsumme, die aber schon im Preise ausgedrückt war, endlich als der Preis einer äquivalenten Ware. Dieser Formwechsel schließt an und für sich ebenso wenig eine Änderung der Wertgröße ein wie das Auswechseln einer Fünfpfundnote gegen Sovereigns, halbe Sovereigns und Schilling.“

Keine Wertabgabe. Ich denke, dass das der deutschen Übersetzung geschuldet ist und dass Marx seine Absätze bei Neuauflagen umgestellt hat

Aber auf S. 408 lesen wir im 13. Kapitel, Teil I (Abschnitt 1 bis Maschinerie und große Industrie unter Punkt 2: Wertabgabe der Maschinerie an das Produkt

„Gleich jedem andren Bestandteil des konstanten Kapitals schafft die Maschinerie keinen Wert, gibt aber ihren eigenen Wert an das Produkt ab, zu dessen Erzeugung sie dient. Soweit sie Wert hat und daher Wert auf das Produkt überträgt, bildet sie einen Wertbestandteil desselben. Statt es zu verwohlfeilern, verteuert sie es im Verhältnis zu ihrem eignen Wert. Und es ist handgreiflich, dass Maschine und systematisch entwickelte Maschinerie, das charakteristische Arbeitsmittel der großen Industrie, unverhältnismäßig an Wert schwillt, verglichen mit den Arbeitsmitteln des Handwerks- und Manufakturbetriebs.“

Das ist zwar auch klar, es fehlt aber doch der kurze und klare Satz wie bei Engels: „In keinem Fall kann das Arbeitsmittel aber mehr Tauschwert abgeben, als es selbst besaß“. Das Problem bei Marx ist, dass er an wichtigen Stellen nicht auf den Punkt und oft ausländisch schreibt und das man vor lauter Wald nicht die kostbaren Bäume findet.

Kein Punkt, aber notwendig. Aber, wenn man den Engels gelesen hatte, kann man den Marx leichter verstehen, eigentlich jeder. Und darum ging es ja, Ziel erreicht, also Einführung in das Kapital von Karl Marx von Friedrich Engels gratis downloaden.

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