Wird China Europa vor dem Bankrott retten können?

Norbert Nelte - 20.01.2011 - Staat

Mittlerweile wird es schon klarer, dass Europa tief verschuldet ist, dass es um eine Geldentwertung nicht mehr herum kommt. Nach außen gibt man sich zuversichtlich, damit nicht noch mehr gegen den Euro gewettet wird, aber sogar der größte Geldgeber Deutschland musste soviel an seine Konzerne über die Banken bezahlen, dass es selber in 2011 mit über 100% des Bruttoinlandproduktes verschuldet ist. Wenn Schäuble jetzt von nur plus 3,5% Schulden  spricht, dann beschränkt er die Schulden nur auf den Haushalt.

Der Bankenfond ist geheim und darüber spricht man nicht, da hat sich nur das Handelsblatt verplappert. Auch die Bundesbank meldet ja schon am 31.6. 1,94 Billionen. Aber die Schuldenuhr gibt nur 1,8 Billionen Schulden an. Dabei muss der Wähler die ganzen öffentlichen Schulden bezahlen, nämlich 2,085 Billionen. Da läuft eine ganz fiese Gangsterklamotte, da ist der Postraub gar nichts dagegen. Deshalb weigert sich die Merkel, den Euro-Rettungsschirm zu erhöhen, weil das Geld ja schon die Banken haben, speziell die HRE.

Aber da kommt ja der Kungfu-Supermann: „Man werde "konkrete Maßnahmen" ergreifen, um einigen EU-Mitgliedstaaten aus ihrer ernsthaften Schuldenkrise zu helfen, sagte der chinesische Vize-Premierminister Wang Qishan bei einem Treffen mit Vertretern der EU-Kommission.“ meldet der Spiegel am 21.12.2010. Inzwischen hat China schon Staatsanleihen von Spanien, Portugal und Griechenland über 12 Mrd. gekauft.
Während die bürgerlichen Gazetten darüber grübeln, ob China damit eine Produktionsspionage bezwecke, ist für die Linke die Frage wichtig, kann China überhaupt ganz Europa retten? Die Schulden Europas betragen über 7 Billionen Euro, wogegen China 2,6 Billionen Euro ausländische Staatsanleihen hält. Aber China hat in Europa schon gut eingekauft, zwar noch nicht so viel wie die USA, aber schon mit einem stabilen Anfang. Ihm gehört bereits Volvo und Rover und viele mittelständische Firmen in ganz Europa und der Hafen von Piräus, baut die Autobahn von Warschau nach Lodz, in Italien baut das weltgrößte Haushaltsgerätehersteller Haier und die Autokonzerne Taihe und Chery Werke. Direkt gegenüber der Londoner Notenbank baut die weltgrößte Bank of China ihre Europazentrale, es steigt ins portugiesischen Rapsölgeschäft ein und ist schon im Bergbau in Rumänien engagiert und und und.

Sicher will China dabei für seine Produktion lernen, aber bitte schön, dass haben sie alle gemacht. England hatte die spanische Armada bezwungen, indem sie mit dem von Geheimagenten über Schleichwege außer Landes gebrachten Gesellen von dem österreichischen Kanonenbauer von ihm den senkrechten Kanonenguss lernten, der sie stabiler machte und dadurch weiter schoss. Der preußische König Friedrich der Große hat den Gesellen von James Watt William Richards abgeworben und damit konnten „die Probleme (die sich an dem preußischen Nachbau ergeben hatten] bis 1787 jedoch beseitigt werden.“ (Wikipedia) So konnte Preußen die ursprüngliche Akkumulation aufnehmen und sich zum führenden Industrieland entwickeln. Jetzt hat China die preußische Tugend übernommen und hat in den Städten in Windeseile schon ursprünglich akkumuliert und kann damit der Welt Geld leihen. China hat ja bereits im Geldverleihen die Weltbank, also die ganze Welt, überholt, gerade von Amerika 200 Boeings abgekauft, macht 235.000 Arbeitsplätze Wird China dem notleidenden Europa auch genug ausleihen können?

US-Amerika ist als Geldgeber ja schon ausgefallen. Deren Schulden betragen selber bereits über 14 Billionen (14.000.000.000.000) Dollar, fast 100% vom BIP, die Arbeitslosigkeit beträgt nach europäischer Rechnung 17% und der Anteil der Industrieproduktion an der Wertschöpfung beträgt nur noch 11%. Wir können bei den USA also nicht mehr von einem Industrieland sprechen.

Europa beeilt sich, wie immer nach 1-2 Jahren, seinem Meister nachzueifern aber China versucht Europa vor dem Untergang zu bewahren.

Bei dem Untergang des Euros dürfte es sich nur noch um ein paar Monate handeln. Griechenland und Irland standen knapp vor dem Staatsbankrott. Portugal und Spanien zahlen schon 5-6% bei den Staatsanleihen und Italien, Belgien und Frankreich sind bei den Ratingagenturen abgestuft worden, und das alles, obwohl die EZB schon massenhaft Schrottstaatspapiere von den PIGS-Ländern aufgekauft hatte. Auch die Zinsen auch für die „starken“ Bonds (Staatsanleihen) steigen. Die „starken“ europäischen Länder um Deutschland haben einen Rettungsschirm über 500 Mrd. € plus 250 Mrd. vom  IWF aufgespannt, wobei schon 85 Mrd. für Irlands Banken bezahlt wurde, blieb 665 Mrd.

Für Spanien alleine schon, das weiter unter Beschuss der Spekulanten steht, würde dieser Betrag bei Weitem nicht ausreichen. Also wollte Europa den Rettungsschirm auf 1.500 Mrd. € verdoppeln, da machte aber Deutschland nicht mehr mit, da man so einen Riesenschirm den Zockern signalisieren würde, dass die europäischen Länder am Stock gehen. Außerdem würden auch 1,5 Billionen nicht langen.

Europa hat bereits weit über 7 Billionen €uro Schulden, und davon alleine auch der Hauptzahler Deutschland 2 Billionen. Jetzt lügt Schäuble und redet nur von 3,5% Schulden im Staatshaushalt und nicht von den 250 Mrd. Schulden im Bankenrettungsfond.

Wir sehen, die chinesischen 12 Mrd. €uro für die europäischen Staatspapiere sind eigentlich nicht mehr als ein Signal für die Zocker. Letztlich hat China auch nur 2,4 Billionen €uro ohne Gold an Staatsvermögen, alleine das kann für die 7 Billionen europäischer Schulden nicht langen.

Gut, das Wachstum geht in China mit 10% weiter und der Staat und die Konzerne pressen aus dem Arbeiter auf Grund der Billiglöhne von 0,70 €uro ohne Nebenkosten für Wanderarbeiter und 2-3 €uro für die Städter bis zu 30% Renditen aus. Das chinesische Staatsvermögen wächst also noch weiter.

Nur für Afrika und Südamerika braucht China ja auch für seine Investitionen Geld. Außerdem darf man nicht vergessen, dass das Wachstum auch nach den Anfängen nachlassen wird. Alle Industriegesellschaften haben mit einem Wachstum um die 10% angefangen, Deutschland sogar 1954 mit 12,3% auf Grund des Koreakrieges, und alle sind inzwischen um die Null gelandet. Dabei muss man wissen, dass der Kapitalismus von einem stetigen Wachstum um die 3% abhängig ist, da jedes Jahr um 3% rationalisiert wird und Arbeiter entlassen werden. Also kann nur ein Wachstum die Beschäftigtenzahl halten. Oder anders erklärt, durch die „blinde“ Konkurrenzproduktion wird ständig eine Überproduktion hergestellt. Jeder Konzern plant jedes Jahr eine Marktausweitung in der Hoffnung, die Märkte seiner Konkurrenten zu erobern. Also ergibt sich in jedem Jahr eine entsprechende Überproduktion.

Alle Industrieländer haben die Marktausweitung über die Ausweitung des inneren Marktes (mit neuen Produkten) hinaus auf das Land und dann mit dem Export betrieben, also von Europa und Amerika nach Südamerika, Afrika und Asien. Dabei hat man durch hohe Zölle für Industrieprodukte verhindert, dass Afrika und Südamerika sich ebenfalls industriealisieren und so den Urkapitalisten Konkurrenz machen. Dann wäre auch Afrika nicht davon abhängig geblieben, seine Rohstoffe billig zu verscherbeln und Europa hätte für seine Rohstoffe mehr zu bezahlen. Es würde gleich in den Untergang gehen.

Mit der Ausweitung der Produktion auf das Land haben wir schon das erste Problem Chinas. Der Drachen hat einfach vergessen, das Land zu entwickeln, so dass die Landbevölkerung gar kein Geld hat, um zu konsumieren. Die „Kommunistische Partei Chinas“ hat bei der Verwechslung der Bauern mit den Arbeitern und der Arbeiterdemokratie mit der Diktatur der Bürokraten überhaupt nichts vom Marxismus verstanden und vom Kapitalismus verstehen sie jetzt auch nichts.

Sie halten die Wanderarbeiter wie Sklaven, so dass diese über die physischen Bedürfnisse hinaus nicht als Konsumenten auftreten können. Somit stützt sich China allein auf den Export und wird damit recht schnell gegen die Wand fahren, denn wenn das Ausland pleite ist, weil China deren Produktion übernommen hat, sind keine Käufer mehr da. Mit der Verengung der Märkte wird auch die chinesische Rendite ganz schnell auf Null fallen.

Dass die Abhängigkeit vom Export schnell zum Problem werden kann, zeigt sich bereits heute schon mit Amerika. Amerika fordert die abrupte Aufwertung des Yüan um 30%. Die Führung in Peking will aber von einer abrupten Aufwertung des Yüan um 30% zur Wiederbelebung nichts wissen. Sie verteuert mit einer Erhöhung des Leitzinses das Geld, um so eine Inflation zu verhindern.

Der chinesische Mittelstand spekulierte mit Wohnungen, die zum großen Teil leerstehen, da ein Wanderarbeiter gar nicht die Miete bezahlen kann und jeder Mittelständler zwei bis vier Wohnungen gekauft hat. Diese Spekulation trieb die Preise weit über die normale Preissteigerungsrate, dass alle Finanzanalysten 2011 oder 12 mit dem Platzen der Immobilienblase rechnen, aber nur lokal in Peking, Shanghai, Wuhan und Shenzhen (bei Hongkong). Dieser Crash wird daher nicht so stark sein wie bei der US-Suprimemarktkrise, da auch alle faulen Kredite aus den Städten von der weltgrößten staatlichen „Construction Bank China“ aufgefangen werden können. Die chinesische Immobilienkrise wird also nicht zu einem weltweiten Wirtschaftszusammenbruch führen, der wird von den Erhöhungen der Geldmengen des Dollars und des Euros höher als das Wachstum des Bruttoinlandproduktes kommen. Aber für China selber wird das chinesische Wirtschaftswachstum weiter ausgebremst.

Wir halten also fest, der chinesische Staat will 2011 schon die Leitzinsen zur Verhinderung einer ausufernden Preissteigerung hochsetzen, um das Wirtschaftswachstum etwa auf 6% zu begrenzen. Das Platzen der chinesischen Immobilienkrise wird das Wachstum noch einmal auf 4-5% herunter schrauben. Außerdem ist China der letzte Staat der großen Industriestaaten, der von der Krise nicht befallen wurde und daher immer schwieriger exportieren kann. Die Schwierigkeiten mit der chinesischen Immobilienkrise werden schon 2012-3 auftauchen, bis dahin wird das Land des Drachens noch problemlos als Retter auftauchen.

Aber halt, sagt Brüderle, die deutsche Wirtschaft wächst ja im XXL-Format, das werden wir schon meistern. Aber

  1. wächst die deutsche Wirtschaft deshalb überproportional, weil der Durchschnittslohn seit 2000 um 4,5% gesunken ist. (Nur Japan und Israel noch im Minus), alle anderen Staaten bis 25% im Plus.
  2. Das Hauptwachstum kam vom Export in die asiatischen Länder und der ist dem chinesischen Konjunkturprogramm über 485 Mrd. Euro
    zu verdanken. Aber jetzt will Hu das Wachstum bremsen, um die Inflation zu zügeln. Deshalb halten die Wirtschaftsanalysten den Aufschwung schon für fragil.
  3. Das BIP in Europa wuchs nur um 1%. Der kleine Export nach Europa wurde sich damit erkauft, indem die Kunden staatlich unterstütze Kredite erhielten.

Insgesamt sind aber alle Zahlen und Aussagen als sehr kritisch anzusehen, sie wurden geschönt, das BIP nach dem Lustprinzip* errechnet, bei den Schulden direkt betrogen, so dass sich alle Meldungen widersprechen. Gerade dieser Betrug bei den Schulden zeigt, dass sie selbst das Schlimmste befürchten, z.B eine Hyperinflation.

Das Platzen der chinesischen Immobilienkrise wird zu einer Begrenzung der BIP-Steigerung auf 4-5% und einer weiteren Senkung der Rendite führen, so dass das Geldverleihen China nicht mehr so problemlos fallen wird. In Amerika und Europa wird dann mit immer weniger chinesischer Unterstützung die Wirtschaftsleistung immer weiter zurückgehen. Die Inflation, die heute bereits mit einer 40% Verteuerung bei den Rohstoffen angefangen hat, wird in eine galoppierende übergehen.

 Die Hungeraufstände in den armen Ländern nehmen zu, aus den Generalstreiks in den reichen Ländern werden sich aus den Streikräten die ersten Arbeiterräte entwickeln, die im Laufe der 2020er Jahre zu den bürgerlichen Regierungen eine Doppelherrschaft errichten werden.

In zehn Jahren anfangs der 30er wird dann der Markt nach China weltweit ganz verengt sein, so dass aus der Doppelherrschaft zur Macht der Arbeiter übergegangen wird. Die Arbeiter werden ganz natürlich zu einem internationalen gleichen Lohn für gleiche Arbeit übergehen und damit die globalen Ungleichgewichte aus der Welt schaffen. Dazu werde sie dann alle Patente und Copyrights innerhalb der Arbeiterstaaten freigeben, die Zölle dort abschaffen und eine nach dem Bedarf der Arbeitermassen geplante Wirtschaft einführen. Deutschlands Arbeitnehmer werden sich sehr spät dem Ganzen anschließen, wie sagte es Trotzki, die deutschen [Kollegen] verstehen es spät, aber dann auch richtig.

Norbert Nelte
Internationale Sozialisten

(Das BIP wird seit 2005 wie in Amerika hedonisch errechnet. Es werden dann nicht nur die Preise, sondern auch die Qualitätsmerkmale berücksichtigt, obwohl diese eigentlich Bestandteil der Kultur sind. Wenn der Rasierapparat drei Scherblätter hat, dann gehört das inzwischen zum Alltagsgegenstand unserer Kultur dazu und kann daher nicht die Wirtschaftsleistung verdreifachen.)

  1. 1. Teil: Chinas Wunderwirtschaft stößt an ihre Grenzen
  2. 2. Teil: Arm und Reich driften auseinander
  3. 3. Teil: Das Land ist zu abhängig vom Export
  4. 4. Teil: Der Yuan muss aufgewertet werden
  5. 5. Teil: Immobilien verteuern sich rasant - droht eine Blase?
  6. 6. Teil: Banken und Börse fehlt die Transparenz
  7. 7. Teil: Was bedeutet der Wechsel der politischen Führung? 

Warum steht es in Europa so schlecht?
Nachdem die Renditen nahe null in der Produktion weltweit gefallen waren, flüchteten die Konzerne in die Subprime- und Banken-Fonds-Zockermärkte und lassen sich dort die entstehenden Verluste von den Steuerzahlern über die Staaten begleichen.

Die Finanzkrise hat nun massiv alle EU-Länder in die Schulden getrieben. Griechenland und Irland standen knapp vor dem Staatsbankrott.
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