AKW-Krümmel: Für die Politikfähigkeit entsaften lassen?
Atomstrom ist nur ein Abfallprodukt oder 50m bis Tschernobyl

Norbert Nelte - 02.7.2007 - Staat

Dass die deutschen Atomkraftwerke doch nicht so sicher sind, wie gerade zur Zeit uns die CDU wieder weismachen will, haben wir jetzt wieder in Krümmel erlebt. „Das Feuer war nur 50 Meter vom Reaktorkern entfernt“, lesen wir in der Presse. Das Atomkraftwerk Krümmel ist sowieso eine Killermaschine. Allein in der kleinen Gemeinde Tespe genau gegenüber des AKW Krümmel sind seit 1990 sechs Kinder an Leukämie erkrankt. Statistisch dürfte hier nur alle 60 Jahre ein einziger kindlicher Blutkrebsfall auftreten. Nirgendwo in der Welt ist je eine vergleichbare Leukämiehäufung bei Kindern beschrieben worden.“ Leukämietod in der Elbmarsch.
 
Natürlich hat man wieder einen willigen Gutachter gefunden, der wusste, dass das alles nur Einbildung von den beiden klagenden Ärzten Hans-Ulrich Clever und Hayo Dieckmann war. Ja, und das Feuer jetzt, das bilden wir uns auch nur ein.

Und die ständigen ernsthaften Störfälle - allein  14 Fälle in 2002 – bilden wir uns auch nur ein. „Krümmel bleibt am Netz“ entschied am 3.11.99 das hohe, unbelastete und unvoreingenommene schleswig holsteinische Obervaltungsgericht: „Eine Gesundheitsgefährdung der Bevölkerung sei nicht nachgewiesen worden“. (2)

Dieses mal noch waren wir 50 Meter von Tschernobyl entfernt, und nächstes mal? Dabei ist Krümmel nur ein Todesengel. In Brunsbüttel gab es doch auch eine Schnellabschaltung. Das dickste und größte Buch in meinem Bücherregal ist von der Bundesregierung die Sammlung der Störanfälle in AKW’s von 1977 – 451 Seiten (Zur friedlichen Nutzung der Kernergie). Bis heute wäre das eine mehrbändige Sammlung. Dabei ist Krümmel von den 19 AKW’s in Deutschland noch das 9. Neueste, also im Mittelfeld.

Das Endlagerproblem ist nach dem Bau von 20 AKW’s (Kehl wurde schon abgeschaltet) immer noch nicht gelöst. Da stehen die Castor-Behälter in einer zugigen Halle und bestrahlen das Wendland und Ahaus. Der mehrstündige Aufenthalt der Polizeikräfte beim Begleit-„Schutz“ der Castoren wurde schon als höchstgefährlich eingestuft, wie gefährlich ist da erst der jahrzehntelange Aufenthalt der Nachbarn in den Anliegegemeinden.

Man fragt sich schon, was treibt die Regierung an, derart die Bevölkerung zu gefährden, ja, manch wollen gar noch weitere Atomkiller bauen. In Deutschland wird eine 30%ige Überkapazität an Megawatt produziert, mehr als die Atomkraftwerke, die exportiert werden. Man könnte also gut alle AKW’s abstellen und bräuchte dennoch keinen einzigen Fernseher ausschalten. Sind es die Strompreise? Wenn man die Forschung, Subventionen und die Endlagerkosten in den Strompreis mit einkalkulieren würde, wäre der Atomstrom weitaus der teuerste. Als die Bundesregierung in den 70er Jahren die Konzerne gefragt hatte, ob sie ihre Wekskraftwerke auf Atom umstellen mögen, winkten diese müde ab, weil diese zu teuer sind. Also die Strompreise sind es auch nicht, warum unsere Kinder sterben müssen und wir uns nur noch 50m kurz vor Tschernobyl befinden.

Der Sache kommt man näher, wenn man ein Wort untersucht, mit dem sich Frau Dr. Angela Merkel als Umweltministerin gegenüber dem Spiegel 1995 im Rahmen der Castortransporte nach Gorleben wahrscheinlich verplappert hatte. Sie »findet das Zersägen der Brennstäbe und die Wiederverwendung des Plutoniums für neue sogenannte MOX-Brennelemente«, schrieb der Spiegel, »nach wie vor besser als derlei "Wertstoffe" im Gorlebener Salz zu verbuddeln.« (Spiegel Nr. 18/95, S. 21)

Aha, also „Wertstoffe“ sind die Atomabfälle, »aber das für den Betrieb im "Kraftwerk" wichtige U-235 ist fast vollständig aufgebraucht.«. (3) Als Abfallprodukt eines AKW’s entsteht aber das Plutonium 239, das in der Natur nur in sehr geringen Mengen vorkommt und das nur für Schnelle Brüter oder die Atombombe zu gebrauchen ist. Dafür wird aber das Plutonium vorher in der Wiederaufbereitungsanlage in La Hague aus den Brennstäben herausgelöst.
Aus dem einzigen im Bau befindlichen Schnellen Brüter in Kalkar wurde ein Rummelplatz gesaltet, bleibt nur: Die „Wertstoffe“ in Gorleben sind die Rohstoffe für Atombomben. Ein Reaktor vom Typ Biblis erzeugt jährlich etwa 200 kg Plutonium. Ungefähr fünf Kilogramm reichen aus, um damit eine Atombombe vom Typ Hiroshima herstellen zu können. Alleine Biblis produziert pro Jahr 40 Hiroshimabomben und in Gorleben und Ahaus liegt der Grundstoff für 500 Atombomben. Den letzten Produktionsvorgang würde das hochentwickelte Deutschland auch noch in der Zeit eines Kriegsszenarios schaffen. Dafür müssen die Kinder in der Elbmarsch den Leukämietod hinnehmen, damit das Doktor Angie auch zu den Atommächtigen gehören kann.

»Nach dem verlorenen Krieg wurde von den Alliierten der deutschen Bourgeoisie untersagt, Atombombenrüstung und jede Atomforschung zu betreiben. Mit diesem Versailles", wie Franz-Josef Strauß diese Verpflichtung bezeichnete, konnte die BRD keine eigenständige imperialistische Politik durchführen: Bei der "atomaren Komponente" der Bundeswehr gehe es »um die Basis, von der aus die Bundesrepublik überhaupt nur Politik machen kann«, erklärte der CDU-Abgeordnete Baron von Wrangel… Es wurde 1956 die Atomkommission unter dem Vorsitz des Chef-Reaktionärs Strauß und der Mitgliedschaft von Siemens, Höchst, Bayer, Demag und Krupp, Gutehoffnungshütte, Mannesmann, Metallgesellschaft, Deutsche Bank, der Allianz-Versicherung usw. gegründet. Ziel dieses Kreises und des Atomforums war es, die letzten Teile des Kapitals und die Öffentlichkeit von den Atomplänen zu überzeugen. « (4)

Man muss dem Atomforum bescheinigen, dass sie der Öffentlichkeit vorbildlich den Atombombenbau verschleiert haben und leider ist auch ein großer Teil der bürgerlichen Pazifisten darauf hereingefallen. Es gibt nirgendwo in keinem Land ein „friedliches“ Atomkraftwerk. In dem Moment, wenn in La Hague oder Sellafield wiederaufgearbeitet wird, hat man das Plutonium, den Grundstoff für die Bombe. Dass was immer den sog. „Terroristen“ oder ausgemusterten russischen Geheimdienstlern vorgeworfen wird, dass sie kiloweise das Teufelzeug transportieren und an Möchtegernatommächten verhökern, machen sie selber mit ganzen. Güterzügen.

Im Spiegel erklärte Strauß 1967 [1/2 1967] unmißverständlich: »Ich habe nie einen Zweifel daran gelassen, daß ich es als langfristiges Ziel für begrüßenswert hielte, zu einer europäischen Atomstreitmacht zu kommen.« Ein wichtiger Beleg für das Ziel der Atombombe bei dem AKW-Programm war die Stilllegung der Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf am 31. Mai 1989, nachdem der Energiekonzern VEBA als wichtigster Anteilseigner der zukünftigen Betreibergesellschaft mit der COGEMA, der Betreiberfirma der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague einen Vertrag zur Kooperation unterzeichnete. Nun gab Frankreich der Bundeswehr auch den Zugriff auf die französische Atombombe. Mit dem Plan der europäischen Armee im Lissabon-Vertrag wurde diese Frage dann institutionalisiert.

Für den Schah von Persien fing Siemens an, damit er die arabischen Ölmächte in Schach halten konnte, das Atomkraftwerk in Busher zu bauen. Auf der Konferenz von Guadeloupe haben die Westmächte aus Angst vor der Rätebewegung die Mullahs an die Macht gebracht. Wenn die deutsche Bourgeoisie jetzt Ahmanedinedschad jetzt vorwerfen, er plane damit nur militärische Ziele, dann schließen sie nur von sich auf andere. Noch heißt es 5+1, aber gemeinsam träumt die deutsche Elite: 6 Atommächte und 6 Vetomächte der UNO.

50m bis Tschernobyl heißt
Stilllegung aller Atomkraftwerke – Sofort.
Zum Xten Mal, Stop aller Castortransporte.
Stoppt das Atom(bomben)programm

Norbert Nelte
www.marktende.de

Home

Besucherzähler Manipulieren