Wird der linke Keynesianismus mit einem nachfrageorientierten Konjunkturprogramm uns retten können?

Norbert Nelte - 20.07.2006 - Staat

Wie die WASG (heute Die Linke) die Wirtschaft wieder ankurbeln will

„Die Wirtschaft hat der Versorgung des Menschen zu dienen. Die Unterwerfung des Menschen unter die Interessen der Wirtschaft lehnen wir ab.“ heißt es im Gründungsprogramm der WASG. Dieser Satz hält die Anhänger der Marktwirtschaft als auch die der Basisplanwirtschaft gleichermaßen zusammen. Wenn dieses Ziel mit der Marktwirtschaft nicht mehr zu erreichen ist, würden sich auch fasst alle reformistischen WASGler für einen solidarischen Basisplan früher oder später entscheiden. Wir sind überzeugt davon, dass der überwiegende Teil den Lohnkürzungen nicht solange zusehen werden, bis diese chinesisches Niveau von 70 Cent erreicht haben – jedenfalls werden sie so den obigen zentralen Satz des Gründungsprogramms nicht verstehen.

Damit wir auch nicht dann auf den St. Nimmerleinstag warten müssen, sollten wir uns heute schon Gedanken machen, wie sicher das Argument unserer Partei ist, das Ziel der Unterordnung der Wirtschaft unter die Bedürfnisse des Menschen einzuschätzen ist.

Sir John Maynard Keynes

Die Wahlalternative steht bei ihren Vorschlägen zur Lösung der wirtschaftlichen Verwerfungen in der Tradition des linken Keynesianismus mit ihren Hauptvertretern Starcheys und Joan Robinsons. Entsprechend schlägt sie in ihrem Gründungsprogramm vor;

„Werden Sozialleistungen und Löhne erhöht, wachsen Nachfrage, Absatz, Produktion und Beschäftigung. .. Ohne vermehrte öffentliche Investitionen und eine Stärkung der Massenkaufkraft kann aktive Arbeitsmarktpolitik auch in Zukunft nur das Elend der Massenarbeitslosigkeit verwalten.“

Klar bringt das Gründungsprogramm der geschäftsführende Vorstand Thomas Händel in der Homepage auf den Punkt:

„Deshalb braucht es zu einer wirklich anderen (Wirtschafts-)Politik eben drei ganz wesentliche Faktoren: Die Stärkung der Masseneinkommen, einer produktivitätsorientierten Lohnpolitik und einer offensiven öffentlichen Investitionspolitik - dann klappts auch mit dem Wachstum.

Joan Robinsons

In Zeiten wirtschaftlicher Krise kommt dem staatlichen Handeln große Bedeutung als Impulsgeber für die Wirtschaft zu. Um die Konjunktur anzuschieben bräuchte es Mehrausgaben - auch über Schulden finanzierte. Sie ziehen weitere Investitionen u.a. aus der Privatwirtschaft nach sich. In Zeiten der Hochkonjunktur können dann gemachte Schulden wieder abgetragen werden.

Als Beispiel für große Länder werden oft Großbritannien oder die USA angeführt. Nur, im „Vereinigten Königreich“ liegen die Löhne immer noch 20% unter den deutschen Durchschnittslöhnen und die „Vereinigten Staaten“ können über ihre Verhältnisse leben, weil sie jeden Tag 2 Milliarden vom Ausland geliehen bekommen. Es haben sich schon 8,2 Billionen Dollar Auslandsschulden dort angesammelt. Der Dollar wird noch vom Ausland als Stützungswährung für ihr eigenes Geld genommen bzw. die US-Aktien oder Staatsanleihen als Anlagekapital. Noch. Die Inflationsrate beträgt bereits 4,7%. Die Lohnsteigerungen sind in Amerika seit 1970 immer wieder von der Inflation aufgefressen worden. Gerade dieses Land kann uns nicht als Vorbild dienen.

Die traurige Realität

Sonst kennt man bei den großen Ländern nur negative Beispiele. Bei den deutschen Beispielen unter Wirtschafsminister Schiller 1966 und Bundeskanzler Helmut Schmidt 1974 gab es sowohl eine Nachfrage- als auch mit Hilfe des DGB’s eine lohndrückende Angebotspolitik. Beide Male konnte man nicht von einer reinen keynesianischen Politik sprechen, sondern jedes Mal war auch eine Prise Angebotsorientierte Politik von Milton Friedman mit dabei. Ob Keynes oder Friedman, der 2. Versuch endete 1976 wegen des Anfangs der langen Talfahrt bei 1,5 Millionen Arbeitslosen, 1971 gab es nur 26.000


 

In Großbritannien endete Anfang der 70er Jahre eine nachfrageorientierte Verschuldungspolitik mit Abermilliarden Sozialkürzungen und einer Arbeitslosigkeit von 6,1% in 1977. Das Ergebnis war dann Maggie Thatcher, die schon Mitte der 80er Jahre mit ihrer weiteren Lohndrückerei schon damals Millionen von Briten in die Arbeitsemigration trieb und eine südkoreanische Autofabrik ins Land locken konnte, da die britischen Lohnkosten bereits unter den koreanischen lagen. Droht das Gleiche uns jetzt mit China?

Am tragischsten aber endete der „keynesianische“ Konjunkturbelebungsversuch von Francois Mitterand 1981 mit einem beispiellosen Reformprogramm, das 95 Maßnahmen umfasste. Die Rente gab es schon ab 60 und wurde um 20% erhöht, der Mindestlohn wurde erhöht, 5 Wochen Urlaub, 35 Stunden-Woche, Kindergeld +25%, Arbeitslosengeld +10% und und und, alle wichtigen Arbeitnehmerrechte, die wir auch von der WASG kennen. Aber die zusätzliche Kaufkraft wurde leider zum Erwerb deutscher Waren genutzt. Das führte zwar in Frankreich zu weniger Arbeitslosen, dort aber zu keinem Wirtschaftswachstum und leider auch zu einer negativen Handelsbilanz.

Premierminister Mauroy drängte Mitterand, wieder zurückzurudern Aber der wollte erst auf dem G7-Treffen am 4. Juni 1982 in Versailles alle großen der Welt dazu aufrufen, gemeinsam die Weltwirtschaft wieder anzukurbeln. Mauroy erzählte süffisant dem Fernsehreporter seinen kläglichen Versuch: „Der amerikanische Präsident Reagan studierte seinen Spickzettel, der kanadische Premierminister Trudeau spielte mit seiner Knopflochnelke, der japanische Suzuki schien zu schlafen, die britische Premierministerin Thatcher schaute verlegen auf ihre Schuhe und der deutsche Bundeskanzler Schmidt zuckte nicht einmal mit der Wimper“. Das war das Ende des Keynesianismus und es folgte eine harte Sparpolitik.

Die theoretische Erklärung, warum der Keynesianismus versagen muss

Das Ungleichgewicht in der Weltwirtschaft und die galoppierende Globalisierung  führen dazu, dass nur das Länd mit den niedrigsten Lohnstückkosten von der konsumsteigenden Konjunkturbelebung profitiert, und das ist China. Der Walmart kauft schon mehr im Reich des Drachens ein als gesamt Deutschland. Und beim ALDI sieht es auch nicht mehr viel anders aus. Es wird oft nur noch hier verpackt und das Etikett „Made in Germany“ aufgeklebt.

Die Konzerne verlagern übrigens ihre Produktion nicht nur deshalb nach China, weil sie hier keine Käufer mehr finden, sondern in der Hauptsache deshalb, weil die Rendite (Gewinn/Investitionen) hier zu mager ist. Hier arbeiten schon mehr die Kollegin NC-Maschine oder Kollege Computer, aber da die menschliche Arbeit die einzigste Quelle des Mehrwertes ist, sind auch die Renditen oder relativen Gewinne im Keller. Autos kaufen eben keine Autos, stellte schon Ford fest.

1850 lag die Durchschnittsprofitrate (annähernd wie die Rendite) bei 50%. Bis zu den 30ern fiel sie auf 18% um bis 1982 in Deutschland auf 5% zu fallen. Kohl brachte sie dann durch einen harten Lohn- und Sozialraub wieder auf 12%. Inzwischen ist sie im verarbeitenden Gewerbe wieder bis 1998 auf 3,5% gefallen. Marx nannte das den „tendenziellen Fall der Profitrate“. Heute können die Konzerne nur noch profitable Renditen machen mit Aktien- und Hedgefondshandel (Deshalb spricht man in Insiderkreisen über Mercedes auch von einer Bank mit angeschlossener Autowerkstatt) sowie natürlich mit den sich überschlagenden Lohnkürzungen und Entlassungen.

Durchschnittliche geglättete Profitrate in Deutschland

Siemens zum Beispiel erwirtschaftete bei der Handyproduktion in Kamp-Linifort nur noch 1% Gewinn, obwohl sie am 1.7.04 den Kollegen den Lohn um 26% mit 2-jähriger „Beschäftigungsgarantie“ kürzten. Und wenn die Arbeiter ohne Lohn gearbeitet hätten, wäre nur 4% erwirtschaftet worden. Also vertickerten sie das Werk an einen taiwanesischen Konzern. Dem ging es nur um die Markenrechte für Europa und er wird sich 2006 zurückziehen. Der Gesamtbetriebsrat von Siemens rechnet übrigens noch mit weiteren 70.000 Entlassungen. Bei ihrem Monopily-Spiel sind doch den Vorständen die tausende Existenzen schnurzegal. In China hat Siemens schon 56 Betriebe und da laufen dank Gewerkschaftsverbot Handys, ICC, Transrapid und Generatoren wie geschmiert, nur mit der Bedingung, in China zu produzieren und Know-how und die Pläne mitzubringen. Da locken profitable Renditen von 25%. Statt einer Verpackungsmaschine verpacken dort 10 Kulis für ein Bett und eine Mahlzeit, dann können die Herren sich noch genug abzweigen. Gerade legt mir Holger das Wirtschaftswoche-China-Sonderheft auf den Schreibtisch: „Partner oder Rivale?“ Halb in chinesisch geschrieben, damit man die neue Herrschaftssprache schon mal üben kann. Dann heißt es nicht mehr McDonalds, sondern McMiau. Amerika betrachtet China schon mehr als Rivale, formuliert seine neue aggressive Atombombenpolitik und in Paris tobt die Intifada.

Trotz höherer Unterstützung der Nachfrageseite wird es in Europa bei den mageren 5 oder auch 10% Renditen zu immer mehr Massenarbeitslosigkeit kommen. Den Qualitätsrückstand wird China wie Japan in den 70ern in 2-3 Jahren eingeholt haben. Der Chef von Haier hat 50 seiner Waschmaschinen in den Hof stellen lassen, ließ seine Ingenieure und Facharbeiter antanzen, drückte ihnen einen Vorschlaghammer in die Hand und sie mussten den ganzen Schrott zusammen trümmern. Das ist chinesische Qualitätskontrolle, obwohl schon jede 3. Waschmaschine in den USA aus dem Reich der Mitte kommt. In kürzester Zeit werden sie europäischen Standard erreicht haben. Dann werden die Marken Lenovo, Schanghai Automotive oder Haier sich durchsetzen und die Meldungen über Betriebsschließungen gehören hier zum morgendlichen Ritual wie die Wettermeldungen. Eine negative Handelsbilanz hat Deutschland bereits und mit China im besonderen auch.

Bliebe der Vorschlag der Wirtschaftsankurbelung durch öffentliche Investitionen (40 Mrd. im Eckprogramm), also einer antizyklischen Wirtschaftspolitik. Wenn der Staat aber verschuldet ist, dann hatte auch Keynes vor weiteren Verschuldungen gewarnt. Er empfahl nur dann eine antizyklische Wirtschaftspolitik, wenn der Staat dieses Geld auch angespart hätte. So führt das nur zur Anheizung der Inflation, einem Verdrängungseffekt durch die dann höheren Zinsen sowie der Benachteiligung der nicht geförderten Betriebe. Das Ergebnis wäre nur eine Erhöhung der Gefahr einer Stagflation.

Wir müssen aber all diese Forderungen durchsetzen, weil sonst von der Würde der Kolleginnen und Kollegen und ihrem Geld bald nicht mehr viel übrig bleiben wird. Aber das Wirtschaftswachstum bleibt leider in China. Paris mit seiner „Intifada“ ist nicht weit von Frankfurt oder Köln. 50% Arbeitslose gibt es in den Vorstädten von Paris unter den Emigrantenjugendlichen. Sie haben keine Vergangenheit und werden nie eine Zukunft haben. „Wir werden nur wie Dreck behandelt und werden nie eine Familie gründen können. Da machen wir es genau so wie im Gazahstreifen“, erklärt ein verzweifelter Jugendlicher in die Kamera. Und wer kann ihm das verdenken? Kann man da von dem Bub noch geduldiges gewerkschaftliches Handeln erwarten?

Das müssen wir Erfahrenen schon vorangehen  Es wird endlich Zeit, dass DGB-Sommer und ähnliche Dauerschläfer aus ihrem Tiefschlaf aufwachen, oder wollen sie noch weiter schlafen, bis die Familienväter, um ihre Kinder satt zu kriegen, vandalierend und plündernd durch die Städte ziehen? Brrrrrrrrh. Aufstehen. 5 vor 12. Die Parole heißt: Schule ohne Diskriminisierung, Ausbildungsplätze für alle, qualifizierte Arbeitsplätze für alle, Stoppt Rassismus bei der Polizei und überall, der Jugend eine Zukunft. Pisa hat doch gezeigt, dass Paris nicht mehr weit weg ist.

Die demokratische Alternative

Bevor wir uns  der Alternative zuwenden, wollen wir noch einmal kurz die Ursachen für die Arbeitslosigkeit und die Lohnkürzungen aufzeigen. Der Einzelkapitalist steht in Konkurrenz zu den anderen Kapitalisten. Die wollen ein Stück von seinem Absatzmarkt. Also kauft er sich eine Maschine, um zu rationalisieren und die anderen zu unterbieten und Teile ihrer und auch neue Absatzmärkte zu erobern, um die Maschine zahlen zu können. Dafür muss er natürlich auch Leute entlassen und seine Gewinne steigen absolut und relativ.

Aber, ach du Schreck, im nächsten Jahr haben sich alle Konkurrenten auch sogar eine noch schnellere Maschine gekauft und erobern sich mit weiteren Preissenkungen  ihre alten Märkte zurück, und auch neue. Also müssen die Löhne gesenkt werden und alles beginnt von Neuem. Der Preis fällt erst, der Warenwert fällt, die Profitrate fällt (Die relativen Gewinne), die Arbeitsplätze fallen, der Lohn fällt, alles fällt, nur die absoluten Gewinne nicht und das Auto unseres Privatkapitalisten oder Aktienhalters und Couponschneiders wird immer größer.

In Deutschland wird jedes Jahr im Durchschnitt um 3% rationalisiert. Um 1% fällt die durchschnittliche  Profitrate und man erwartet eine Expansion um 2%. Für jedes Prozent, das man weniger expandiert, rechnet man mit 300.000 weiteren Arbeitslosen. Momentan haben wir ein Plus des BSP von 0,7%, das wären 300.000 mal 1,3 = 400.000 weitere Arbeitslose = ca. 5.000.000. Das schätzt auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung  (DIW) der Arbeitgeber bis Ende 2005. Aber wenn der Ölpreis so weiter steigt, kommt da bis April für die Preissteigerung (momentan bei 2,5%) noch ein Batzen dazu.

Das Credo der Marktwirtschaft heißt heute:
Rationalisieren, Entlassen, Löhne senken, Expandieren.
Und das ganze wieder von vorne.

Die Vorschläge für einen „Dritten Weg“ zwischen Kapitalismus und einer Kommandowirtschaft (bzw. Sozialismus, wie die „Dritte Weg“-Theoretiker die Ein-Parteiendiktatur der DDR irrigerweise nennen) helfen uns da auch nicht wirklich weiter, denn dann hätten wir die Nachteile des Kapitalismus, die Arbeitslosigkeit, und die der Kommandowirtschaft, die Billigstlöhne. Wir bekommen ja diesen Weg gerade mit China vorgeführt, Millionenheere zerlumpter Arbeitsloser auf dem Lande und die feinen Herrschaften von Partei und Kapital leben in Saus und Braus – nein danke

Die alternative Produktionsweise drängt sich bei den voranschreitenden Lohnkürzungen und Entlassungen fasst von selber auf, ob man das will oder nicht. Es ist die nach den objektiven Interessen der Arbeiter ausgerichtete, dem Internationalismus. Was hat der Kollege von Siemens davon, wenn sein Kollege bei Haier in Schaghai nur 1 €uro  Lohn bekommt? Nichts, denn dann wird sein Lohn gedrückt und letztlich wird er gefeuert. Also ist sein objektives Interesse, dass alle Arbeiter in der Welt das gleiche wie er selbst verdient, nämlich 4.000 €uro im Monat. Wenn er selber entscheiden könnte, würde er den Vorschlag sofort annehmen und die Konkurrenzlogik sein lassen, und schon wäre alles gelöst. So einfach ist das.
                                                                                                    
Macht mal auf der nächsten Betriebsversammlung den Vorschlag, wenn die Vorstände euch was vom Gürtel enger schnallen erzählen, weil ja die Osteuropäer oder die Asiaten so billig seien. Wir Arbeiter aber haben einen besseren Vorschlag: Nicht, dass wir so wenig verdienen wie die Asiaten, sondern umgekehrt, die Asiaten und die ganze Wellt sollen so viel verdienen wie wir. Ihr werdet sehen, dass alle selbstbewussten Kolleginnen und Kollegen begeistert sein werden. Ich selber habe diesen Vorschlag als Vertrauensmann bei einem Autozulieferer (Ate-Scheibenbremsen) 1974 vor mehreren tausend Kollegen gemacht, als ein Vorstand uns was von den billigren Japanern verklickern wollte. Da war ein riesen Hallo, besonders natürlich bei den ausländischen Kollegen, und der Vorstand getraute sich nicht, mich wegen einer politischen Stellungnahme abzumahnen, später darf er das nicht mehr, außerdem hat er ja selber mit den politischen Stellungnahmen angefangen, die Kollegen hätten ihn gevierteilt. Na ja, 70er Jahre, da war das noch einfacher. Danach sprach mich ein Kollege an: „Kollege“ sagte er, „du bist ein guter Philosoph, aber du wirst es nie schaffen, alle Kollegen unter einen Hut zu bringen“.

Und genau das ist das Problem. Schlaues Gerede das, aber wie sollen wir dann dahin kommen? Und genau diese Frage werden sich jetzt alle Leser dieser Zeilen stellen.

Genossen, die sich in der Arbeitergeschichte auskennen, wissen, dass sich in allen revolutionären Zeitendemokratische Arbeiterräte spontan von selber entstanden sind, zum Schluss in Portugal 1974. Am Anfang entwickeln sich spontan an der Basis „wilde“ Streiks (nicht offizielle, nicht angemeldete, ohne Bahnsteigkarte) und bilden Streikkomitees. Dieser erste automatische Schritt ist bereits in den Anfängen erfolgt, z. B in London bei 35.000 Postarbeitern (Die gaben sogar eine Zeitung raus) und bei den Feuerwehrleuten oder in Rom bei den Busfahrern. Die Opel-Kollegen hatten schon daran gedacht, aber dann wurde der Streik mit der suggestiven Frage „Wollt ihr weiterstreiken oder verhandeln leider abgebrochen. Diese Bewegung wird sich mit den weiteren Lohnkürzungen und Entlassungen immer weiter entwickeln, früher oder später auch in Deutschland, ob man das will oder nicht. Die Streikrätte werden nach 3 Prinzipien gewählt. 1. Jederzeitige Abwählbarkeit, 2. Sie unterliegen den Beschlüssen der regelmäßig tagenden Basis und sind ihnen rechenschaftspflichtig. 3. Sie erhalten kein Extralohn.

Mit der Zeit werden die Streikräte auch andere Aufgaben übernehmen wie Preis- oder Mietkontrolle, soziale oder administrative Aufgaben und am Ende werden die Streikräte sich national vernetzen und in demokratische Arbeiterräte umbenennen mit den oberen 3 Prinzipien, der 3. Punkt heißt dann: Facharbeiterlohn. Soweit wird die Entwicklung nicht von unserem Willen abhängen, das wird kommen wie das Amen in der Kirche.Da sind wir uns auch sicher, dass die WASG in den höchst demokratischen Arbeiterräten, so sie kommen, mitarbeiten werden würden. Sonst hätte sie ja bei den Arbeitermassen nichts mehr zu melden.

Die Entwicklung mit dem Sozialklau wird in der Konkurrenzwirtschaft natürlich weiter gehen wie bisher. Seit 1971 leben wir in einem großen Abschwung mit kleinen Aufschwüngen zwischendurch. Die Marktwirtschaft hat die großen Abschwünge bisher nur mit Weltkriegen beenden können. Heute aber würde ein Weltkrieg ein Atomkrieg bedeuten und das hieße Untergang der Menschheit. Nein nein, soweit wird es nicht kommen, noch nicht mal dazu, dass die Pariser Intifada auf die Arbeiterbewegung übergreift. Schon lange vorher wird der Ruf nach einer solidarischen demokratischen Planwirtschaft immer lauter.

Leider bringt es keinen Sinn, dass die Kapitalisten eine Planwirtschaft durchführen, denn da bliebe kein Gewinn übrig oder sie gewönnen die Kollegen für eine kapitalistische Sklavenhaltegesellschaft, wo die über 30jährigen zu Büchsenfleisch verarbeitet werden, weil, die wären dann für die Wirtschaft echt überflüssig und die totalen Parasiten

Also werden die Kolleginnen und Kollegen die Sache selber in die Hand nehmen müssen, und eine solidarische Welt bauen, in der nach den Bedürfnissen der Basis produziert wird und nicht mehr für einen unbekannten Markt. Ab hier greift der bewusste Wille ein. 1917 gab es zwar spontan Arbeiter- und Soldatenräte, die aber dann ihre Macht dem bürgerlichen Parlament überließen. Die KPD um Rosa Luxemburg waren erst 3.000 Genossen. Niemand hatte aber Erfahrung mit dem Kapitalismus, man stand noch am Anfang. Heute stehen wir an seinem Ende und vor seiner langsamen Auflösung. Alle Staaten sind pleite wie 1989 die DDR und haben heute schon nichts mehr anzubieten außer Arbeitslosigkeit und Lohnkürzungen, nichts mehr. Und es wird nie mehr besser, nur noch schlimmer. Ende – Aus – Vorbei.

Da langt in ganz Deutschland der Vorschlag von ein paar hundert überzeugten Anhänger der solidarischen Planwirtschaft, die von den demokratisch gewählten Arbeiterräten durchgeführt werden sollte, und die Millionenmassen der Arbeiterinnen und Arbeiter werden gemeinsam durch Deutschlands Straßen spazieren Die Pariser Intifada ist nur ein Vorbote davon. Wie in Leipzig 1989 wird kein Schuss fallen, wofür auch, Soldaten und Polizisten werden auch mitflanieren, und die Konkurrenzlogik, die so tief in unsere Hirne traumatisierend eingebrannt wurde, wird an einem Tag verflogen sein

 Alle Fenster werden geöffnet und die Betriebe werden in eine Agora verwandelt, auf der alle Menschen nach schöpferischer Arbeit gemeinsam über den Sinn der nächsten Maschine in der Galvanik, über den Bau eines Museums im Städtchen nachdenken oder die Dialektik bei den alten Griechen beleuchten. Das hat doch was, oder?

Du denkst, dass dann ein finsterer Bürokrat kommt, der nicht mitflaniert ist und deshalb nicht durchgelüftet wurde, und die harmonische Welt zerstören wird. Dabei muss man wissen, dass es 1917 in Russland nur 4% Arbeiterklasse gegeben hat und Stalin deshalb leicht mit seinen Schlägertruppen und Hinrichtungen seine Konterrevolution durchführen konnte.

Heute sind wir aber in Europa 85% Arbeiterklasse, da wird ein Möchtegern-Stalin ganz schnell wieder abgewählt. Wir können es uns auch leisten, die kleinen Ladenbesitzer und alle Kleinbürger im Arbeiterrat mitentscheiden zu lassen und wenn Herr Pierer ganz brav die Debitoren bucht, dann darf er auch mitwählen.


Das ist doch ein viel demokratischeres System als die bürgerliche Demokratie, wo du nur alle 4 Jahre wählen darfst und dann für den Rest über dich entschieden wird. Hier werden regelmäßig Abteilungs-, Werks-, Stadtversammlungen usw., Räte und Delegierte gewählt, Beschlüsse gefällt und unsere Häuptlinge sind noch daran gebunden und machen das Ganze nur für den Spaß. Mit der Zeit kann niemand mehr wie die frühen Germanen zwischen Arbeit und Hobby unterscheiden. Also, du hast nicht nur die höchste Demokratie, sondern auch die Befreiung von der ermüdenden Lohnarbeit.

 

Und wie funktioniert eine solidarischer Basisplan? Da brauchst Du noch nicht mal Volkswirtschaft studieren. Du gibst einfach im Internet ein, was du die nächste Zeit alles brauchst und die Summe wird dann weltweit entsprechend der Arbeitsplätze auf alle Werke umgelegt. Und wenn ein Werk eine Supermaschine hat, dann kriegen die anderen die auch, lizenzfrei, und alles freuet sich, weil man jetzt wieder mehr Zeit gewonnen hat, eine Friedenswasserpfeife zusammen zu rauchen und über die Anwendung der Relativitätstheorie in ihren Werken für Autorooter zu diskutieren oder den Einfluss von Picasso auf die surrealistische Malerei.

Wer jetzt immer noch meint, dass der Mensch für so was einfaches viel zu egoistisch sei und er wolle lieber die Marktwirtschaft zurück, dem möchte ich empfehlen, an den nächsten zehn Generalstreiks in Paris mit zu demonstrieren, dann können wir weiterreden.

Noch aber ist es so, dass hier alle Menschen zu bedrückt und niedergeschlagen sind. Noch hält man eine so schönen Traum für ein Märchen aus 1001er Nacht. Also begeben  wir uns dahin, wo sie auch am nahesten am Arbeiter stehen. Und das ist die WASG. Mit dem linken Keynesianismus werden die Kollegen im 1. Schritt wenigstens nicht geschröpft. Und oft, nicht immer, macht die Arbeit hier auch Spaß. Es wird eine gerechte Politik versucht. Sollte in einem großen Land trotz Lohnerhöhung und antizyklischer Investitionspolitik auf Schuldenbasis doch kein Wirtschaftsaufschwung zustande kommen oder aus den Streiks würde immer lauter der Ruf nach demokratischen Arbeiterräten ertönen, werden wir die obigen Vorschläge, wie die Wirtschaft zum Wohle der Menschen wieder in Gang kommt, dann diskutieren.

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