Wie ändern sich Ideen - die materialistische Geschichtsauffassung

Norbert Nelte - 18.03.2012 - Philosophie

In der Geschichte ging man im Wesentlichen bis Marx davon aus, dass das Bewusstsein das Sein lenkt, die Idee treibe die Geschichte an. Der größte Denker dieser Schule war Hegel. Das Oberste für ihn war die absolute Idee, in ihr verkörperte sich die idealste Gesellschaftsform, die durch die Epochen hindurch mit dialektischen widersprüchlichen Bewegungen sich letztlich durchsetzten würde.

Die Dialektik wird an dem Beispiel mit dem Apfelbaum entwickelt. Der Samen keimt, wächst zu einem Baum heran  und verfällt auch wieder und hat während seines Lebens wieder Samen produziert. »Alles was besteht, ist wert das es zugrunde geht.« lässt Goethe Mephisto sprechen. Alles, was gut ist, muss sich weiter entwickeln, denn die Welt, welche auf dass „Gute“ einwirkt, entwickelt sich auch weiter. Wenn sich als das ehemals „Gute“ nicht weiter entwickelt, muss es untergehen und ein neues „Gute“ entwickelt sich. Das einzige Bestehende in der Welt ist die Veränderung.

Deshalb betrachten die Marxisten die Welt auch in Prozessen, beim Bürgerlichen ist dagegen alles statisch, schließlich will er „seine“ Millionen über tausend Jahre in der Familie behalten, da sind bis zum Kapitalismus immer die letzten Produktionsverhältnisse die Idealsten und beim Kapitalismus endet dann lt. Francis Fukiyama die Geschichte. Nur, diese Theorie des „Des Endes der Geschichte“ hat er angesichts der desaströsen Katastrophen inzwischen wieder aufgegeben. Jetzt fürchten Sie, Kapitalismus [der Neoliberale NN] und Globalisierung könnten die Demokratie zerstören.“ Stellt der Spiegel im Interview klar.

Georg Wilhelm Friedrich Hegel sieht den Samen als Negation der Negation. „Der Samen ist die Negation des Baumes, der Baum die des Samens - beide sind die Negation der Negation“ (Matthias Engel & Karsten Schmitz: Marx' historischer Materialismus: Materialismus und Idealismus, S. 6) Der Samen ist die Negation des Baumes, der Baum die des Samens - beide sind die Negation der Negation.“ Oder die Quantität ist in eine neue Qualität umgeschlagen. „Die dialektische Betrachtung Hegel (1770-1831), ein Vertreter der Naturphilosophie, löste sich vom starren Idealismus und untersuchte die Dynamik, die hinter den Vorgängen in der Welt steckten. Er entdeckte die dialektische Logik der alten Griechen wieder und entwickelte sie weiter.“ (ebda., S. 5) Wegen der Dialektik war Marx am Anfang seines Philosophiestudiums ein Anhänger Hegels. Bei Hegel kumulieren sich  die dialektisch veränderten Welt aber in der Absoluten Idee, hier schaffte Hegel einen Widerspruch zu seiner eigenen Methode und landete letztlich wieder beim Idealismus.

Schließlich wurde er als Professor vom Preußischen Staat bezahlt und konnte ihm keine Veränderung mehr zumuten, also war hier die Absolute Idee erreicht. Er behandelte seine Methode wie eine göttliche Idee und saß nun fest.

Friedrich Feuerbach stellte die Philosophie wieder auf die Füße des Materialismus, aber nur des mechanischen Materialismus, „das Sein bestimmt das Bewusstsein“, aber ohne Dialektik, er konnte nicht erklären, wie die Veränderungen zustande kommen.

Das schaffte dann Karl Marx mit der Zusammenführung der Dialektik mit dem Materialismus. „Es ist nicht das Bewußtsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt, ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewußtsein bestimmt“
(Karl Marx: Zur Kritik der Politischen Ökonomie. Vorwort, MEW, Bd. 13, S..9)

Friedrich Engels bringt zum Tode von Marx ihre Weltanschauung auf den Punkt: »Wie Darwin das Gesetz der Entwicklung der organischen Natur, so entdeckte Marx das Entwicklungsgesetz der menschlichen Geschichte: die bisher unter ideologischen Überwucherungen verdeckte einfache Tatsache, dass die Menschen vor allen Dingen zuerst essen, trinken, wohnen und sich kleiden müssen, ehe sie Politik, Wissenschaft, Kunst, Religion usw. treiben können, dass also die Produktion der unmittelbaren materiellen Lebensmittel und damit die jeweilige ökonomische Entwicklungsstufe eines Volkes oder eines Zeitabschnitts die Grundlage bildet, aus der sich Staatseinrichtungen, die Rechtsanschauungen, die Kunst und selbst die religiösen Vorstellungen der Menschen entwickelt haben, und aus der sie daher auch erklärt werden müssen - nicht wie bisher geschehen, umgekehrt.«
(F. Engels: Das Begräbnis von Karl Marx, MEW, Bd. 19, S. 335, 336)

Im Kampf mit der Natur entwickelt der Mensch seine Technik immer weiter und damit müssen auch die gesellschaftlichen Systeme sich verändern. Aber diese gesellschaftlichen Systeme werden ihm aufgezwungen bis die Produktionsverhältnisse mit der Produktionskraft so in Widerspruch geraten, dass entweder die Menschheit wie die Dinosaurier ausstirbt oder die Produktionsverhältnisse sich weiter entwickeln.

James Watt hat bewusst die Dampfmaschine entwickelt, um die Arbeit zu erleichtern, um die Kraft der Mühlen zu erhöhen und unabhängig von Wind und Wetter zumachen. Ihm war aber nicht bewusst, dass er damit die feudalen Zünfte sprengte und die Voraussetzungen für den Kapitalismus schuf. Niemandem war das klar, ganz bestimmt auch nicht Friedrich den Großen, der mithilfe des abgeworbenen Gesellen von James Watt William Richards die Dampfmaschine erfolgreich nachbauen ließ, denn damit hat er ja seinen eigenes absolutistisches System untergraben.

Nur mit der technischen Entwicklung konnten die Kapitalisten mit dieser Investition lukrative Profite erwirtschaften und Arbeiter einzustellen und auszubeuten. Erst dann war Marx möglich. Vor 2000 Jahren war seine Arbeit gar nicht denkbar, da gab es noch gar keine Industriearbeiter und eine Rekapitalisierung auf höherer Stufenleiter, also dass der Kapitalgeber nach der Produktion einen höheren Betrag wieder zurückbekam.

Die Sklavenhaltergesellschaft war erst möglich mit der Metallurgie und dem Kanal- und Städtebau. Aber sie war auch notwendig. Die gigantischen Aufgaben wurden trotz eines Mehrproduktes seit ca. 50.000 Jahren nur von einem zentralisierten Staat durchgeführt. Die Einzelnen hatten das Mehrprodukt immer wieder verbraucht bis vor 6000 Jahren in Mesopotamien oder dem Industal ein mächtiger Fürst kam oder in Ägypten der Pharao.
Die Schrift ist nur durch das Misstrauen mit den  Karawanenführern entstanden. Der Lieferant schickte mit der Sendung auch einen Lieferschein in der Form der Tonbulle, die mit Männchen und Tierzeichen versiegelt war und daraus sich dann die mesopotamischen Runen entwickelten. Auch die Metallurgie entwickelte sich durch die Waffen, die ein Herrscher zum Fernhandel und für die dann regelmäßigen Kriege benötigte.

Die reine Sklavenhaltergesellschaft, in der es auch eine ganze Klasse von Sklavenaltern gab wie in Griechenland und Rom setzte das Eisen, den Hochseeschiffsbau und den regelmüßigen Krieg voraus. Spartakus aber konnte gar nicht für die Abschaffung der Sklaverei kämpfen, dafür fehlten die Produktionskräfte. Er konnte nur für seine persönliche Freiheit kämpfen und das andere den Sklavenjob machten.

Erst um 1100 nach unserer Zeitrechnung konnten mit der Weiterentwicklung der Wind- und Wassermühlen in Europa, der Vierfelderwirtschaft und des Pferdepfluges die Produktivkräfte vervielfacht werden und das Produktionsverhältnis auf die nächst höhere Stufe gehoben werden. Der Feudalismus mit den leibeigenen Bauern löste die Sklavenhaltergesellschaft ab, aber bis dahin gab es auch in Europa noch Sklaven.

Die Dampfmaschine sprengte nun das Zunftwesen und eröffnete die letzte Klassengesellschaft der Zivilisationen. Im Kapitalismus explodierten die Produktivkräfte durch die Produktion auf höherer Stufenleiter,  also dass der Kapitalist mehr einnahm, als er für den Arbeiter und für die Maschinen vorlegen musste. Das alleine ist nur dadurch möglich, weil der Mensch in der Lage ist, mehr Wertschöpfung zu produzieren, als er für seine eigene Reproduktion benötigt, also für seinen eigenen Konsum.

Inzwischen sind die Produktivkräfte so hoch, dass alle Menschen weltweit im Überfluss leben könnten. Die technische Zusammensetzung liegt schon in der Industrie bei weit über 90% konstantem Kapital zu 10% Lohn. Bei VW beträgt der Lohanteil nur noch 4%, bei Handys ganze 1%. Das könnten wir auch we

Die Klassengesellschaften, der Kapitalismus, sie sind nicht mehr notwendig. Im Gegenteil. Der Kapitalismus ist bereits derart zerstörerisch,  dass er mit Kriegen droht, die ganze Menschheit auszurotten. Die Ungleichgewichte drohen jederzeit die Weltwirtschaft zu zerreißen. Die Arbeit des Arbeiters in Europa oder Amerika, der hier für 2-3000 Euro im Monat arbeitet, macht der Arbeiter in China, Vietnam oder Kambodscha das für 100-300 Euro und die ganze Produktion verlagert sich nach Ostasien.

Bei Marx gibt es kein Ideal mehr, keine absolute Idee. Die Gesellschaft entwickelt sich immer weiter. Nur dann ab dem Arbeiterstaat ohne Revolution, weil es keine herrschende Klasse mehr gibt. Dann werden die Veränderungen nur noch nach Vernunft ausdiskutiert.

Die Arbeiter haben das Interesse und die Fähigkeit, alle Kapitalisten und Kleinbürger zu sich herabzuziehen und wenn alle Lohnabhängigen zur Arbeiterklasse gehören, gibt es nur noch Menschen und keine Klassengegensätze mehr. Der Staat als Unterdrückungsinstrument wird dann überflüssig, er stirbt nach Lenin ab. Geld und Parteien wird es nicht mehr geben, die Naturgesellschaften haben das nie gebraucht.

In den USA kommen inzwischen alle Waschmaschinen, Kameras und Fernseher aus Rotchina, sogar die Grabsteine, in den vereinigten Staaten aber selber gibt es nur noch 10% Industrie. In Las Vegas beispielsweise leben schon tausende Arbeitslose in der Kanalisation, manche haben sich da schon häuslich eingerichtet. Sie werden dort von der Polizei in die Unterstadt runtergetrieben, damit die Arbeitslosen nicht die Touristen anschnorren.

In Europa sieht es nicht viel anders aus. Griechenland steht vor der Pleite. Beim Verlassen des Euro-Raums wird das 1 Billion Euro kosten. In Griechenland gehen die Medikamente in .den Krankenhäusern aus. Nach Griechenland kommt Portugal usw. In Italien ist die Industrie um 20% eingebrochen, in Deutschland die Produktion im Dezember um 2,9%. Im Januar brechen die Aufträge wieder um 2,9% weg. In Frankreich ging die Autoproduktion um 20% zurück. In ganz Südeuropa ist die Hälfte der Jugendlichen ohne Arbeit. Ganz Europa liegt jetzt in der Rezession, sogar die Niederlande.

Italien, Portugal und Spanien haben sich von dem Crash 2009 nicht erholt, Griechenland crasht weiter und Frankreich hat sich nur knapp erholt. Nur Deutschland hat sich auf Kosten der anderen mit seinem Dumpinglohn wieder erholt. Aber seit dem 4. Quartal 2011 geht es wieder abwärts, wohin sollten sie auch exportieren. Ganz Europa ist in der Rezession.

In Japan ist der Export im Januar um 9,3% weiter eingebrochen, in China stehen 64.000.000 Wohnungen leer. Wenn man die Fakten kennt und nicht verdrängt hat, dann weiß man, dass in diesem Jahr noch, wahrscheinlich im Spätsommer, in Europa nach der Griechenlandpleite ein starker Wirtschaftseinbruch kommt, stärker als nach der Lehmann-Pleite. Dem Europa-Crash werden die anderen Industrieländer folgen, Amerika, China, Japan, Kanada, Südkorea usw. Nach dem Lehmann-Crash 2008/9 und dem Euroschuldencrash 2012 wird es dann in zwei drei Jahren einen dritten Crash geben, wahrscheinlich dieses mal ausgehend von China, der die kapitalistische Weltwirtschaft vollkommen in die Agonie zwingen wird.

Wenn dann um 2015 das Todesröcheln wie Mehltau über der Marktwirtschaft liegt, werden die Herrschenden sich nur noch streiten, reden und reden und keine Lösung mehr finden, weil es gar keine Lösung innerhalb der kapitalistischen Marktwirtschaft mehr gibt, da können sich noch so viele Linke, SPD’ler, Grüne oder Piraten eine schöne bunte Welt malen, sie wird mit der Marktwirtschaft grau bleiben. Die Linke wird für die Arbeiter mehr Löhne fordern und vielleicht auch mal durchsetzen, die Kapitalisten und die Arbeitsplätze werden dann in China sein. Nein, genauso könnte man sich auch wünschen, dass die Brathähnchen am Baum wachsen und die Ozeane voller Cola ist.

„Je tiefer die allgemeine Krise, um so häufiger geraten die unterschiedlichen Fraktionen der herrschenden Klasse un­tereinander in Streitigkeiten. Je tiefer die Krise und je größer die allgemeine Feindschaft der Massen des Volkes dem Regi­me gegenüber, desto schärfer sind die Risse und Konflikte, in­nerhalb der herrschenden Klasse.
(Tony Cliff „Portugal vor der Entscheidung“, S. 25)

Eine Revolution wird immer einfacher, je mehr die Herrschenden sich streiten. Zum Schluss langt dann ein gemeinsamer Spaziergang über die Allee wie in Leipzig.

Es muss unbedingt in der Weltwirtschaft wieder eine Balance hergestellt werden, das heißt weltweit gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Dafür müssen wir den Markt, den Privatbesitz am Produktionskapital und die Warenform abschaffen, das geht nur mit der Basisdemokratie von unten, in den Betrieben, die sich aber weltweit z.B. mit dem Lohn oder den Produktionsstandorten abstimmt.

Das hat schon angefangen. In Griechenland gibt das erste Krankenhaus in Selbstverwaltung, sie schreiben:
„Wir besetzen das öffentliche Spital und stellen es unter direkte und absolute Kontrolle. Das Γ.N. von Kilkis wird von nun an selbst verwaltet und die einzige Institution die für administrative Entscheidungen zuständig sein wird, ist die Generalversammlung der Spitalarbeiter/innen.“
(Griechisches Spital unter Arbeiter/innen Kontrolle)

Ja, das fängt spontan an, ob wir es wollen oder nicht, auch die nationale Vernetzung kann noch spontan laufen, aber mehr nicht, deshalb werden daraus jetzt mehrere Parteiinitiativen entstehen und die, die die objektiven Interessen der Arbeiter am Klarsten ausdrücken wird, wird sich dann durchsetzen.

„Die Besetzung des Krankenhauses in Kilkis durch seine Arbeiter/innen begann am Montag, den 20. Februar [2012], um 8.30 örtlicher Zeit. Bei dieser Besetzung geht es nicht nur um uns, die Ärzt/innen und Arbeiter/innen des Kilkiser Krankenhauses. Genau sowenig geht es dabei nur um das griechische Gesundheitssystem, das tatsächlich gerade am Kollabieren ist. Wir befinden uns in diesem Kampf, weil das, was gerade wirklich in Gefahr ist, die Menschenrechte sind. Und diese Bedrohung richtet sich nicht nur gegen eine Nation, oder gegen ein paar Länder, oder ein paar soziale Gruppen sondern gegen die Unter- und Mittelschichten Europas, Asiens, Amerikas, Afrikas, der ganzen Welt. Das heutige Griechenland ist das morgige Bild Portugals, Spaniens, Italiens und dem Rest der Länder weltweit.
(Nachricht vom besetzten Krankenhaus in Kilkis)

Da brauch ich nicht mehr zu schreiben, morgen geht es weiter in Portugal, ganz klar. Ja und, warum konnte die Linken Revolutionäre denn die Arbeiterkasse denn bisher nicht für die Revolution überzeugen? Weil jetzt erst historisch der Kapitalismus total abgewirtschaftet hat. Bisher entwickelte er noch wenn auch schwache konstruktive Kräfte. Die Arbeiterklasse hat da vielleicht einen besseren Instinkt als die kleinbürgerliche Linke.

Engels schrieb dazu:
»Es ist das Schlimmste, was dem Führer einer extremen Partei widerfahren kann, wenn er gezwungen wird, in einer Epoche die Regierung zu übernehmen, wo die Bewegung noch nicht reif ist für die Herrschaft dieser Klasse, die er vertritt, und für die Durchführung der Maßregeln, die die Herrschaft dieser Klasse erfordert ... Er findet sich notwendigerweise in einem unlösbaren Dilemma: was er tun kann, widerspricht seinem ganzen bisherigen Auftreten, seinen Prinzipien und den unmittelbaren Interessen seiner Partei, und was er tun soll, ist nicht durchzuführen. Er ist, mit einem Wort, gezwungen, nicht seine Partei, seine Klasse, sondern die Klasse zu vertreten, für deren Herrschaft die Bewegung gerade reif ist. Er muss im Interesse der Bewegung selbst die Interessen einer ihm fremden Klasse durchführen und seine eigene Klasse mit Phrasen und Versprechungen, mit der Beteuerung abfertigen, dass die Interessen jener fremden Klasse ihre eigenen sind. Wer in diese schiefe Stellung gerät, ist unrettbar verloren.«
(F. Engels: "Der deutsche Bauernkrieg", MEW 7, Berlin 1960, S. 400-401.)

Das war dann in Russland der Fall. Nach Lenins Tod hatte Stalin dann das Interesse der kleinbürgerlichen Bürokratie vom Staatskapital durchgesetzt, und nicht das der Arbeiter. 1989 haben sie doch ihr Vermögen dem Privatkapital übergeben und nicht den Arbeitern, das zeigt doch die Verwandtschaft  von Staats- und Privatkapital.
Historisch war die Zeit des Kapitalismus bisher noch nicht abgelaufen. Nehmen wir Portugal 1974. Der Faschismus unter Salazar und Caetano betrug nur 2/3 des spanischen Standards unter dem Faschist Franco. Dort habe ich noch 1968 bei einer Reise Frauen beim Waschen am Bach fotografiert, zu einer Zeit, wo in Resteuropa schon alle Haushalte eine Waschmaschine besaßen.
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Deshalb gingen damals praktisch wir Linken, ausnahmslos alle, davon aus, dass die iberische Halbinsel im Kapitalismus den Anschluss an die damals noch EWG nicht schaffen wird. Wir mussten uns eines besseren belehren lassen. Heute verdient ein Lokführer in Deutschland durchschnittlich 2.000 Euro und in Spanien 3.250 Euro. Die konstruktiven Kräfte im Kapitalismus waren schon noch erfolgreich, obwohl die destruktiven überwogen, aber sie konnten noch einen großen Teil der Arbeiterklasse an den Kapitalismus binden. Daher kam Rosa Luxemburg schon vor 100 Jahren zu dem Schluss:
"Ohne Zusammenbruch des Kapitalismus ist die Expropriation der Kapitalistenklasse unmöglich“
(Rosa Luxemburg: „Sozialreform oder Revolution“, 2. Teil, 4. Der Zusammenbruch)

Dieser Zusammenbruch vollführt sich jetzt aber in der 2010 Dekade, in diesem Jahrzehnt. In Griechenland sind die Arbeitermassen schon viel offener für revolutionäre Ideen. Nicht nur gibt es das Krankenhaus in Selbstverwaltung, überall gibt es schon Streikräte und jeden Tag Streiks und die Internationale Tendenz für die Basisdemokratie wächst explosionsartig. Und das geht weiter. Die Troika hat schon angekündigt, dass weiter gespart werden muss. Brüssel treibt direkt die Kollegen in die Arme der Revolutionäre. Da ist die Revolution schon vorprogrammiert.
 Auch in Ägypten, hier war die IS auch führend bei dem großen Streik der Steuerbeamten. Mubarak musste ja abtreten, einen Tag nachdem die Arbeiter von Mahalla, vom öffentlichen Dienst in Kairo usw. auf dem Tahir-Platz auftraten. Vor denen hat die Militärjunta einen Riesenbammel, und das wird ja weiter gehen.

Die griechischen Kollegen haben ja schon gesehen, dass es in „Portugal, Spanien, Italien und dem Rest der Länder weltweit.“ weiter gehen wird. So ändern sich die Ideen. Nun ändern sich die äußeren Bedingungen, die Globalisierung mit dem Internet und den Containern schafft Ungleichgewichte in der Welt des Kapitalismus und schon müssen die Arbeiter kämpfen und nur dann im Kampf lernen sie.

Die meisten Menschen aber kennen Marx’ Haltung zur Arbeiterklasse nur über die Stalinisten. Eine "Einführung in den dialektischen und historischen Materialismus" der DDR beschreibt die Arbeiter immer als höhere Wesen. Absoluter Quatsch, die Arbeiter sind genauso Bild-Zeitung wie der Stammtisch:

»Die besten moralischen Werte der Menschheit haben die Volksmassen im Kampf um ihre Befreiung und in der Arbeit hervorgebracht. Tugenden wie Bescheidenheit, Aufrichtigkeit, Wahrheitsliebe, Fleiß, Solidarität u.a. sind in Jahrhunderten von den Werktätigen erworben, in die Moral der öArbeiterklasse aufgenommen und von ihr weiterentwickelt worden.«
Einführung in den dialektischen und historischen Materialismus",, Seite 437


Eine Pflegeschülerin sagt zu mir, als ich ihr berichtete, dass  es ab 1.4. kein Harz 4 mehr für Ausländer gäbe: „Gut so, ich kenne nur Arbeitslose, die nicht arbeiten wollen“

Ein Pfleger antwortet mir auf die Mitteilung, dass meine Rente nach Verdi seit 2000 schon um 40% gekürzt wurde: „Gut so, dann wird meine Rente der der jungen Leute angepasst. Ich könne stolz sein, im Kapitalismus zu leben, denn der zahlt mir Pflegegeld.“ Das ist nichts anderes als Stammtisch und keine „besten moralischen Werte“.
Es ist klar, dass viele Leute, die das Arbeiterbild der DDR haben, in Frage stellen, dass die Arbeiter zur Revolution fähig wären. Aber ich sagte zu dem Kollegen, dass er spätestens im nächsten Jahrzehnt auch die Revolution machen wird, er weiß davon aber nochnichts. Die Widersprüche des Kapitalismus zwischen Kapital und Arbeit spitzen sich immer weiter zu, die Staaten verschulden sich immer mehr, auch Deutschland.

Nachdem Deutschland 2010 12% zum BIP öffentliche Schulden aufgenommen hatte und Deutschland damit nach Irland mit 32% der zweitgrößte Schuldenmacher in Europa 2010 war und 2011 das gleiche drohte, hat das Statistische Bundesamt ab 2011 die Veröffentlichung der Schulden für die Bankenrettungen und die Refinanzierungsschulden eingestellt. Sie geben nur die Haushaltschulden von 1% und weisen diese falsch als gesamte öffentlichen Schulden aus. 2012 fallen allein 246 Mrd. Refinanzierungen und wieder ca. 250 Mrd. Bankenrettungen an, gut 500 Mrd. fast 20% vom BIP. Damit sollen im Wesentlichen die anderen Länder arglistig getäuscht werden.

Es muss schon schlecht stehen um Deutschland, dass sie zur offensichtlichen Lüge greifen. Für Europa schwindet die Zuversicht und für die ganze Welt auch. Die Herrschenden streiten sich immer mehr um den richtigen Kurs. Das ist die Zeit, wo die Arbeiter zuschlagen und das Bewusstsein sich explosionsartig verändert. Das hat schon in den Mittelmeerländern angefangen und breitet sich über die ganze Welt aus, in Deutschland auch, aber später. Die Lohnabhängigen hier gehen sehr rational mit der Revolution um. Ist die Zeit noch nicht reif, wird nicht groß rumgehampelt. Ist sie aber reif, so um den dritten Crash um 2015 herum, wird kurzer Prozess gemacht und hier werden auch die Betriebe massenweise in Selbstverwaltung übernommen.

Griechenland ging vor 2.800 Jahren voran bei der bürgerlichen Demokratie. Jetzt geht es voran bei der revolutionären Basisdemokratie.
Lernt griechisch!

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