Geburt und Tod der Klassengesellschaften

Norber Nelte - 18.09.16 - Philosophie

Als vor 7.000 Jahren die Klassengesellschaften durchgesetzt wurden, entstand auch gleichzeitig das Patriarchat. Davor existierte seit der Unterstufe der Wildheit das basisdemokratische matrilineare Mutter- oder Frauenrecht.

Im Gegensatz zu den Klassengesellschaften war die Stammesgesellschaft voll demokratisch. In der Großfamilie beschlossen alle und die Aufgabe der Familienoberhäuptin war, diesen Beschluss der Mehrheit auch durchzusetzen. Krieg war nur die Ausnahme, es gab ja noch keinen Profit, für den Krieg und für die Stammesangelegenheiten waren die Männer zuständig. Friedrich Engels schreibt in „Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats:

Friedrich Engels: Die Familie, Seite 54

„Die kommunistische Haushaltung, in der die Weiber meist oder alle einer und derselben Gens angehören, die Männer aber auf verschiedene Gentes sich verteilen, ist die sachliche Grundlage jener in der Urzeit allgemein verbreiteten Vorherrschaft der Weiber, die ebenfalls entdeckt zu haben ein drittes Verdienst Bachofens ist.“

Dazu kam noch, dass wie im Tierreich mit wenigen Ausnahmen die Mütter die Kinder aufziehen und säugen. Nichts liegt da für ein Kind näher, als die Mutter als Autorität anzuerkennen und sie letztlich zu vergöttern, so dass als Fruchtbarkeitssymbol und Ahnherrin noch lange gedacht wird.

Zur basisdemokratischen Verfassung sagte Engels:

Friedrich Engels: die irokesischen Gens, Seite 95

 „Und es ist eine wunderbare Verfassung in all ihrer Kindlichkeit und Einfachheit, diese Gentilverfassung! Ohne Soldaten, Gendarmen und Polizisten, ohne Adel, Könige, Statthalter, Präfekten oder Richter, ohne Gefängnisse, ohne Prozesse geht alles seinen geregelten Gang. Allen Zank und Streit entscheidet die Gesamtheit derer, die es angeht, die Gens oder der Stamm“'

Sie lebten von der Jagd und vom Sammeln. Dafür langte es, wenn man 2 Stunden am Tag arbeitete. In der Levante betrieb man im Gartenbau seit vor 20.000 Jahren den Anbau von Wildgetreidearten. In der Zwischenzeit waren die Menschen schon so erfolgreich gewachsen, dass ab 11.000 Jahren für das nun kultivierte Getreide besondere Äcker angelegt wurden, die aber noch vom Stamme gemeinsam bearbeitet wurden, aber von den Männern. Nun mussten die Männer schon länger arbeiten.

Das überschüssige Getreide tauschte der Häuptling erst für den ganzen Stamm. Um die Waren abzusichern, begleite ihn eine Schutztruppe. Nun wurde das gehandelte Getreide immer mehr, und der Häuptling führte nun ab dem 7. Jahrtausend vor u. Ztr. den Handel für sich durch und behielt den Handelsgewinn. Er nannte sich um in König oder Fürst und gab den Bauern vom Stamm nur soviel, dass sie gerade so sich ernähren und wieder im nächsten Jahr Getreide anpflanzen konnten.

Nun mussten die Bauern 10 Std. arbeiten, um ihren Hof aufbauen zu können. Dadurch, dass nur die Männer die schwere Ackerarbeit durchführen können, geht das Erbe auf nur die eigenen Kinder über und der Hof kann somit der älteste Sohn erben.

Friedrich Engels: Die Familie, S. 60

"In dem Verhältnis also, wie die Reichtümer sich mehrten, gaben sie einerseits dem Mann eine wichtigere Stellung  in  der  Familie als der Frau  und  erzeugten  andrerseits den Antrieb, diese verstärkte Stellung zu benutzen, um die hergebrachte Erbfolge zugunsten der Kinder umzustoßen. Dies ging aber nicht, solange die Abstammung nach Mutterrecht galt. Diese also mußte umgestoßen werden, und sie wurde umgestoßen. Es war dies gar nicht so schwer, wie es uns heute erscheint. Denn diese Revolution - eine der einschneidendsten, die die Menschen erlebt haben – brauchte nicht ein einziges der lebenden Mitglieder einer Gens zu berühren. Alle ihre Angehörigen konnten nach wie vor bleiben, was sie gewesen. Der einfache Beschluß genügte, daß in Zukunft die Nachkommen der männlichen Genossen in der Gens bleiben, die der weiblichen aber ausgeschlossen sein sollten, indem sie in die Gens ihres Vaters übergingen. Damit war die Abstammungsrechnung in weiblicher Linie und das mütterliche Erbrecht umgestoßen, männliche Abstammungslinie und väterliches Erbrecht eingesetzt."

Die schwere Ackerarbeit und die Privatisierung der Äcker wird schon das Hauptargument für den Übergang der Mutterlinie auf die Vaterlinie gewesen sein, weniger der Reichtum an sich. Es gibt ja heute noch 1.300 Völker mit Resten des Mutterrechts. Bei all diesen Völkern kommt kein schwerer Ackerbau vor. Bei den Mosuo in China gibt es Reisterassenanbau, den die Frauen selber machen, auch bei den Minangkabau in Indonesien, die Tuaregs in der Sahara haben nur Ziegenzucht, die Samen in Finnland haben Elchherden, die die Frauen auch wie die Männer betreiben, die Garo und die Khasi in Indien betreiben Teeanbau usw. Relativen Reichtum wie ein Bauer hatten diese Völker auch und trotzdem geht immer noch die Funktion des Familienoberhauptes auf die Tochter über. Der relative Reichtum kann nicht für die Umstellung auf das Vaterrecht der alleinige Grund gewesen sein.

Man könnte jetzt aber auch die Geschichte des Übergangs vom Mutter- auf das Vaterrecht ganz anders erzählen. Nicht der Häuptling, sondern alle Männer hätten zuerst die Revolution erkämpft. Sie wollten wegen der schweren Ackerarbeit das Acker privatisieren und ihren Kindern vererben. Jetzt erst käme der Häuptling, und will den Handelsgewinn für sich behalten und verändere sich zum König.

Nur müssen wir sagen, dass diese Reihenfolge sehr schwer vorstellbar ist. Die Männer haben doch nicht freiwillig 8 Std. mehr gearbeitet nur für den verschuldeten Bauernhof. Nein, nein, sie empfanden diese Mehrarbeit als Strafe, so sehr, dass das noch Jahrtausende später für die Apfelesserei im Paradies, sozusagen in der Wildnis als Strafe Gottes in dem Epos der Bibel Eingang gefunden hat: „Adam wird der harte und mühselige Ackerbau auferlegt“ heißt es da.

Zugegeben, dieser Epos beansprucht keine historische Genauigkeit, auch die Namen sind keine historischen Personen, aber das Buch wurde ja von vielen geteilt. Und auch die von König Gilgamesch beauftragte Tempelhure musste ja Enkidu, den Mann aus der Wildheit, verführen, um in die Zivilisation zu kommen. Und dieses Epos wurde geschrieben zu einer Zeit, in der es wahrscheinlich noch Völker mit Mutterrecht gab. Diese weigerten sich immer noch, die Welt der Konkurrenz feiwillig zu betreten, sie blieben lieber in ihrer Welt der Solidarität.
Es waren schon die Könige, die ex-Häuptlinge, die die Revolution gegen die matrilineare basisdemokratische Gesellschaft betrieben. Die Revolution war auch ganz leicht. Die alte Stammesgesellschaft hat sich auf einen Angriff eines Königs mit seiner wenn auch kleinen Armee, gar nicht vorbereitet, das war ja neu. Sie hatte ja, wie in Catal Hüyük, noch gar keine Stadtmauer. Die Amazonen, die man an verschiedenen Orten wie Russland oder der Türkei wehrhaft bewaffnet kennt, gab es erst, nachdem ihre Nachbarstämme Patriarchate wurden  und sie schon öfters überfallen haben.

In naher Zukunft wird nach 7000 Jahren die Diktaturen der Herrschaftsgesellschaften entweder in der Barbarei enden oder wir Lohnabhängigen werden dann die Wirtschaftslenkung übernehmen. Für das Letztere bestehen gute Aussichten, denn wir haben schon in 11 Ländern von Argentinien bis zur Türkei 500 besetzte Betriebe in Selbstverwaltung ohne Bosse, nach Marx der erste Schritt zum Sozialismus.

Diese Schritte werden bei dem zu erwartenden sich nahenden Crash weiter gehen: „Alles falsch gemacht: Der große Crash rückt näher“. Und zwar 100fach, denn der Crash wird auch 100mal stärker. Die Luft knistert, die Mehrheit der Investoren erwartet Kurssturz bei Aktien und Anleihen.

Hier in Deutschland passiert erst mal nichts, weil erst mal alle an die  verdammte Lüge der brummenden Wirtschaft glauben, deshalb kommt es hier darauf an, sich gut zu bevorraten. Die schwerste Aufgabe wird dann sein, die Damen und Herren des Geldadels nach 7.000 Jahren wieder zu solidarischen Geschöpfen umzuschulen. Meinst Du, dass die sich noch umschulen lassen?

Norbert Nelte
Internationale Sozialisten

PS

Nach dem bitteren Ende des Kapitalismus kommt der Anfang hin zur klassenlosen Gesellschaft.

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Ich denke, es wird noch in diesem Jahr knallen.

Sie werden viele in FEMA und Konzentrationslager stecken, aber es wird weltweit auch zu einer Hyperinflation kommen und Zerfall aller Staaten. Plündereien, Vandalismus und Warlords wird das Ergegbnis sein.
Die Länder mit einer kämpferischen Arbeiterklasse (Frankreich, Griechenland, Italien, Spanien, Portugal) werden sich sehr bald der südamerikanischen Rätereplik anschließen. (union fasinpat) In Deutschland leider erst 2-4 Jahre später, aber dann auch richtig. Deshalb gut bevorraten.

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