Es gab schon immer ein Oben und unten oder Josehps List

Norbert Nelte - 07.07.2008 - Philosophie

wie im Himmel, so auf Erden.

Mit dieser Weisheit nehmen die Reichen sich immer mehr und lassen den Armen nur einen Krumen. Wie aber kommt es, dass die Milliarden von Arbeiterinnen und Arbeiter sich das von einer kleinen Gruppe von überheblichen, arroganten Lackaffen gefallen lassen. Schließlich war das mal anders in der Menschheitsgeschichte. In den Naturgesellschaften wurde die Sippenführererin oder der -führer immer gewählt und sie/er war an die Beschlüsse der Basis gebunden. Das wird bei den Nochnaturstämmen praktiziert oder noch heute bei den Indianern erzählt, das ging sogar in manche amerikanische Städteverordnungen ein.

Plötzlich taucht ein allmächtiger Pharao auf. Plötzlich? Erst einmal war er nur der Urahn von einem verdienten und inzwischen vergötterten Ägypter. Aber er wollte für seinen Prunk sich auch das Mehrprodukt der ägyptischen Bauern aneignen, aber er wusste nicht, wie? Da kam ihm der rettende Joseph mit einer klaren Anleitung, wie man eine Diktatur über ein Volk errichtet, der Bush wäre dabei neidisch mit seinem Dekret geworden.

Im 14. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung hatte der Pharao Echnaton alles zentralisiert und die Priester entmachtet. Dazu musste er deren Götter abschaffen. Es blieb nur sein Gott Aton übrig. Aber für eine reine Klassengesellschaft wie bei den Griechen ab 509 v.u.Z.mit einer Sklavenhalterklasse waren die Produktivkräfte noch nicht genügend entwickelt, die Zeit war noch nicht reif, Ägypten war nur eine Übergangsgesellschaft, die noch mit einem Bein in der Oberstufe der Barbarei (S. 3) stand. Also wurde die Zentralisierung und die monotheistische Religion nach Echnaton erst einmal wieder zurückgenommen.

Aber dieser Versuch hat einen jüdischen Prediger etwa im 8. v.u.Z. derart imponiert, dass er diese Idee mit dem einen Gott auch in seine Religion übertrug. In der Mystik ist dieser Prediger als Mose eingegangen.

Im 41. wird ein Traum des Pharao und im 47. Kapitel wird die Überlistung der Ägypter durch Joseph für den Pharao erzählt, Ali Baba ist nichts dagegen. Im 41. Kapitel lässt dieserJ9seph den Pharao einen Traum von den sieben fetten und mageren Kühen und Ähren erzählen, die Traumdeutung durch Joseph mit den sieben fetten und mageren Jahren in der Realität und dass der Pharao dann in guten Zeiten den Fünften des Getreides durch Joseph als Verwalter speichern ließ. Soweit ist alles noch im normalen Bereich.

Im 47. Kapitel aber kommt dann die Geschichte mit der Leibeigenschaft. In den 7 mageren Jahren kaufen die Ägypter dann das Brot bei Joseph und das Geld wandert in die Taschen des Pharao. Als dann das Geld alle war, mussten sie ihr Vieh dem Pharao geben und danach ihr Land. Am Ende gehört dann dem Pharao ganz Ägypten und alle Bauern bestellten dann die Felder als Leibeigene des Pharao. Diese Geschichte wird so erzählt, als ob es selbstverständlich, ja gottgegeben sei, dass der Pharao alleine erst speichert und dann die Menschen als Leibeigene gnädig unterwirft. Dabei hatten vorher die einzelnen Stämme Vorratshaltung betrieben und den Vorrat gratis an alle Stammesmitglieder ausgegeben.

Erst einer Weile nachdem der Mensch ein Mehrprodukt produzierte, verselbständigten sich die Schamanen in eine Priesterkaste mit ihrem Wissen der Astronomie, Mathematik, Meteorologie und Kalenderrechnung. Nach einer Zeit benutzten sie dieses Wissen für ihre eigenen Interessen und überlegten sich wie Joseph Tricks, wir sie diese daraus erpressten Privilegien vor dem Volk begründen konnten. Solche Geschichten gibt es in allen Religionen, die Moseskapitel gibt es allein bei den Juden und den Christen, die Moslems erzählen Pharaos Traum, aber haben dann die offensichtliche Abzockgeschichte weggelassen.

Heute haben sich diese Geschichten tief in die Hirne eingebrannt, dass alle Menschen, egal aus welcher Schicht, ob religiös oder nicht, daran glauben, das es unterschiedliche Menschen gäbe, immer und für alle Zukunft. Nun müssen wir schon festhalten, dass Josephs Trick zwar schäbig gegenüber der alten Gemeinschaft war, dennoch aber dies eine gewaltige Produktionskraftentwicklung zustande gebracht hatte. Wenn das Mehrprodukt weiter gleichmäßig an alle verteilt worden wäre, hätten die Menschen dies bisschen Mehr schnell aufgegessen. Die Schrift ist erst entstanden wegen des Misstrauens des reichen Händlers. Die ersten Lieferscheine vor 5000 Jahren bestanden aus einer Tonbulle mit Tier- oder Menschensymbolen, woraus sich die Schrift entwickelte. Durch die Zentralisierung konnte sich die Wissenschaft entwickeln, Megastädte sind rund um das Mittelmeer entstanden und der Handel brachte die unterschiedlichen Erfahrungen zusammen.

5.000 Jahre danach sind die Produktivkräfte aber genügend weit entwickelt, dass die Menschen gleichberechtigt sie weiter entwickeln könnten. Wir erleben es immer wieder, dass Menschen ohne Verlockung durch Geld zu großen Entwicklungen z.B. im Hobbybereich fähig sind. Entwicklungen werden gar verhindert, beispielsweise verschwant der Nylonstrumpf ohne Laufmasche bei Dupont wegen der Konkurrenz im Tresor, Strumpf ohne Laufmache verkauft man nur einmal, schlechte Wareneigenschaft.

Weil sich nun mal die Mär von den zwei menschlichen Rassen – Elite und Bauern – so tief in die Hirne eingebrannt hat, bekommt man das nicht durch eine Diskussion wieder hinaus, sei sie noch so intensiv. Deshalb ergeben sich die gesellschaftlichen Veränderungen immer abrupt revolutionär, nicht über langsame Verbesserungen. Die Arbeiter werden wegen der Widersprüche zwischen Kapital und Arbeit zum selbsttätigen Kampf gezwungen und lernen dann in diesen Kämpfen.

»Ihr habt 15, 20, 50 Jahre Bürgerkriege und Völkerkämpfe durchzumachen, nicht nur um die Verhältnisse zu ändern, sondern um euch selbst zu ändern und zur politischen Herrschaft zu befähigen.« sagt Karl Marx in den "Enthüllungen über den Kommunisten-Prozeß zu Köln", MEW Bd. 8, S. 412

Die reformistische Gewerkschaftsführung hat auf die heutigen Probleme keinerlei antworten, eher sorgt sie sich um die Rendite des Kapitals. Da wird wegen der Inflation besonders bei den Lebensmittelpreisen der Arbeiterklasse gar nichts anderes übrig bleiben, als die Kämpfe selber zu organisieren. Sicher stellt sich die SPD dann immer vorne dran, um dann abzubremsen. Das wird aber ab einem Moment nicht mehr funktionieren. Dafür gibt es ja auch dann die Linke, die das gleiche Spiel wie die SPD probieren wird, den Kampf wieder in das klassenversöhnlerische Parlament zu tragen. Aber auch auf manche außerparlamentarische „revolutionäre“ Linke wird die Arbeiterklasse sich nicht blind verlassen können.

Historisch hat sie deshalb auch immer in ihren Streik- oder Arbeiterräten als Bedingung gestellt, dass der Delegierte an den Beschluss der Basis gebunden und jederzeit wieder abwählbar ist. Im Gegensatz zu Russland 1917, wo es nur 4,5% Arbeiter gab, gibt es heute in Europa 85% und wenn sich nach emanzipatorischen Kämpfen erheben, weltweit, dann helfen dem Pharao Bush keine zehn Josephs mehr und auch nicht die SPD mitsamt aller Gewerkschaftsbonzen:

»Die Zeit der Überrumpelungen, der von kleinen bewussten Minoritäten an der Spitze bewusstloser Massen durchgeführten Revolutionen ist vorbei. Wo es sich um eine vollständige Umgestaltung der gesellschaftlichen Organisation handelt, da müssen die Massen selbst mit dabei sein, selbst schon begriffen haben, worum es sich handelt, für wen sie mit Leib und Leben eintreten.«
(Friedrich Engels, "Einleitung zu Marx: Die Klassenkämpfe in Frankreich" 1848 bis 1850, (Ausgabe 1895); zit. nach MEW Bd. 22, S. 523)

Alle Herrschaftsgesellschafen mit einem oben und unten werden nicht mehr wirtschaften können, dass alle Menschen zufrieden und satt werden können. »1960 waren in Deutschland  noch 40 Erwerbstätige nötig, um Waren und Dienstleistungen im Wert von einer Millionen Mark herzustellen, 1990 schon reichten weniger als 10 Beschäftigte dafür aus.« ('Der Spiegel', Nr. 31/28.7.97., S. 88) Die Arbeit ist aber die einzigste Quelle des Mehrwertes. Wenn wir die obigen Zahlen auf 208 hochrechnen, dann benötigen wir nur noch 3/4 Beschäftigte für ½ Millionen Euro. So bekommt das Kapital nicht mal mehr seine rentable Rendite zusammen und versucht deshalb über die Spekulation mit unseren Lebensmitteln sich noch eine Kleinigkeit dazu zu verdienen.

Der Realkollaps der kapitalistischen Marktwirtschaft wird wahrscheinlich nach vielen Expertenmeinungen schon im September kommen. Heute schon beträgt die wirkliche Inflationsrate in den USA 6,4% und ab Herbst sind alle Goldbarren verkauft. In New Yorks Geschäften werden nur noch Asiaten und Europäer gesichtet und in Florida ist jeder dritte Laden mit Brettern verrammelt. Kalifornien entlässt Gefangene, weil der Staat kein Geld mehr für die Knäste hat, der Anteil der Kriminellen bei der Armee steigt, während Amerika in Afghanistan für die bösen, bösen Taliban ein größeres Gefängnis baut. Immer mehr Leute fliegen aus ihren Häusern raus, ziehen in die Zeltstätte und in manchen Städten decken sich die Nochbesitzer mit fünf mal mehr Waffen ein als bisher. Das war jetzt kein Science Fiction, vielleicht die Einführung von Mad Max, nein, das ist die Realität, Du lebst schon mitten drin und ein/zwei Jahren hat sie nach Europa importiert.

Noch mehr als 3 Billionen Dollar fauler Kredite werden abgeschrieben müssen. Das konnte bisher unter der Decke gehalten werden, weil die Staaten in Amerika und Europa und der IWF ihre Goldvorräte verkauften, mit den Einnahmen und mit amerikanischen Staatsanleihen den Banken die faulen Kredite abkauften.

Das einzige, was die Amerikaner noch haben, sind 6 Flugzeugträger und dis sind unterwegs mit 40.000 frommen Kriegern in die Sommerfrische zum persischen Golf. Egal, wie die Sonne strahlt, Herr Joseph, dann wird sich es langsam ausgetrickst haben.

Norbert Nelte
Internationale Sozialisten

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