Statistiklügen: Eine schöne Illusion  wird zur„Realität“

Norbert Nelte - 13.08.13 - Ökonomie

Wir haben gesehen, dass bei der Berechnung der Inflation schon verzerrende Berechnungen angewendet werden, um das Wählervolk im Unklaren zu lassen über die erschreckend hohe Verbraucherinflation.

Erstens wurde seit Juli 2002 mit dem Euro die hedonische Preisberechnung eingeführt. Nach Wikipedia kann alleine dadurch schon die Inflationsrate um 30% niedriger werden und entsprechend ergibt sich eine 30% höhere BIP-Wachstumsrate.

Zum Zweiten, und da ist das Wesntliche, „schließt die Die Kernrate der Inflationdie Preise für Lebensmittel und den Energiesektor aus der Berechnung aus, da diese in stärkerem Maße Schwankungen unterworfen sind, deren Ursachen nicht innerhalb der betrachteten Volkswirtschaft zu finden sind“ (Nach Wikipedia unter Kerninflation). Also gerade die am stärksten steigenden Waren werden aus dem Warenkorb entfernt.

Dann müssen wir ja auch die immer kleineren Verpackungen bei gleichem Preis zur Inflation dazu rechnen.
Es ist richtig, dass die Lebensmittel oft durch Spekulationen teurer werden, aber das erhöht eben auch die Preise, müssen wir Verbraucher ja auch bezahlen und müssten in der gesamten Preissteigerung eben auch dargestellt werden.

Prof. Brachinger errechnete schon im Stern nach dem wirklichen Verbraucherverhalten für 2008 eine Verbraucherinflation von 8,6% und die Geldmenge M3 stieg mit Ausnahme von 2010 fröhlich weiter.

BIP Wirtschaftswachstum
Nach dem Absturz von 2009

Die BIP-Wachstumsraten wurden für 2012 mit tollen +0,7% angegeben. Das galt aber nur für die vorläufigen Zahlen. Das endgültige nominale BIP zu aktuellen Preisen BIP betrug 2.644,20 Euro und wenn ich davon die wirkliche Inflation errechnet aus der Geldmenge M3 von 6,25% abziehe, dann erhalte ich nur real ein BIP von 2.488,66 Euro, 4.01% weniger als das BIP von 2011 über 2.592,60 Euro.

Erläuterungen zu der Tabelle. Es ist klar, dass durch Entfernung der Lebensmittel und der Energie aus dem Warenkorb für die Die Kernrate der Inflation die offiziellen Statistik mit den 1 bis 2% nur eine Fiktion sind. Die wirkliche Inflation bewegt sich stattdessen zwischen 6 bis 8 Prozent.

Das hat auch eine Änderung bei der BIP Steigerung durch die Nominal-Real Rechnung zur Folge.  Der Warenumsatz ist zum Beispiel in 2012 um 2% gestiegen, aber die Preise der Waren auch um durchschnittlich 6,25%, so dass die Waremenge um 4% gefallen ist. Nun kann man normal nicht von der Gelddruckmenge M3 direkt auf die Inflation schließen, da in M3* auch Bankschuldverschreibungen mit einer Laufzeit bis zu zwei Jahren enthalten sind und außerdem manches Geld noch lange im Finanzmarktsektor für die CDS Wetten bis zum nächsten Platzen der Blase gebunden ist. (*M3 (1998: 2239,8 Mrd. DM): M2 plus Anteile an Geldmarktfonds, Repoverbindlichkeiten, Geldmarktpapieren und Bankschuldverschreibungen mit einer Laufzeit bis zu zwei Jahren. Dieses Aggregat steht bei der Geldpolitik des Eurosystems im Vordergrund.)

Aber aufgrund der offensichtlichen  Statistikverfälschung bietet die M3 Rechnung  zumindest eine gute Annäherungsrechnung. Man sieht ja, dass die M3 Rechnung bei „Wissen Abstrakt“ für 2008 eine Verbraucherinflation von 10,9% errechnet, nur 2,3% höher als die Warenkorbrechnung von Prof. Brachinger, was den obigen Abgrenzungsmerkmalen entspricht. Ich habe deshalb die Inflation von „Wissen Abstrakt“ um die 2,3 jedes Jahr gekürzt, da die Warenkorbrechnung von Prof. Brachinger doch genauer ist ohne den obigen Abgrenzungsmerkmalen, aber es gibt leider nur die Zahl der Verbraucherinflation von 2008 von Brachinger, deshalb sind das nur Annäherungswerte, aber immer noch besser als die offiziellen total verfälschten ohne Lebensmittel und Energie.

Jahr

 

BIP nominal zu

jeweiligen Preisen
In Mrd. €

Wirkliche Inflation
M3-BIP  -2,3

BIP real
In Mrd. €

 

BIP real /BIP
nominal Vorjahr

BIP-Steigerung

2007

2.428,50

 

 

 

 

2008

2.473,80

5,90%

2.335.98

0,9619

-3,81%

2009

2.374,50

5,60%

2.227,49

0,9004

-9,96%

2010

2.496,20

-5,27%

2.635,07

1,1097

10,97%

2011

2.592,60

-0,46%

2.604,58

1,0434

4,34%

2012

2.644,20

3,95%

2.543,72

0,9811

-1,89%

 

2008/9 gab es einen starken Wirtschaftseinbruch, der aber mit -9,64% wegen der hohen Inflation von 5,6% höher als die des offiziellen BIP Einbruchs von -4,9% lag. Wir müssen sehen, dass trotz des Wirtschaftseinbruchs noch 3% Geld generiert wird. Im Frühjahr 2009 stellte das Kapital weltweit ihre Investitionen ein. Die Produktionsgüter sanken schneller als die Löhne. Es entstand jetzt im Produktionsmittelsektor der Warenüberschuss, der nicht mehr auf den Konsumsektor übertragen werden konnte, wie vorher der gängige Warenüberschuss des Konsumsektors in den Produktionsmittelsektor immer übertragen wurde. Das weltweite Wirtschaftssystem fuhr praktisch gegen die Wand.
In den beiden Folgejahren kam es dann zu einer Deflation, die immer am Anfang einer massiven Inflation hervorgebracht wird. Sie war in der Regel den hohen Rabatten in der KFZ-Branche bis um die 30% und im Einzelhandel besonders bei den Elektrogeräten geschuldet. Nur so glaubten die Konzernführer, sich noch retten zu können. Die Preise sanken um 5,27%, was in der Tat zu dem BIP-Wachstum von 10,97% führte. Aber ein Gewinn ist jetzt in der Folge mit der Produktion von kleinen Autos kaum noch zu erwarten.

Ab 2012 kam dann die Inflation von 3,95% und die Wirtschaft schrumpfte um 1,89%. Und das alles konnte die Regierung nur mit dem einen Satz schön färben: „Die Kerninflationsrate schließt die Preise für Lebensmittel und den Energiesektor aus der Berechnung aus“

In China spricht man schon vom bevorstehenden Untergang, die Schwellenländer stehen plötzlich am Abgrund, in Japan kriselt es schon seit den 90er Jahren, in den USA gibt es schon seit Nixon Statistiklügen und bei Obama kommt noch einmal eine Lüge für 3% mehr BIP hinzu; damit ergibt sich auch eine niedrigere Schuldenquote, und Europa ist seinem Zusammenbruch näher als der Lösung. Wohin soll Deutschland dann noch hinexportieren?

Spätestens nach den Bundestagswahlen kommen die Schwierigkeiten zutage und es wird kein Halten mehr geben auf dem Weg nach unten. Für 2015 hat das renommierte „Massachusetts Institute of Technology (MIT, Institut für Technologie Massachusetts) eine (private) Technische Hochschule und Universität in Cambridge, Massachusetts“ den weltweiten Rückgang des industriellen Outputs errechnet. Der Weg dorthin fängt, wenn Merkel Glück hat, nach der Wahl an. Wenn sie Pech hat, schon vorher.

Spaß beiseite. Die Menschen verlassen sich natürlich auf die offizielle Statistik und daher klappt auch das Spiel mit den Statistiklügen, da alle es mitspielen. Also, wieder zurück auf Start und so tun, als ob gar nix wär. Is’ was. Früher hätten sie in der Stagflation Faschismus gemacht. Heute machen sie Statistiklügen. Das ist doch besser, oder?
Aber wenn wahrscheinlich in den nächsten zwei Jahren die Finanzblase platzten wird, werden die ganzen Euronen, die im Finanzmark gebunden waren, auf den realen Markt geworfen und dann steigen die Preise auf einen Schlag pro Monat wie jetzt in einem Jahr. Und gleichzeitig läuft noch die Rezession. Wir befinden uns praktisch schon in einer Stagflation.

Staatsschulden
Die offiziellen Staatsschulden Ende 2012 bei 2.544 BIP betrugen 2.075 Mrd. Euro, das sind 81,9% vom BIP. Für Deutschland muss man mindestens aber noch 600 Mrd. Euro für die Schulden für die Bad Banks dazurechnen, 2010 waren die in den öffentlichen Schulden noch enthalten, das wären dann 2.675 Mrd. Euro Schulden = 105,15%. Dabei fehlen aber immer noch die bisher angefallenen Refinanzierungskosten.

Der Professor an der Osnabrücker Hochschule Christian Kröger geht von 300 Prozent aus. Kröger merkt in seinem Artikel auch an, dass 2010 die Staatsschulden um 13% stiegen, nicht nur um 4,5%, wie die Regierung das angab, wie wir es von der Linken Zeitung auch errechneten.

Arbeitslose
Die Arbeitslosen der Bedarfsgemeinschaft (ca. 1,5 Millionen), die Teilnehmer an einer Maßnahme (ca. 1 Millionen) und die 1-Euro-Jobber und Praktikanten (ca. 1 Millionen) sind aus der Arbeitslosenstatistik unter Merkel entfernt worden.
Statt 3 Millionen hätten wir nach alter Statistik also 6,5 Millionen Arbeitslose, 4,9 Millionen Minijobber, ab 2006 rund 2,25 Millionen geringfügig Beschäftigte im Nebenjob und im Nov. 2012 4,334 Millionen Aufstocker. Es ist also immer eine Lüge, wenn die Regierung sagt, „Wir hätten heute 1 Millionen weniger Arbeitslose als unter Rot-Grün“. Statt dessen müsste es heißen, „Wir haben zwar 2 Millionen mehr Arbeitslose aber 3,5 Millionen as der Statistik entfernt, extra nur für Sie, unsre Wähler, haben wir das gemacht, damit Sie nicht so ein Schreck kriegen und unsere brumm, brumm, brummende Wirtschaft mit 1929 vergleichen.

Norbert Nelte
nc-nelteno@netcologne.de
Internationale Sozialisten
Verfolge den Fortgang des Kapitalismuscrashs im Krisenticker.

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