Fixen für den Wirtschafsaufschwung
Dank Opium geht die Wirtschaft nun endlich wieder aufwärts.

Norbert Nelte - 01.04.2014 - Ökonomie

Das ist kein Aprilscherz, sondern bitterer Ernst. Die große Koalition verpasst der deutschen Wirtschaft jetzt den goldenen Schuss, und schon wächst endlich das Bruttoinlandprodukt um wahrscheinlich 3% mehr. Also ihr Dealer, haltet euch ran.

Ab September werden nach Brüsseler Richtlinien auch der geschätzte Drogen- und Zigarettenschmuggel in die Wirtschaftsleistung mit einbezogen. „Insgesamt könnte sich durch solche Tricks das Bruttoinlandsprodukt um 3 % erhöhen, erklärte die Sprecherin des Statistischen Bundesamts.“
(J. Jahnke: Lügen mit Statistik: Die Bundesregierung treibt es immer toller)

Endlich, es sah schon so aus, dass sich dieses Jahrzehnt nicht mehr viel bewegt nach einem Miniwachstum von 0,7% in 2012, 0,4% in 2013 und einer Schrumpfung von -5,0 in 2009  und auch der Schrödertrick von 2002 da nicht mehr viel half.
Schröder hatte 2002 bei der Einführung des Euro für die Berechnung der Inflation einfach nur die Lebensmittel und die Energiekosten ausgeschlossen, also gerade die mit 10 bzw. 12 Prozent am meisten wachsenden Preise. Das führt zwar zu einer durchschnittlich 5 bis 6 Prozent niedriger angegebenen Inflation als die der Wirklichkeit, aber darauf kommt es jetzt wirklich nicht drauf an.

Die Wirklichkeit ist das, was die Leute glauben, und das sind 1,6% Inflation. Das ist die Wahrheit. Das ist genau so mit der Kirche. Es kommt doch überhaupt nicht drauf an, ob es einen Gott gibt und ein Weiterleben  nach dem Tode, sondern auf das, was sich die Menschen gemeinsam ausgemacht haben, wie sie den Verstorbenen gedenken, also was sie gemeinsam glauben. Es ist doch vollkommen egal, ob ich an ein Weiterleben nach dem Tode glaube oder nicht, weil ich sowieso nicht nach dem Tod wieder aufwachen könnte und mir sage, scheiße, es gibt doch kein Leben nach dem Tode. Also kann ich glauben, was ich will.

Und da wir uns jetzt abgemacht haben, dass die Wirtschaft wieder brummt, brummt sie in den Abendnachrichten und in der Einkaufspassage. Somit ist es auch schnurzegal, wenn durch die wirklich höhere Inflation mittels des Deflators ein noch mal viel niedrigeres BIP-Wachstum rauskommt, und zwar BIP zu Vorahrespreisen (BIPx100/100+Inflationsrate) zu BIP Vorjahr.
Also, wer rechnet denn schon so was kompliziertes, dafür ist doch das Statistische Bundesamt da, die Wirtschaft brummt doch, das sieht man doch alleine schon an den Beschäftigungszahlen. Die Beschäftigung in Stunden ist zwar seit 19919 um 6% gefallen, aber doch nur hauptsächlich bei den jungen Leuten, und die wissen davon nichts, dass es früher besser war. Also, was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.

Alles geht aufwärts, selbst die Investitionen. Heiner Flassbeck, ex Chefvolkswirt der UNTAD in Genf, schreibt zwar, dass die Investitionen um 0,8% zurückgingen, aber der gute Mann wusste noch nichts davon, dass jetzt auch die Waffen zu den Investitionen dazu gezählt werden.

Ist doch logisch man. Für 1 Milliarde Euro mehr Waffen sorgen in Afghanistan dafür, dass wirklich mehr Opium angebaut wird und dann für 333 Millionen Euro mehr Opium hier verkauft wird und den BIP erhöhen. Also hat sich die Investition der 1 Milliarde Waffen in drei Jahren amortisiert,  das ist doch eine Superrentabilität. Da brummt die Wirtschaft richtig.

Da müsste die Polizei nur beim Drogen- und Zigarettenschmuggel ein bisschen wegschauen, will sie was für das Bruttosozialprodukt machen. Vielleicht noch ein paar Pubertierende mit gedämpfter Stimme anwerben „Hey, Du, willst du Opium, ich hab original aus Afghanistan, fisch geliefert, beste Qualität. Ich habe auch cleane Spritzen“ Vielleicht können da ja auch die Männer mit den Hüten aushelfen, die haben da mehr Erfahrung.

Und die Arbeitslosigkeit ging zurück. Richtig, zumindest die Statistik. Bei den Bedarfsgemeinschaften hat Merkel 1,5 Millionen aus der Arbeitslosenstatistik raus genommen, bei den in Maßnahmen etwa 1 Millionen und den 1 Eurojobbern, gratis arbeitenden Praktikanten und über 58jährigen zusammen noch einmal eine gute Million, sind zusammen 3,5 Millionen. So haben wir nur nur 3 Millionen Arbeitslose. Es geht doch aufwärts

Auch mit den Schulden. Die Regierung weist nur 81,6% aus. Für die Banken hat man sich zwar auch um mindestens 600 Milliarden verschuldet, so dass die Gesamtverschuldung wahrscheinlich mindestens 125% vom BIP beträgt, der zweithöchsten Schuldenrate in Europa, aber bitte schön, das ist geheim, das dürfen wir gar nicht wissen, das weiß nur die österreichische Zeitung. Also sehe ich nur die 81,6% Schulden

Also, alles geht bergauf. Wir können uns das wenigstens noch eine Weile einbilden, ob dann die Inflation zuerst kommt oder die Wahrheit mit dem BIP Wachstum, nachdem ein Betrieb nach dem anderen insolvent geworden ist trotz brumm, brumm, brummender Wirtschaft, weiß ich nicht, ich kann ja dann aufs Land ziehen, oder kommen da die Vandalen dann hinterher?
Ich glaub, ich bin hier irgendwie im falschen Film.

Captalism isn’t working, immer weniger!
another world is possible.

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