Die Inflation treibt schon über die Ufer

Norbert Nelte - 19.07.13 - Ökonomie

Obwohl die offizielle Preissteigerung im Juni 2013 nur bei schöngerechneten 1,8% liegt, muss einem als Verbraucher angst und bange werden angesichts der enormen Preissteigerungen im Supermarkt. Wenn man für 100 DM vor 20 Jahren noch gut einen ganzen Einkaufswagen voll packen konnte, kriegt man heute für 50 Euro kaum ein Warenkörbchen gefüllt.

Angesichts dieser Explosion der Preise ist der offiziellen Inflationsrate von 1,8% nicht über den Weg zu trauen und in der Tat hat Schröder seit Juli 2002 mit dem Euro die hedonische Preisberechnung eingeführt. 30% niedriger wird dadurch die Inflation und ein entsprechend ergibt sich eine 30% höhere BIP-Wachstumsrate. Aber dazu mehr im nächsten Artikel.

"Das Volk hat nicht geirrt" schrieb schon 2008 Prof. Prachinger im Stern und errechnete eine Verbraucherinflation von 8,6% nach dem wirklichen Verbrauchverhalten aus.

Die Verbraucherzentrale Hamburg stelte eine Liste von Preisvergleiche für 2011 zusammen:
Katzenstreu +124,5%, Odol Mundwasser + 59,6% Vitamintablette +51,6%, Spülmittel +79,2%, Knorr Buchstabensuppe +33,3%, Heinz Barbecue Sauce 59,6%.

In den angelsächsischen Staaten kommt noch die Substitution hinzu und in den USA noch ein  neuer Trick von jedem Präsidenten.

Auf der Seite des Krisentickers über die Inflation sieht man, wie viel Zeitungen und Blogger die offizielle Zahl infrage stellen und sie eher bei 7 oder 8% vermuten.

„Die Kartoffeln sind im Juni 2013 gegenüber Vorjahr um 60% gestiegen, die gesamten Gemüsepreise um 10,4%, alle Lebensmitel um 8,9% und Obst um 9,2%. Die Energie lag um 12% höher und die Mieten in Berlin steigen um bis zu 40 Prozent. Hä, wie kommt da eine offizielle Inflationsrate von 1,8% raus?“

Ganz einfach, lieber Leser, Du musst nur die Abgebrühtheit eines Politikers besitzen. Die haben beschlossen: Die Kernrate der Inflation schließt die Preise für Lebensmittel und den Energiesektor aus der Berechnung aus, da diese in stärkerem Maße Schwankungen unterworfen sind, deren Ursachen nicht innerhalb der betrachteten Volkswirtschaft zu finden sind“ (nach Wikipedia). Schlau, gell? Die rechnen einfach nur die am meisten gestiegenen Waren raus. Der Warenkorb wird willkürlich zusammengesetzt, damit die Lohnabhängigen nicht so viel Lohn fordern. Das ist schon kriminell.

Jetzt brauchen die Bonzen nur noch sagen, dass wir uns die Inflation sowieso alle nur einbilden, deshalb nennen die schlauen Politiker das ja auch „Gefühlte Inflation“. Ich habe noch 1967 im Betriebswirtschaftsstudium gelernt, dass es drei Arten der Inflation gibt, nämlich die allgemeine, die Verbraucherinflation und die der Zulieferer.

Die Verbraucherinflation ist jetzt nur noch gefühlt, reine Einbildung, denn wir haben ja die besonders hohen Preissteigerungen der Verbraucher extra rausgerechnet. Das bildest Du Dir nur ein, das ist halt Dein Bauchgefühl und damit kann man keine Lohnforderung begründen.

Und nicht verwirren lassen: Vor einer Hyperinflation kommt immer erst die Depression.

 


Angesichts der Preissteigerung über 60% bei Kartoffeln hier noch der Tipp zum selber anbauen denn denk immer dran, der revolutionäre Kampf geht nur mit gefüllten Magen.

Kartoffeln im Kübel auf dem Balkon anpflanzen



(Das Bild ist für die Anpflanzung im Müllsack. Entsprechend müssen wir uns das für denn Kübel oder für den Waschzuber umdenken.)

  1. Die gute Erde ist das wichtigste. Mutterboden und Kompost (Lehm oder Pferdemist dazu). Am Besten ist Terra Preta (Im Internet 20 Liter = 10,- €)
  2. Die Sprossen müssen immer nach obebn zeigen
  3. Im Kübel 20 cm anhäufen
  4. Im März aus einer Biokartoffel (Wichtig) Stückchen mit den Keimknollen abschneiden.

und 10 cm Erde darüber füllen. Alle Woche ein Mal gut gießen (Abflussloch nicht vergessen). Wenn die Pflanze 30 cm groß ist, dann 10 cm Erde dazutun bis der Kübel voll ist.
August bis September ernten. Reifezeit der mittelfrühreifen Kartoffelsorten 120-140 Tage. Aus einer Kartoffel können 15 Kartoffeln werden. Gut Pflanz.
Norbert Nelte
nc-nelteno@netcologne.de
o Verfolge den Fortgang des Kapitalismuscrashs im Krisenticker.

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