Der Zinsterror des exponentiellen Wachstums, Richtung Andromeda-Nebel.

Norbert Nelte - 17.01.2015 - Ökonomie

„Wenn das Geld, nach Augier, "mit natürlichen Blutflecken auf einer Backe zur Welt kommt", so das Kapital von Kopf bis Zeh, aus allen Poren, blut- und schmutztriefend …

  1. »Kapital«, sagt der Quarterly Reviewer, »flieht Tumult und Streit und ist ängstlicher Natur. Das ist sehr wahr, aber doch nicht die ganze Wahrheit. Das Kapital hat einen horror vor Abwesenheit von Profit oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden, 20 Prozent, es wird lebhaft, 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens. Wenn Tumult und Streit Profit bringen, wird es sie beide encouragieren. Beweis: Scmuggel und Sklavenhandel.«“

Karl Marx: Kapital 1,  24. Kapitel Sogenannte Ursprüngliche Akkumulation, S. 788

Der Zinsterror des exponentiellen Wachstums ist eigentlich ein Thema, welches wir normal von den kleinbürgerlichen Geldtheoretikern kennen. Sie kennen den tendenziellen Fall der Profitrate von Karl Marx noch nicht, und verorten deshalb die steigenden Schulden der Länder bei dem Geld- und Zinssystem. Sie denken, weil die Zinsen so exponential steigen, sind die Schulden so stark gestiegen.

Diese Haltung ist natürlich total irrig, da jeder exponentielle Wachstumsprozess normal durch einen gegenläufigen exponentiellen Wachstumsprozess behindert wird. Nehmen wir die Zinsen für den verschuldeten Hausbau, Sie werden in normalen Zeiten durch die Tilgung von meinem Lohn gehindert, ins Unendliche zu wachsen. So ist das auch bei den Staatsschulden.

Bis 1973 verliefen die Schulden noch im erträglichen Maß. Ab 1974 dann sank die Wirtschaftssteigung BIP um -0,9% und im Zehnjahresdurchschnitt auf 2,9%, nachdem sie 1954 noch um 12% gestiegen war.

Das Resultat war der massive Anstieg der Staatsverschuldung. 1988 verlangsamte die Verschuldung sich zwar wieder etwas, weil Gerhard Schröder Bundeskanzler wurde und nach Pinochet, Argentinien, Reagan und Thatcher auch hier den Neoliberalismus einführte. Er senkte den Spitzensteuersatz von 53 auf 46 Prozent und führte Hartz VI. ein. Die Arbeitslosenhilfeempfänger mussten also einen großen Teil der Steuergeschenke an die Reichen und die Staatsverschuldung bezahlen.
Aber ab 2008 ging es wieder weiter, dann auch richtig steil in die Höhe, wie eine 70%- Steigerung. Das waren die Gelder für die Bankenrettungen.

Langfristig hat aber der tendenzielle Fall der Profitrate sich noch viel stärker ausgewirkt. Während die durchschnittliche nationale Profitrate im produzierenden Gewerbe noch vor dem 2. Weltkrieg in Deutschland bei 18% lag, liegt sie heute bei Null. Die Konzerne müssen ihre Gewinne aus ihrem Aktienkapital im Rohstoffbereich holen.

Es ist klar, dass da nicht mehr viel für die Schuldentilgung über bleibt. Aber jetzt kommen noch zwei viel schrecklicherer Momente hinzu.

Die Altschulden drücken jetzt schon seit gut 60 Jahren auf die Schuldenlast. Zum ersten ist das ist das die Refinanzierung der alten Staatsanleihen. Bei 10jährigen und die Bankenrettungen, die jetzt ganz offiziell geheim sind und nicht mehr bei den Schulden auftauchen, eben Geheim.

Was uns die exponenentielle Kurve zu schaffen macht, ist das akkumulierte Kapital (siehe gelbe Grafik BIP und Finanzvermögen weltweit). Das Finanzvermögen mit Zinseszinsen wächst exponential, aber das BIP nur linear und die relativen Gewinne aus der Produktion schrumpfen zum investierten Kapital.

Hieraus werden aber die Verzinsungen gestellt. Das ist unser Problem und nicht die Zinsformel an sich, wie ja der Josephspfennig uns zu suggerieren scheint. Das BIP, woraus die Zinsen bezahlt werden müssen, wird immer kleiner gegenüber dem akkumulierten Finanzkapital. Das Weltfinanzkapital entwickelt sich wie der Josephspfennig Richtung Paralellgalaxie, wobei das Weltbruttosozialprodukt in den Sümpfen von Dartmoor verendet.
Anhand der folgenden Grafik „Welt-BIP + Weltvermögen“ der Schweizer Bank Credit Suisse sollte eigentlich jeder Antisozialist oder jeder gute Christ erkennen, es sei denn, er befindet sich Richtung Andomeda-Nebel,  dass es mit dem Kapitalismus zu Ende geht.


BIP
2008 – 62,31,
2009 – 59,06,
2010 - 64,52 ,
2011 - 71,41 ,
2012 - 72,19,
2013 - 74,70,
2014 - 77,61.
http://de.statista.com/statistik/daten/studie/159798/umfrage/entwicklung-des-bip-bruttoinlandsprodunkt-weltweit/

Die Zinsen können wir auch nicht aus unseren Rippen schneiden, was die Reichen schon ganz gut fänden, wenn das ginge, damit die Verzinsung des weltweiten Finanzkapitals bezahlt werden können. Aber wir sehen aus dem letzten und ultimativen Diagramm, (auch Credit Suisse), dass es bei den untersten 68% der Bevölkerung schon nichts mehr zu hohlen gibt.

Die Superreichen müssen schon sich bei den Facharbeitern mit einem Vermögen von10 bis 100tausend  bemühen, um ihre Zinsen einzufahren. Aber ihr wisst, dass das de Revolutionsgefahr für euch ganz gewaltig erhöht. Die gut ausgebildeten Facharbeiter waren in den Revolutionen immer die Avantgarde. Deshalb schlägt doch tatsächlich Soros vor, Europa solle Schulden machen für den Krieg mit Russland. Jetzt werden nur noch so blutige Vorschläge kommen.

Danach bleiben dann nur noch die Studierten mit einem Vermögen über 100.000. Aber die wissen bescheid. Haben wir doch die schönen Diagramme von denen. Aber dann, gell das wisst ihr, wird es um euch geschehen sein, es sei denn, ihr befindet euch tatsächlich Richtung Andromeda-Nebel.

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