Am Ende des Kapitalismus

Norbert Nelte - 1.10.17 - Ökonomie

Karl Marx hat schon vor bald 200 Jahren das Ende des Kapitalismus analysiert
»Die Profitrate, d.h. der verhältnismäßige Kapitalzuwachs ist vor allem wihtig für alle neuen, sich selbständig gruppierenden Kapitalableger. Und sobald die Kapitalbildung ausschließlich in die Hände einiger wenigen, fertigen Großkapitale fiele, für die die Masse des Profits die Rate aufwiegt, wäre überhaupt das belebende Feuer der Produktion erloschen. Sie würde einschlummern.« (Karl Marx, "Das Kapital," Bd. 3, Seite 269)


1850, kurz nach dem Anfang des politischen Kapitalismus, stand die durchschnittliche Profitrate in Polen nach dem Biograph von Rosa Luxemburg Paul Fröhlich noch bei 45%. Nach Ernest Mandel, der zeitweise zusammen mit Michel Pablo ein führendes Mitglied der Vierten Internationale war, fiel sie bis 1898 auf 26,6% und gar bis 1916 auf 16,2%. (Marxistische Wirtschaftstheorie, Ffm 1968, S. 197)

Nach dem US-Marxisten Robert Brenner fiel sie im verarbeitenden Gewerbe in Deutschland 1995 schon auf 3,5%, also unter den Zinssatz des Finanzmarktes. Die großen Konzerne schöpften nach Oskar Lafontaine 90% mit ihren Aktienpaketen, nicht mehr aus der Produktion. Diese Aktien waren aus den Billiglohländern, Rohstoffe, Teakholz, Hedgefonds und Wetten mit Lebensmitteln. 2008 war aber auch damit Schluss. Das belebende Feuer der Produktion im Kapital ist schon im tiefsten Tiefschlaf.

Was aber war der Grund für das Fallen der durchschnittlichen Profitrate? Der Kapitalist befürchtet, dass der Konkurrent ihn in der Wirtschaftlichkeit einholt und dass er dann am Markt keine Chance mehr hat. Deshalb rationalisiert er selber, indem er teurere und leistungsfähige Maschinen anschafft und mehr Ausgaben bei den Arbeitern einspart.

Zuerst geht die Rechnung auch auf. Aber wenn die Konkurrenz auch rationalisiert hat, fällt der Wert der Ware auf die anvisierten niedrigeren Ausgaben und mit ihr fällt die Profitrate.

Der Arbeiter ist die wesentlich einzige Quelle des Mehrwerts, weil er mehr Werte schafft, als er an Lohn für den Kapitalisten kostet. Die Maschinen können das nicht, da sie für die Konkurrenz genau das gleiche kosten. Also, je mehr Arbeiter/innen der Kapitalist entlässt, umso weniger Profite wird er machen.

Am Anfang des Kapitalismus war sein Untergang schon vorprogrammiert, sehr schön. Das heißt aber jetzt nicht, dass wir den Kampf gegen die Sozialkürzungen einstellen können, Nein ganz im Gegenteil sind die Kämpfe gegen die Charité, den Berliner Universitäten oder gegen da französische Loi Travail XXL (etwa  Harz 4) umso wichtiger, denn je kampferfahrener eine Belegschaft ist, umso besser weiß sie, wie sie sich in dem auflösenden Kapitalismus organisieren muss.

Das sehen wir im sich auflösenden Griechenland. Da gibt es schon 40 selbstverwaltete Krankenhäuser. Da konnten die Ärzte nicht zuschauen, wie der Staat immer mehr seinen Pflichten für die Gesundheit der Arbeiterinnen und Arbeiter vernachlässigte. Wir könnten auch im der Barbarei enden, wenn es nirgendwo in der Welt sich eine Gegenwehr entewickeln würde. Aber sie gibt es schon zuhauf (Betriebesetzung - Selbstverwaltete Betriebe)
2008 blieben weltweit aus Mangel an profitablen Anlagemöglichkeiten die Investitionen aus. Sie sanken schneller als die Reallöhne. Nun war keine Übertragung der Überschussproduktion mehr vom Produktionsmittelsektor in den Konsummittelsektor möglich, wie es bisher umgekehrt immer möglich war. Ein Umstand, auf den Rosa Luxemburg in ihrem Buch „Die Akkumulation des Kapitals“ auf S. 287 hingewiesen hatte. Die Wirtschaft fuhr weltweit wie gegen die Wand und die Bruttoinlandsprodukte fielen von Deutschland bis Japan um 5 bis 7%. Die südeuropäischen Länder haben sich bis heute davon noch nicht erholt.

Das war der erste Warnschuss, aber die Staaten und Banken haben ihre Politik seitdem überhaupt nicht geändert. Es werden immer größere Derivatenwetten gemacht, die Weltschulden der Staaten, Banken und Konzerne betragen schon das 10-29fache des Weltbruttoinlandprodukte.

Seit 2008 druckte die EZB jeden Monat 80 Milliarden Euro über die europäische Wertschöpfung hinaus für die schulden der Staaten, Banken und Konzerne für 0%, nur für das Versprechen, dass irgendwann zurückzuzahlen. Das nennt Marx „fiktives“ Kapital, Scheinkapital. Das ganze Kartenhaus wird nur noch zusammengehalten mit Statistikfälschungen, Falschgeld, Propaganda, Lügen und Spielgeld. Dieses Mal wird der Crash 100 mal stärker als 2008, weil vor jeder Blase noch 10 größere gesetzt wurden.


Statistikfälschungen im auslaufenden Kapitalismus

Die Anlageinvestitionen werden schon aufgrund der für das Kapital immer weniger lohnenden Anlagemöglichkeiten. Wie viel genau, kann man nicht sagen, weil jetzt in Europa 1.4.2014 auch die Militärrüstungsausgaben zu den Investitionen gezählt werden. Logisch für das Kapital.
Da sie z.B. 10 neue Bomber „investiert“ haben, können sie im Feindesland alles kaputt schießen um danach wieder fett beim Wiederaufbau mitzuverdienen, so dass sich ihre „Investition“ wieder schnell amortisiert hat. Z.B. Deutsche Wirtschafts Nachrichten: „Investoren aus mehreren Ländern, Syrien: Internationale Messe als Auftakt für den Wiederaufbau“ 12.9.17. Die Millionen Tote und Verkrüppelte sind dann für das Kapital nur bedauerliche Kollateralschaden oder Begleitschaden. Big Business Logik.

Das müssen schon Karl Marx und Friedrich Engels 1848 gewusst haben. Sie fragen im Kommunistischen Manifest: „Wodurch überwindet die Bourgeoisie die Krisen? Einerseits durch die erzwungene Vernichtung einer Masse von Produktivkräften; anderseits durch die Eroberung neuer Märkte und die gründlichere Ausbeutung alter Märkte. Wodurch also? Dadurch, dass sie allseitigere und gewaltigere Krisen vorbereitet und die Mittel, den Krisen vorzubeugen, vermindert.“ (MEW , Band 4, S.468)

Oder die Militärausgaben für Afghanistan haben sich allein schon dadurch amortisiert, weil, seitdem Amerika seit 2001 dort Krieg führt, der Opiumanbau um 300% gestiegen ist. Und der Opiumimport in Europa zählt auch seit 1.4.2014 offiziell zu dem Bruttoinlandsprodukt, so wie die Schmuggelzigarette, die Schwarzarbeit und die Prostitution, bzw generell deren Polizeischätzungen.  Die „Investitionen“ haben sich wirklich prächtig amortisiert, traurig.

Ein anders Beispiel der Statistikfälschungen sind die Preissteigerungen, Erstens werden die ständigen Verpackungsverkleinerungen gar nicht in die Inflationsrate einbezogen.  Verbraucherzentrale Hamburg Preisvergleiche 2011 - Okt. 2012. Dann werden seit Schröder 2002 in die Kerninflation die Energiekosten und ausländischen Lebensmittel nicht mehr miteingereshnet.

„Die Kerninflationsrate schließt die Preise für Lebensmittel und den Energiesektor aus der Berechnung aus, da diese in stärkerem Maße Schwankungen unterworfen sind, deren Ursachen nicht innerhalb der betrachteten Volkswirtschaft zu finden sind.“ (Wiki)

Aber gerade das sind die beiden wichtigsten Posten in der Verbraucherpreissteigerungen. Da stiegen 2012 die Energiekosten um 12% und die der Lebensmittel um 10%. Sonst habe ich z.:B. als berenteter Arbeiter nur noch die Miete. Aber das Statistische Bundesamt meldete Verbraucherinflation 1,9%. Preise steigen im September um 1,8 Prozent 29.7.19

Das hat auch gewaltig auf die Veränderung des Bruttoinlandsproduktes Auswirkung. Das nominale BIP gibt zu aktuellen Marktpreisen an.

Wenn wir aber die Veränderung des BIP berechnen wollen, brauchen wir 2 gleichwertige Werte, wir sprechen vom realen BIP: Nehmen wir z.B. die BIP-Steigerung 2016. Das BIP 2015 zu jeweiligen Preisen betrug 2015 3.043,7. 2016 dann 3.144,1. Die Preissteigerung war 1,9%. Die muss man von 3.144,1 wieder rückrechnen, um die konstanten Preise zu bekommen, also 3.144,1/1,019 = sind 3.085 zu 2015 Preisen. Die Steigung von 3.043,7 auf 3.085 wären müde 1,4%.

Jetzt sind aber die Inflationszahlen schon geschönt, Wenn wir die ausländischen Lebensmittel und die Energiekosten mit einkalkulieren, da sie ja der Verbraucher auch zahlen muss, wären das vielleicht 5% anstatt der 1,9%.

(Exkurs: Diese Frage ist auch bei Tarifverhandlungen wichtig. Man nimmt ja immer die niedrige offizielle Inflationsrate statt der realen durchschnittlich doppelt so hohen  (Siehe Inflation ungeschminkt)

Wenn wir nun die obige Rechnung mit einer Preissteigerung von 5,0% durchrechnen, kommen wir auf ein 3016 BIP zu 2.015 Preisen von 3.144,1 / 1,05 = 2994,4. Das wäre ein Rückgang von 3.041,7 zu 2.994,4 = -1,55%'

Also, statt abends der Herr Kleber immer angeberisch sagt, die Wirtschaft brummt, wir haben wieder um 1,4% zugelegt, hätte er eigentlich kleinlaut eingestehen müssen, wir sind jetzt schon das 2. Mal zurückgegangen, und zwar um 1,55%, schnüff. Das kommt eher hin. So können wir mit Indizien und Beweisen ganze Bücher voll schreiben.

Das MIT Forschungsinstitut der Technische Hochschule und Universität in Cambridge, Massachusetts, der Uni mit den meisten Nobelpreisträgern, prognostiziert ab 2015 einen weltweiten Rückgang der Industrieproduktion um jährlich 3%, so, das sie im Jahre 2100 bei 0% angelangt ist.

Das wäre die Zukunft des Kapitalismus. Die Produktion von irgendwas lohnt sich auf Grund des hohen Roboteranteils nicht mehr, denn, Roboter kaufen keine Roboter Dieses wird unbeabsichtigt bestätigt durch das deutsche Statistische Bundesamt. Dort ist das Diagramm des Wirtschaftswachstums mit den 10 Jahres Durchschnitten bis 2009.


Als es 2010 online veröffentlicht wurde, war es mitten im Jahr plötzlich wieder offline, auch 317 Milliarden Euro Zahlungen an die Banken waren plötzlich weg. Seither stimmt dort nichts mehr. Schäuble hat wahrscheinlich den Direktor in Pension geschickt. Wenn Du an der Schule Statistik hattest, dann weit Du, dass man nur eine Trendkurve an den roten 10 Jahres Durchschnittslinien anlegen musst und verlängern und schon wissen wir, wo die Reise mit dem Kapital hingeht, ins nirgendwo. denn Maschinen kaufen keine Maschinen, noch nicht mal ein Marmeladenbrotchen.


So kann man auch den gleichen Beweis führen mit der organischen und technischen Zusammensetzung des Kapitals S. 42 und mit Rosa Luxemburgs Versopfung der Märkte.

Juan Chingo von Révoution Permamente schreibt in dem Artikel „Wird die Deutsche Bank zur europäischen Lehman Brothers?“ „Das findet in einer Situation statt, in der die Blase des fiktiven Kapitals zu platzen beginnt, wie es die enorme Entwertung an der Börse zeigt, die seit Beginn des Jahres stattfand“

Auch die unabhängige Börsenanalysten bestätigen das. Egon von Greyerz: Die Welt ist am Ende 3.4.17, John Embry: Das katastrophale Endspiel kommt rapide auf uns zu 11.4.17, Doug Casey on the End of Western Civilization 5.5.17, John Embry: Die Risse im weltweiten Finanzsystem zeigen sich überall 16.5.17 11, Finanzielle Massenvernichtungswaffen“ und die Zerstörung des weltweiten Finanzsystems 15.5.17 12, Interview mit Marc Friedrich & Matthias Weik "Die nächste Krise wird 2008 wie einen Kindergeburtstag aussehen lassen" 27.5.17 13m, John Embry: Weltweite Geld- und Kreditschöpfung – Auf dem Weg in einen entsetzlichen Zusammenbruch 1.6.17 14, Jim Rogers: Der nächste Crash wird "der größte, den ich je erlebt habe" 12.6.17 15, Eine Krise historischen Ausmaßes 26.7.17 18, Manager Magazin: 10 Jahre nach Beginn der Finanzkrise Vor dem nächsten Großbrand 28.7.17 19, Ein Tv-Kanal in der USA meldet lt Sputnik, Ende der Welt. 22.9.17

Die Herrschaften können sich einfach nicht vorstellen, dass die Arbeiter/innenklasse das Wirtschaften viel besser machen kann als die Kapitalisten. Der kommende Crash wird die Betriebsbesetzungen in Argentinien, Griechenland, Frankreich und überall mehrfach beschleunigen, so dass schon in den 2020 Jahren die ersten Doppelherrschaften vum bürgerlichem Parlament und  Arbeiterräte entstehen werden. Wir schreiben bald das Jahr Null, weil wir endlich aus der Vorgeschichte in die Geschichte der Menschheit eintreten werden.

Norbert Nelte
Internationale Sozialisten

Home

http://besucherzaehler-counter.de