Burt, der Schwertkämpfer aus der Kanalisation von Las Vegas zieht wegen eines Jobs nach Argentinien und lernt Solidarität

Norbert Nelte - 08.05.2017 - Ökonomie

Mit 10.000 Menschen wohnt Swort-Burt in den Tunneln von Las Vergas. Er sucht einen besseren Platz für seine Kartoffeln, weil er bei seinem jetzigen das letzte Mal überfallen wurde. Sein Freund Ronald in der Oberstadt riet ihm ab in den Ruinen der Pueblo Indianer im Canyon zu leben, da würden schon zu viele Touristen und Park Ranger das verhindern.

Aber Ron erzählte von Detroit. Da wohnen ganze Gruppen in den Bauruinen und halten sich einen Garten dazwischen. Das fand Burt phänomenal, packte seine Kartoffeln für unterwegs und sein Schwert ein und machte sich zur Autobahn auf. Nun folgen wir Burts Reisebericht:

„Ich schwitze wie eine Dampfmaschine und gerade heue sind fast Autos mit Kind, Kegel und dem ganzen Hausrat unterwegs. Wohl auch rausgeflogen aus ihren Häuser. Die haben es noch am besten, von uns Obdachlosen. Wir haben es auch noch ganz gut mit unserer Kanalisation. Aber 12 Millionen wohnen schon in den Zeltstädten. Ich freu mich schon auf Detroit.

Aber da schießen die Gangsterbanden Tontaubenschießen auf die Passanten, in den Bezirken, wo die  Bullen sich nicht mehr hingetrauen. Echt gefährlich, aber ich habe dafür extra mein Schwert mitgenommen. Ah, da hält schon einer und winkt mir


2 Tage später. 17.8.2005: Der Bursche hat mich doch is Ohio mitgenommen, echt cool. Ich bin 2 Stunden später in Detroit angekommen und fand gleich ne prima Truppd, denen ich mich angeschlossen habe. Da, im 3. Stock von dem hinteren Haus haben Joe, Gretchen, Joan, Jimmy, Bob und Pedro sich das gemütlich gemacht und gleich daneben mitten in diese morbide  Landschaft Kartoffeln, Tomaten und Bohnen angepflanzt. Echt Luxus, und sogar ein alter Brunnen ist im Garten. Aber schade, in 3 Tagen, am Samstag, will Pedro schon nach Argentinien fliegen, er hat dorrt einen Job in einer selbstverwalteten Kachelfabrik bekommen, Fasinpat nennt sich die, Fabrik ohne Boss, Na, wenn das funktioniert.

Gestern war ich in der Stadt. Der Kaffeehauskellnerin  Chana erzählte mir, dass die Stadt einmal 1,9 Millionen Einwohner hatte und jetzt wohnen da nur noch 900.000, 80% Schwarze,  wie meine Wohnkumpels. Aber beim Rückweg sollte ich mich vor den Gangstern vorsehen. Ich deutete auf mein Schwert, wobei sie sagte, das wird Dir auch nicht helfen.

Der Rückweg war doch ganz schön haarig, die Kugeln pfiffen mir um den Kopf, ist das jeden Tag hier so? Ich glaube, ich flieg besser mit Pedro mit. Fasinpat hat noch paar Jobs. Ja, das passte alles, Flugkarte habe ich noch bekommen, habe ich mir von Pedro geliehen. „Dein Schwert lässt Du besser hier“, meinte Pedro „Das brauchst Du da nicht mehr. „Du siehst aus wie ein Latino. Wir geben Dich als Argentinier in der 3. Generation aus, der kein Spanisch mehr kann. Du heißt ab jetzt Alfredo. Das hilft vielleicht bei dem Job.

Also, ich bin jetzt der Alfredo. Mit Pedro Kam auch seine Freundin mit und ihre Schwester. Das ist ja die Kaffeehauskellnerin Chana. Wir haben alle herzlich darüber gelacht, wie klein Detroit jetzt ist. Ich erzählte noch von der Kanalisation in Las Vegas und Chana von den schlimmen Erlebnissen in China. Wir verabredeten uns noch für den nächsten Samstag zum Tango tanzen lernen, da war der Flieger schon in Buenos Aires. Jetzt nach den Anschlussflug nach Neuquen, mit einer Viertel Millionen Einwohner die größte Stadt in Pataginien. Zum Schuss haben Chana und ich uns ineinander verliebt und alles Weitere ist nichts für das Tagebuch.

 

Den Job bei Fasinpat habe ich noch bekommen, in der Verpackung. Die waren nur 300 nach der Besetzung 2001. Nachdem die Selbstverwaltung gerichtlich anerkannt wurde, wollen sie noch 170 einstellen. Das scheint ja doch zu klappen.

„Fühl Dich wie zu Hause. Wir können das sagen, denn die Firma gehört jetzt uns“, empfing mich Adolfo. Er sitzt dort mit im Sprecherrat und war bei der Besetzung auch im Streikrat. „60.000 Kollegen arbeiten jetzt schon in den selbst verwalteten Betrieben. Jede Woche haben wir Betriebsversammlung, am Montag, vergiss das bitte nicht. Die Firma gehört jetzt auch Dir.“

Ich genoss abends bei einem Spaziergang durch die City die Abendsonne. Ich fühle mich in einem fremden Land das erste Mal in meinem Leben ganz wie zu Hause. Ich bin jetzt nicht nur Fabrikbesitzer, die ganzc Stadt gehört mir, das ganze Land, die ganze Welt - mein Patagonien. Das hier ist eine vollkommen andere Welt. Ich fühl mich wie neugeboren. Die kämpfen hier echt gemeinsam für ein gutes Leben, nicht mehr einzeln, wie ich in Amerika mitt meinem Schwert. Gu5t, dass ich jetzt hier zu Hause bin.

Am Montag war Betriebsversammlung. Wir haben die heute im Hof gemacht. Raul, der  1. Vorsitzende vom Sprecherrat trug erst mal vor, was alles demnächst politisch ansteht für die Firma. Dabei ging es um eine große Demonstration für die Anerkennung der Selbstverwaltung der Druckerei Donnelley. Dann natürlich der Generalstreik gegen die Strom und Gaserhöhung des Präsidenten Mauricio Macris. Jeder einzelne Punkt wurde abgestimmt, ob wir da mitmachen. Demos, bin ich natürlich dabei.

Dann sprach Adolfo über den Ofen für die Keramik, der muss in Reparatur, das kostet vielleicht 30.000 Peso. Bei jeder Diskussion wird abgestimmt und der Sprecherrat muss sich daran halten. Es gab noch eine lange Diskussion um die Lohnfrage. Hier verdienen alle das Gleiche, von den Putzleuten bis zum Sprecherrat in allen selbstverwalteten Betrieben und es stellte sich die Frage, ob man nicht besser wegen der Riesenbetriebe mit 5.000 Kollegen auf gleiches Geld für gleiche Arbeit umstellen soll, wobei der Unterschied nur von 80% bis 120% gehen soll, mehr nicht.

Zurück in der Verpackung ging ich noch mal wegen dem Gewerkschaftsbeitritt nach nebenan in die Qualitätskontrolle, wo Adolfo arbeitet. Der erzählte mir noch, „dass er am Anfang das schwer fand, ohne Chef zu arbeiten. Mit der Zeit aber, merkst Du, dass Du selber das Fachwissen hast, Du Selber bist der Chef. Sobald Du merkst, dass eigentlich Du selber viel besser entscheiden kannst, wird man kreativ und alles wird viel einfacher.“
Die Arbeit im der Verpackung machte mir gleich doppelt so viel Spaß und alles ging wie von alleine. Ich kannte bisher nur die Welt des Verfalls und nun bin ich in der Welt des kollektiven Aufbaus.

1.5.2025

Jetzt bin ich schon 10 Jahre hier in der Brennerei. Ich bin inzwischen auch im Sprecherrat.
Die Kollegen haben inzwischen gemerkt, dass ich ein waschechter Ami bin, aber ich heiße doch weiterhin Alfredo, darum hatte ich gebeten.

Die Wirtschaft verfällt immer mehr und die Regierung lässt immer mehr Aufgaben schleifen. Die Koordination vertritt jetzt schon 12 Millionen Kollegen. Sie hat daher immer mehr staatliche Aufgaben übernommen, bis hin zu Polizeiaufgaben. Sie kontrolliert die Preise und die Mieten. Es wird allgemein schon von Doppelherrschaft gesprochen. Das ist schon fasst ganz Südamerika so.

Ich selber habe jetzt die Arbeitsgruppe für die Soldaten übernommen, weil der Kollege Raul, der das bisher machte, einen Unfall hatte. Es haben sich bereits 60.000 Soldaten (von 100.000) bei uns gemeldet, die höheren Sold fordern und ihre Offiziere auch wie bei uns wählen wollen. Sie haben auch schon Gruppen, bei denen sie ihre Vertretungen wählen. Die Offiziere  haben es schon aufgeben zu putschen: Ein Offizier sagte Journalisten schon am 2.12.01 „Auch wenn die Situation sich zur Anarchie oder zum Bürgerkrieg entwickelt, wird meine größte Sorge sein, wenn ich gebeten werde zu intervenieren, dass meine Männer meinem Befehl noch gehorchen.“(Chris Harman: Die Revolte in Argentinien und die globale Krise 2002). Das ist jetzt erst recht so.

Ich muss deshalb demnächst in die Hauptstadt ziehen. Unser Raul Godoy ist auch schon da. Wir schauen noch eine Weile zu, wie die Regierung zerfällt, und dann gibt es soviel Druck von den Soldaten und den Kollegen, dass die Koordination das machen soll unter Vorsitz von Raul. Der wird in allen Räten genug Stimmen bekommen. Er wird doch in ganz Argentinien gefeiert wie ein Popstar. Die Koordination hat sich schon umbenannt in Arbeiter- und Soldatenrat.

Chana ist schon in Buenos Aires und Vorsitzende in der Arbeitsgruppe Familie. Sie sagt, dass wir uns Gedanken über die Familienform machen müssen. In der jetzigen isolierten Kleinehe sind die Kinder bei Trennungen der Eltern oft traumatisiert. Besser wäre so ein matrilineares Modell wie bei den Mosuo Chinesen.

Hier wird eine Frau als Familienoberhaupt gewählt. Dort gibt es keine feste Ehe, sondern die Mosuos nennen es Wanderehe. Der Liebhaber kommt nur nachts, bleibt nicht zum Essen und ist auch nicht der Vater seiner Kinder. https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11114183

Stattdessen übernehmen die Brüder der Familienoberhäuptin die Vaterrolle. Alle Schwestern und Brüder bleiben in dem großen Haus wohnen und alle Kinder, also auch die Cousins und Cousinen nennen alle Tanten und Onkels Vater und  Mutter. Wenn sie alt sind, werden sie von denen versorgt.

Das gleiche Modell kennen wir auch von den Irokesen. (Lewis Henry) Morgan (1818-1881), der sein Leben großenteils unter den noch jetzt im Staat New York ansässigen Irokesen zugebracht und in einen ihrer Stämme (den der Senekas) adoptiert worden war, beschreibt praktisch die gleichen Familiernn5veruätnnisse. Nur die Brüder nennen die Kinder der anderen Nichten und Neffen. Die Schwestern aber nicht. Sie heißen alle Mutter und die Kinder alle K8nder.

Hier waren die Weißen aber schon 300 Jahre vor Morgan da, das alte System war praktisch schon verwässert. Es gibt noch 1.300 Völker, die in abgewandelter Form nach dem matrilinearem System leben. Nach den  Marxisten haben in der Jungsteinzeit alle Völker nach dieser Familienform gelebt. Ich finde das auch logisch, nachdem das bet immer mehr alten Völker4n entdeckt wird, auch bei Kelten.

Chana meinte, diese Familie der Mosuo bleibt immer zusammen und die Kinder haben viele Eltern, die ihnen viele Fächer neben der Schule lehren können. Die zeitweise Paarungsehe kann aber auch das ganze Leben halten. Nur wenn die Frau das nicht mehr will, sagt sieo ihm, er braucht nicht mehr wiederkommen. Umgekehrt natürlich auch.
„Wir könnten uns vorstellen“, schrieb Chana in der Buenos Aires Post,

„dass wir Großfamilien haben nach Freundschaften oder Berufskollegen, die lange zusammenleben. Die Paare können dabei auch zusammen leben, aber trotzdem jederzeit auseinander gehen. Die Wohngemeinschaft bleibt aber lange zusammen und alle WG-Genossen sind dann die Väter  und Mütter aller Kinder. Wichtig für die Kinder ist nur, dass die zentralen Bewohner der WG lange zusammen bleiben, dass die Kinder feste Bezugspersonen haben. So haben die Kinder viele Lehrmeister außerhalb der Schule und es ist nicht so traumatisch für sie, wenn die Eltern auseinander gehen."

Der Artikel hängt jetzt bei uns über dem Schreibtisch in Buenos Aires auf der Pinwand. Wir haben dort in einer Groß WG von Selbstverwalteten Betrieben 2 Zimmer mit Kochnische gefunden, aber die Mahlzeiten sind gemeinsam in einem großen Speisesaal.

In Brasilien kocht die Bewegung auch schon ganz schön über. Wir haben Kontakt mit den selbst verwalteten dort (2017 waren da auch schon über 100 Betriebe ohne Boss, heute 13.000),, mit Uruguay, Paraguay und Bolivien. Wir haben mit allen schon vereinbart, dass wir wie bei Lenin 1922 so bald wie möglich, nachdem die Koordinationen bzw. die Arbeiterräte die Verantwortung übernommen haben, uns zu einem Land zusammenschließen und dann auch Übersee wie Frankreich oder Griechenland aufnehmen werden.“

Hier endet der Bericht von Alfredo. Wir sind alle gespannt, ob die Kollegen dort das endlich durchsetzen können, wovon wir alle träumen, Basisdemokratie in der Arbeiterräterepublik.

Norbert Nelte
Internationale Sozialisten

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