Wirtschaftsschrumpfung hält an

Norbert Nelte - 13.10.2008 - Ökonomie

Das BIP (Bruttoinlandsprodukt) ist weiter von -6,7% auf -7,1% gegenüber Vorjahr nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gefallen. Das sind noch einmal 0,4% weniger als im Vorquartal. Dieser starke Fall scheint sich zu verfestigen. Es ist damit zu rechnen, da im 3. Quartal die Abwrackprämie wegfallen wird, dass die Wirtschaft dann noch weiter absacken wird und es müsste eine positive Überraschung für die deutschen Marktwirtschaftler sein, wenn sie am Jahresende nur um 7% fallen wird. Das hieße aber, dass der Index dann gegenüber Vorquartal wie in diesem Quartal auch nicht mehr groß fallen dürfte, womit eher nicht zu rechnen ist.

Seit den 1980er Jahren ist man jährliche Wirtschaftswachstüme von 2% gewohnt, aber damit scheint jetzt Schluss zu sein. Landauf, Landab freut man sich, den Absturz bei 7% erstmal gestoppt zu haben. Wenn wir das beibehalten können, werden wir erst in 13 (100/7-1) weiteren Jahren jede Wirtschaftstätigkeit innerhalb der offiziellen Statistik einstellen müssen und den Lebensunterhalt im privaten Bereich ermöglichen müssen, beispielsweise im Garten mit Selbstschussanlage.
Das segensreiche Statistische Bundesamt hat natürlich für die geplagte Nation, die noch dazu im Wahlkampf steht. Ein kleines Hintertürchen aufgelassen, damit sie sich nicht gar so trübe Gedanken machen muss in dem Haus der Freuden. Das Amt hat festgestellt, dass umgerechnet auf die Arbeitstage das BIP nicht um 0,4% gesunken ist, sondern kalenderbereinigt um sagenhafte 0,3% gegenüber dem tiefen Vorquartal gestiegen ist. Die Miete, meine Grundgebühren oder die Monatskarte zahle ich aber nicht pro Tag, sondern pro Monat, aber was soll’s. Schon jubelte die kollektive Traumanstalt, Der Spiegel titelte gar, der Boom hat aber die Arbeitslosen nicht erfasst. Die Nachrichtensender sehen das Ende der Krise erreicht, Leute, ihr könnt wieder kaufen, kauft, steigert das Bruttosozialprodukt. Nur der Export und die Investitionen sind ja Entscheidend.

Alles jubelte über die Null zum Vorquartal, nur sie sagt aus, dass immer noch der Fall von 7% steht. Niemand rechnet doch damit, dass wir jeden Monat gegenüber Vormonat um 7% fallen, dann wären wir ja in einem Jahr ja schon bei Null Wirtschafttätigkeit. Die Zahl zum Vorquartal sagt also wenig aus, dennoch hat aber selbst die Junge Welt sich auf die +0,3 bezogen, aber sie betont auch, dass damit der Absturz nur gestoppt sei. Aber selbst das ist ungenau. Natürlich verläuft keine Verlaufskurve linear. Wenn am Jahresende z.B. eine +2 steht, dann verläuft sie in Zick-Zacks dahin, mal ist sie über der 2 und mal unter ihr, je nach Urlaubs- oder Weihnachtszeit, sie pendelt sich auf 2 ein. Vor dem Urlaub pflegen die Unternehmen ihre aufgeschobenen Investitionsbestellungen abzuarbeiten, und da ist eben die Unterscheidung in mit und ohne Rücktrittsrecht wichtig. Es bleibt somit immer nur eine Hoffnung, dass die Wirtschaft sich erst mal auf niedrigem Niveau einpendelt und dann haben wir noch das unterschiedliche saisonale Verhalten. Letztlich kann man nur sagen, dass sich der starke Fall um 7% zu bestätigen scheint.-

„Ist die Krise nun vorbei? Diese Frage kann kein Mensch seriös beantworten“ behaupte die JW. Wir haben aber mit dem Gesetz des „Pointes of no Return“ bewiesen, dass es kein zurück aus der Krise gibt, und das ganz seriös mit Marxscher Methodik.

Die durchschnittliche Profitrate in der Produktion ist schon fast bei Null und die Grenze des Marktes ist mit der Kapitalisierung von China erreicht.

In unserem Buch „Rosa Luxemburg, die Grenzen des Marktes und die Todeszuckungen des Kapitalismus.“ zeigen wir mit komplizierten Marxschen Berechnungen zur erweiterten Produktion bei dem Produktionsmittel- (1) und Konsumsektor (2), dass bei einem weltweit stärkeren Fall des 1. Sektors als des 2. der Überschuss dann im 1. Sektor stattfindet und dann kein Übertrag bzw. keine Kompensierung mehr stattfindet. Der Opel-Fahrer steigt auf den rumänischen Renault um und landet letztlich über Motorroller und Fahrrad auf Schusters Rappen.
Bei einem Wirtschaftsaufschwung müssten die Konzernchefs wie Münchhausen sich an den eigenen Haaren aus dem Wasser ziehen. Gerade haben wir in der LZ gelesen, dass selbst der Vertreter der Linkspartei  eine Kürzung der Löhne um 17/5 als eine „akzeptable Lösung" empfindet. Wie soll es da wieder aufwärts gehen, wo die Löhne sich im Abwärtsstrudel befinden, und wer soll dann noch Opel kaufen?

Kollegen, verlasst Euch nicht mehr auf die von und zu Gutenbergs oder Berthold Hubers, sondern packt eure Sache selber an,

Die Befreiung der Arbeiter kann nur das Werk der Arbeiter selber sein.

Norbert Nelte
Internationale Sozialisten

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