Der „Ökonomische Dschihad“-Schwindel des Spiegels

Norbert Nelte - 05.09.11 - Krieg

10 Jahre nach dem 11.9. haben die USA sich in Afghanistan festgesetzt. Damit ist nun China von dort sowie Japan, Korea und Taiwan aus eingekreist und in die Zange genommen worden. Die Politiker des Weltkapitals konnten den Neokolonialismus inzwischen zum Normalfall werden lassen und die Bevölkerungen aller Länder sehen entsetzt, ohnmächtig und paralysiert auf die Mordlust ihrer Repräsentanten.

Nun kann man einen Schritt weiter gehen, denken die Kapitalvertreter und senden ihre Propagandisten an die Front.

Die Zusammensetzung des Kapitals hat schon mit 93% Kapitalanteil in den Warenwerten der Industrie nahezu ihren Höhepunkt erreicht. Da die Arbeit die wesentliche Quelle des Mehrwertes ist, ist die Profitrate in der Produktion schon weit unter den Finanzmarktzinssatz gefallen, sie tendiert praktisch gegen Null. Wir wissen, Autos kaufen keine Autos. Die Konzerne können ihre Gewinne nur mit ihren Finanzpapieren aufbessern, die schon 90% ihrer Renditen ausmachen. Gleichzeitig ist nicht zufällig der Markt nach China derart verengt, dass er kaum noch nach außen ausgeweitet werden kann.

 „Wodurch überwindet die Bourgeoisie die[Überproduktions]-Krisen?“fragen Karl Marx und Friedrich Engels im Kommunistisches Manifest„Einerseits durch die erzwungene Vernichtung einer Masse von Produktivkräften; anderseits durch die Eroberung neuer Märkte und die gründlichere Ausbeutung alter Märkte."

(Karl Marx und Friedrich Engels im "Kommunistisches Manifest" (S. 19)

Aber was macht das Kapital? Es ist nicht die fallende Rendite oder der verengte Markt an der Absatzstockung schuld, nein, nein, neue Märkte hätte man auch gar nicht mehr; Dafür hat das Kapital doch einen Feind [geschaffen], den man bei Bedarf wie eine Buhmann-Marionette aus der Kiste holen kann: die El Kaida.

Ulrich Schäfer, Ressortleiter bei der Süddeutschen Zeitung, vorher Spiegel  und Autor des Propaganda-Buches: „Der Angriff. Wie der islamistische Terror unseren Wohlstand sprengt“ entwickelt in seinem Essay im Print-Spiegel Nr 32/2011 S. 74 „Ökonomische Dschihad. Wie der islamistische Terror die westliche Wirtschaft sprengt“ die Propaganda, dass Al Kaida in Amerika und in Europa die Wirtschaft mit ihrem Terror empfindlich traf,  dass sie sogar die Hauptschuld an der ganzen Finanzkrise tragen würde. Der Spiegel hat auch diesen Print-Artikel in das Internet gesetzt, das macht er nur selten. Wahrscheinlich hat er damit etwas Besonderes vor.

Der Artikel fängt schon sehr seltsam an: „Was der junge Mann“ aus Hamburg natürlich den Ermittlern erzählt, „klingt bedrohlich“ Also, diesmal ist es ein junger Mann, kein Mohammed, Ismael oder Ata, nein, einfach ein junger Mann, der „mehrere Monate in einem Ausbildungslager von al-Qaida in Pakistan verbracht hat“. Nun, dann wird normal schon ein Riesenwirbel gemacht, Gerichtsverfahren, mehrere Jahre Gefängnis und Vor- und Zuname hier nichts, keine Festsetzung, kein Name, kein Staatsanwalt, kein Garnichts, eben nur ein junger Mann oder war das vielleicht ein Undercover, bei dem macht man auch kein Gerichtsverfahren? Das klingt schon ziemlich toll.

Dieser „junge Mann“ jedenfalls soll gesagt haben: "Das, was wir im Kopf haben, da kommt nicht einmal der Teufel drauf", soll er gesagt haben.“ Schäfer zitiert also nicht vom Protokoll, es gibt gar kein Protokoll, er zitiert vom Hörensagen, vom Weitersagen, von wem hat er das gehört, kein Wortl.

„Durch die Attacken von New York und Washington haben die Terroristen einen Prozess mit in Gang gesetzt, an dessen Ende die heutige Krise steht. Sie haben die Industriestaaten dazu gebracht, ihre Wirtschaft durch eine Flut von Sicherheitsauflagen und Kontrollen zu lähmen. Sie haben die USA, aber auch den Rest der westlichen Welt zu einer waghalsigen Politik genötigt, die den Keim für die Wirtschafts- und Finanzkrise barg. Zwischen dem 11. September 2001 und der Lehman-Pleite am 15. September 2008 lassen sich dabei drei Verbindungslinien ausmachen - drei Ketten von Ereignissen, die fundamental waren für die Entwicklung der Weltwirtschaft und den Zusammenbruch der Finanzmärkte.“

Diese drei Verbindungslinien wären nach Schäfer

1. Das ist die Politik des leichten Geldes,
2. Das ist das teure Öl.
3. Politik der hemmungslosen Verschuldung

Also die Amerikaner haben wegen der Anschläge am 11.9. dann auf Pump gelebt, vorher nicht. Schwups, hatten sie ab 11.9. praktisch 15 Kreditkarten in ihrem Portemonnaie gehabt.

„Nach den Attacken von New York und Washington nahm sie Kredite ohne Unterlass auf, um den Krieg gegen den Terror bezahlen zu können:“ dichtet sich Schäfer zusammen. Aber Amerika hat 14,6 Billionen Dollar Schulden und 1,2 verschlangen „nur“ die Kriege im Irak und Afghanistan. Es steht noch der Bankenrettungsplan TARP der US-Regierung mit 23,7 Billionen Dollar aus. (LeMondediplomatique, S 50). Das sind nur die Bankenrettungen. Was wird davon von den Banken überhaupt zurück bezahlt. Das meiste Geld muss sowieso der Staat noch zahlen. Da haben also die Banken Millionen Hypotheken-Kredite an Kunden gegeben, die das gar nicht zurückzahlen können, nur wegen der El Kaida, oje, und vor dem 11.9. habe die Banken doch auch ihre Kredite doch auch leichtsinnig vergeben, auch wegen El Kaida?

In Deutschland schreibt das Statistische Bundesamt Deutschland:
Wesentlich zum Anstieg beigetragen haben die im Jahr 2010 neu gegründeten (beziehungsweise in Geschäftsbetrieb gegangenen) „Bad Banks“. Die Übertragung von Risikopapieren der Hypo Real Estate in die FMS Wertmanagement sowie die Stützungsmaßnahmen der Ersten Abwicklungsanstalt für die WestLB erhöhten den Schuldenstand zum Jahresende um 232,2 Milliarden Euro.“

Aber der Schäfer weiß das besser, die 232 Mrd. haben die HRE und WestLB nur aufgenommen wegen der Buben, genannt Kölner Kofferbomber und der Sauerland Bande. Das ist absolut absurd. Hat der Schäfer das ganze vielleicht mit dem Kölner Karneval verwechselt?

Die weiteren größten Schuldner außer den USA und Deutschland sind Japan mit 9,8 Bio. Euro, Italien mit 1,8 Bio. Euro, Brasilien mit 1,8 Bio. Euro und Frankreich mit 1,6 und in allen diesen Ländern gab es so schrecklich viele El-Kaida Überfälle, dass die armen Politiker sich nicht anders zu helfen wussten, als sch in überdimensionale Schulden zu stürzen. Hilfe, in all diesen Ländern gab es noch keinen so genannten El-Kaida Überfall, dass mancher von deren Bevölkerung dort gar nicht weiß, was El-Kaida ist, das hört sich so orientalisch an, ist das ein Bauchtanz oder was zu Essen?

Das alles ist so abstrus, an den Haaren herbeigezogen, dass niemand sich vorstellen kann, wie ein Wirtschaftsjournalist, der doch die Faktenlage etwas mehr kennt, der schon mehrere Bücher über die Wirtschaft geschrieben hat, noch dazu Ressortleiter bei der SZ ist, wie der so einen Unsinn zusammen schreiben kann.
Vielmehr kommt die Vermutung hoch, dass der Staat sich auf seinen unumstößlichen Untergang vorbereitet, dafür einen schwarzen Peter aufbaut und einen Schreiberling dafür gesucht hat. Vielleicht hat ja auch Ulrich Schäfer den Auftrag für das Buch von der Bertelsmann-Stiftung oder direkt vom BND bekommen, er wäre ja nicht der erste Auftragsschreiber.

Schäfer weiß sehr wohl, wovon er spricht. In dem Artikel der SZ Bundesbank Schützenfest geht er schon kritisch mit Sarrazin um: „Eigentlich darf sich über Thilo Sarrazin und sein unsägliches Interview, in dem er die in Berlin lebenden Ausländer beschimpft und beleidigt hat, niemand wundern.“ Schäfer ist sicher kein Rassist.
Aber als Öffentlichkeitsarbeiter weiß er auch, welche Wirkung sein Buch in der Öffentlichkeit haben wird. Von Kleinbürgern fällt schon öfters die Äußerung, dass die Moslems schuld an der Finanzkrise wären. Es wird gar nicht mehr unterschieden zwischen „moslemischer Terroristen“, Fundamentalisten oder liberaler Moslems. Sarrazin hatte in der Öffentlichkeit eine Zustimmung von 80%, da wurde alles durcheinander gerührt, aber die Mehrheit durchschaute das nicht.

Nach dem 11.9. urteilten manche Menschen in meinem Umfeld, die Moslems seien doch aggressiver als die Christen. Ich konnte das mit Saladin, der alle Christen bei der Eroberung Jerusalems hat leben lassen und König Löwenherz, der alle 3.000 Moslems hat umbringen lassen oder anderer Beispiele nicht wieder aus ihren Köpfen raus bringen. Die Hetze gegen die Moslems lief vom Staat immer weiter. In einer Diskussionssendung im Bayrischen Rundfunk ein Jahr nach dem 11.9. behauptete ein Pressesprecher eines evangelischen Gremiums sogar, dass alle Kopftuchträgerinnen für den Dschihad wären. Es wurde kein Unterschied mehr gemacht zwischen traditionellen Moslems und Gewalttätern. Sarrazin war nur der Zauberlehrling, den der Staat gerufen hat und jetzt nicht mehr los wurde.

Schäfer kennt die Gefahr sehr wohl, die von seinen gewagten unrealistischen Behauptungen ausgehen und gerade, weil er kein Rassist ist, muss wahrscheinlich der Anstoß für sein Buch von außen gekommen sein.
Wenn die Finanzkrise noch weiter voran geschritten ist, wird die Spaltung in Christen und Moslems noch tiefer werden. Wenn die Hyperinflation und der Vandalismus ausbrechen und die Aufstände dagegen sich noch nicht übertragen haben, dann braucht die Bourgeoisie einen Schuldigen, einen schwarzen Peter, gegen den sie die Wut der Massen von sich ablenken kann.

Gut, die ganz große Mehrheit, auch die meisten Linken und wahrscheinlich auch Schäfer mögen selber denken, dass der ganz große Crash schon nicht kommen wird. Man muss aber bedenken, dass heute schon die Inflation in den USA bei 13% steht, nur die offizielle steht erst bei 7%, weil jeder Präsident aus der Inflation wie ein Hütchenspieler etwas herausgerechnet hat, so Nixon z.B. die Nahrungsmittel und den Treibstoff oder Bill Clinton die überproportional steigenden Waren und hedonisch die Qualitätsverbesserungen, die später noch ausgeweitet wurden und die inzwischen Europa übernommen hat. John Williams von shadowstats.com hat die ganzen Tricks genau wieder heraus gerechnet, und kommt dadurch auf die 13%.

Die Arbeitslosigkeit beträgt 22,6%. Die Schulden sind seit dem 2.8. in einem Monat wieder um eine halbe Billion Dollar gestiegen = 107% vom BIP. Das hochgerechnet, wären die 2,5 Billionen Schuldenerweiterungen am Jahresende wieder weg und bei 125,3%, wie beim Berlusconi. Die Abwertung durch die Ratingagenturen und das Hickhack zwischen den Demokraten und Republikanern begänne von neuem, auf einer höheren Stufenleiter.

So, wie die Dollardruckmaschine jetzt druckt, werden wir wohl spätestens 2013 über die Hyperinflationsgrenze von 50% in den USA kommen, eher schon in 2012. in Europa dann entsprechend ein Jahr später. So wie die die Inflationsdaten fälschen, fälschen sie alle Daten, Arbeitslose, BIP, Lohn und Gewinn. Wenn man dann die Schulden, die Hypothekenblasen, den ganzen Finanzschwindel mit Derivaten und CDS, Die Grenze des Marktes und die mit 93% Maschinenanteil an ihre Grenze gestoßene Höhe der Zusammensetzung des Kapitals berücksichtigt, dann sieht man, dass es mit dem Kapitalismus zu Ende geht. In der Hyperinflation werden Vandalismus, Plünderungen und Raubüberfälle die Regel sein. Die lokalen Behörden werden mit Notgeld und Zwangsarbeit versuchen, dem vorzubeugen.

Wenn dann die Propaganda wie nach dem 11.9 hochgefahren wird, die El-Kaida sei schuld an der Finanzkrise und Stimmung gegen alle Moslems gemacht wird, dann dürfen sich die Moslems mit Rundbart, Kopftuch und Mekkakappe nicht mehr auf der Straße sehen lassen, dann werden die Mosches brennen und jede türkische Hochzeit überfallen.

Das Buch „Der Angriff“ vom 8.8.11 ist auf der Bestsellerliste bei Amazon unter Heiliger Krieg & Islamismus erst auf Platz 10, unter Terrorismus aber schon auf  4. Für die Propagandaplaner bereitet es den Boden für diese Stimmung vor. Dann wird bei der Zuspitzung der Krise ein Anschlag inszeniert mit einem neuen Video von Aiman al-Sawahiri über den wirtschaftlichen Zermürbungskrieg, dann möchte ich kein Moslem sein.
Wir können nur hoffen, dass bis dahin die Bewegungen gegen die Teuerungen sich ausgeweitet haben und damit die Massen gegen jegliche Spaltungsversuche immun sind. Die Spalter dürfen nicht durchkommen - No pasaran.

Norbert Nelte
nc-nelteno@netcologne.de
Internationale Sozialisten im Netzwerk Linke Opposition
Verfolge den Fortgang des Kapitalismuscrashs im Krisenticker.

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