Stell Dir mal vor, sie machen Krieg, und niemand merkt es  (Wegen Ballspiele) – Afghanistan, Kongo, Iran…
Rohstoffkriege und Sozialdemontage I
Begleiter des ausgehenden marktwirtschaftlichen Zeitalters!

Norbert Nelte - 19.06.06 - Krieg

Nach der Todrüstung und dem Zusammenbruch der bürokratischen Einparteiendiktaturen des Warschauer Paktes hatte man den Systemveränderern der 68er Bewegung endgültig und für immer klarmachen können, dass es immer ein Oben und Unten geben wird und auch geben muss. Der Politikwissenschaftler Francis Fukuyama stellte 1992 in seinem Buch „The End of History and the Last Man“ klar, dass der Mensch mit dem marktwirtschaftlichen Kapitalismus das Ende jeder Entwicklung erreicht hat. Hegelianisch gesprochen, verkörpert er die „Absolute  Idee“, die „Vereinigung von Gott und Natur“. Basta.

Hinfort setzte sich die grässliche Fratze des Kapitalismus wie Mehltau auf die traumatisierten Gehirne und verwandelte sich dort in einen gütigen Engel.

Nachdem der Ölpreis für das Barrel (Fass) nach der iranischen Revolution 79 für 6 Jahre von 15 auf 40 Dollar stieg, zuckelte er seither zwischen 10 und 20 Dollar dahin. Aber 99 geschah das Unfassbare. Die bevölkerungsreichste Nation der Erde China entwickelte sich zu einer Industrienation und verfünffachte den Bestand an zivilen Kraftfahrzeugen in einem Jahr von 1,6 auf 8,5 Millionen. Sofort sprang der Ölpreis wieder von 10 auf 30 und drohte explosionsartig weiter zu steigen.

China hat 2005 England und Frankreich mit dem Bruttosozialeinkommen überholt, 2007 wird es Deutschland überholen, 2008 Japan und 2015 die USA.

Gleichzeitig überschritten die von Amerika kontrollierten Erdölvorkommen die Produktionsspitze und drohten bis 2012 ganz zu versiegen. (1)

Die „Denkfabrik“ im Pentagon um Cheney, Rumsfield und Wolfowitz sah nun die Weltherrschaft Amerikas bedroht. Für einen Waffengang mit dem zukünftigen „Rivalen“, wie China von Bush bezeichnet wird, fehlten ausreichend billige Ölvorkommen, hatte der Rivale noch Zugriff auf zu viele und galt es, ihn auch geopolitisch einzukreisen. Also brütete die Denkfabrik einen ihre Weltherrschaft rettenden Plan aus,:

„Eine strategische Analyse, von der PNAC-Fabrik im September 2000 kurz vor den Präsidentschaftswahlen unter dem Titel »Die Wiederherstellung der amerikanischen Verteidigung, Strategien, Streitkräfte und Ressourcen für ein Neues Amerikanisches Jahrhundert« veröffentlicht, wies auf die Gefahr hin, daß bei fortlaufendem Trend dieser laschen Haltung zu Verteidigungsfragen die weltweite amerikanische Vorherrschaft nicht mehr lange aufrechterhalten werden könnte, es sei denn: »ein katastrophales und katalysierendes Ereignis tritt ein, wie ein neues Pearl Harbor«, das die Bereitschaft der amerikanischen Gesellschaft zu Opfern wieder erhöht.”  (2)

Wie bestellt kam dann dieses „katastrophale und katalysierende Ereignis“ prompt am 11.9. ganz zufällig mit dem Anschlag auf das World Trade Center. Auch ganz zufällig hatte Bush schon 2 Tage vor dem Anschlag dem Angriffsbefehl für Afghanistan auf seinem Schreibtisch liegen. Die Zufälle wieder verlassend stellen wir fest, dass Afghanistan das Land von herausragender Bedeutung für die Denkhelden ist. Einmal dient es der Einkreisung Chinas und zum anderen lässt sich dadurch eine Ölpipeline von den kasacheschen Ölfeldern zum Bündnispartner Indien und zu dem noch im Bau befindlichen Ölhafens Gwadar im pakistanischen  Belutschistan bauen.

Nun gab es keine Schwierigkeit mehr (für das PNAC-Pack), diesen Plan auch 2001 umzusetzen und 2003 mit weiteren Mythen einen weiteren Angriff auf das 3.reichste Ölland folgen zu lassen. Für die tausende zerfetzten Kinder, Mütter und Väter, für die unzähligen traumatisierten Kriegsheimkehrer und für die schon über 500.000 obdachlosen Irak-Veteranen bedeuteten diese Schlachten schon Schwierigkeiten, aber all das wird die Kriegsplaner nicht aufhalten, ihre 3. Schlacht im 3. Weltkrieg im Zeitlupentempo auch umzusetzen.

Francis Fukuyama hat seine Thesen vom Ende der Geschichte inzwischen auch zurückgenommen.. Es wird langsam zu offensichtlich, dass sich mit der Marktwirtschaft kein humanes System mehr aufbauen lässt.

Jetzt hat Bushs Administration Schwierigkeiten bei weiteren Rekrutierungen von Kanonenfutter und Iran 1 Millionen Soldaten. So werden sie eine Kriegs-Taktik mit weniger Eigenverlusten tätigen. Vielleicht genügt es diesmal auch, wenn man nur einen Platz für den Bomberpiloten in der Geschlossenen vorreserviert. Jedenfalls haben sie für diesmal einen prima Bündnispartner Nr. 1 in Europa gefunden, Frau und konservativ. Der alte kandidiert leider nicht mehr.

Rohstoffkriege BRD

Getreu der Devise „Deutsche Waffen, Deutsches Geld, morden mit in aller Welt“ hat Merkels Kriegsminister Jung (CDU) über neue Aufgaben für die Bundeswehr in seinem „Weißbuch“ für Sicherheitsfragen nachgedacht: „Als rohstoffarmes Land ist Deutschland in hohem Maße von einer gesicherten Rohstoffzufuhr abhängig. Hierbei gilt es, sich insbesondere den Regionen, in denen kritische Rohstoffe und Energieträger gefördert werden, zuzuwenden.“ Kriegsstaatssekretär Pflüger (CDU) erläutert das in Klartext: „Wäre der Kongo ein rohstoffarmes Land, hätte sich die Staatengemeinschaft nicht zu diesem Einsatz entschlossen“. (4) Dort gibt es nämlich 50% der Weltvorkommen an Kobalt und Coltan, notwendig für die Handyproduktion.
Redemanuskript (9.11.2004) von Ex-Kriegsminister Struck (SPD): "Moral und Geschichte reichen sicherlich nicht aus, um in jedem Einzelfall über Europas sicherheitspolitisches Engagement zu entscheiden. Andere Faktoren müssen hinzukommen, (...) Dazu gehören auch (...) der Schutz der Energie- und Rohstoffversorgung." Ströbele ist wie immer entsetzt, aber wie immer hält er weiter treu zu seinen grünen Kriegstreibern. Rainer Stinner, MdB (FDP), Mitglied Verteidigungsausschuss: "Einer meiner größten Interessen ist, Erhalt von Wohlstand und Frieden und Freiheit für unser Vaterland, für unsere Nation, für Deutschland. Und wenn ich das als ein wichtiges Ziel habe, das Ziel wird jeder teilen, hoffentlich, in unserem Lande, dann weiß ich genau, dass wir als Exportnation Nummer eins in der Welt, als Nation, die dringend darauf angewiesen ist, um ihr Bruttosozialprodukt zu erwirtschaften, um uns zu ernähren, auf deutsch angewiesen ist, Rohstoffe zu bekommen, dass das unmittelbar dazu führt, dass wir eben unseren wirtschaftlichen Wohlstand erhalten können, und das ist unser nationales Interesse." (5) Blut muss spritzen für den Wohlstand der Pfeffersäcke. Na ja, da werden wohl nur Schweinereien rauskommen, aus dem Pakt am 14.7, hoffentlich wird ihnen dieses mal noch kräftiger der Marsch geblasen als die 20 Millionen beim Irak-Krieg.



Die Strohpuppe der „Denkfabrik“ wird Frau Dr. Merkel, das Angie in der Waschmaschine*, nach dem fröhlichen Ballspiel in Rostock am 14.7. besuchen. Bis dahin haben sie sich neue katalysierende Lügen über die Aussagen des Herren der 5.größten Ölfelder ausgedacht. Ihnen bleibt ja nichts anderes übrig, die Rohstoffindustrie verlangt doch diese ganzen Exzesse von ihnen. Und da der übergroße Teil der Welt noch sich einig ist, dass man das private Produktionseigentum nicht anrührt, wird das erstmal so bleiben. Aber einige 10 Millionen werden ihnen schon ein ganz schönen Schrecken verpassen und wird ihnen einen Eindruck davon vermitteln, wie mit dem ganzen Spuk Schluss gemacht werden wird.

Die Kriege haben ihnen vielleicht minimal bei der Beschaffung des Erdöls geholfen, nicht aber bei der Preissenkung. Im Gegenteil. Jetzt erklomm der Ölpreis erst richtige Höhen:

Nach der dem Afghanistankrieg ging der Winterschlussverkauf 2001 um 20% zurück  Das gleiche geschah nach dem Irak-Krieg. Jetzt zeigten sich ganz andere, noch viel größere Probleme.

Globalisierung

1994 überließ die CIA Microsoft das von ihm entwickelte Internet. Somit konnten die Dienste auch die Korrespondenz zwischen der Opposition kontrollieren. Das Internet beschleunigte rasant die internationale Arbeitsteilung und damit auch die Zentralisation und Konzentration des Kapitals. Mit einem Klick konnte man Preisvergleiche von Zuliefererbetrieben aus aller Welt anstellen, und damit wurde das befördert, was wir heute Globalisierung nennen. Mit einem Klick kann man sich auch die Kostenrechnung der Shanghaier Zweigstelle in die Frankfurter Zentrale holen.

Die schwächelnde Binnennachfrage nach den Kriegen drückte die noch zögerlichen Kapitalisten auf den globalisierten Weltmarkt. Deutschland entwickelte 2003 sich zum Exportweltmeister mit einem Außenhandelsüberschuss 2005 von 113 Mrd. Euro, das sind 5% vom Bruttosozialprodukt. Dieses reicht aber nur zu einem Wirtschaftswachstum von 0,9%, reicht also wieder nicht zur Kompensation der Grenze von 2%, die notwendig wären, um die Produktivitätssteigerung zur Aufrechterhaltung der Arbeitsplätze zu kompensieren.

 

Diese Marke wird man wohl nicht mehr in Deutschland erreichen. In den 50er Jahren fing man in Deutschland mit chinesischen Wachstumsraten um die 10% an. Alle 10 Jahre schrumpften sie um knapp die Hälfte, um so seit 92 nicht mehr wesentlich über die magischen 2% hinauszuwachsen. (6) In Europa und Japan sehen die Wachstumsraten genau so dürftig mit ähnlichen Verläufen aus:

 

 

 

 

In den USA wird seit 1990 hedonisch gerechnet. Dabei werden die Qualitätssteigerungen von Produkten quantifiziert. Dies führt zu niedrigeren Inflationsraten und je nach Land und Branche zu geschätzt bis zu  30 % höheren Wachstumszahlen. So warnt die Wirtschaftswoche vor der aus Amerika gemeldeten Inflationsrate von 3,5%: „Wenn man sie nach der europäischen Methode berechnen würde, läge sie bei 5,5%“ (7)

Die Wachstumsrate liegt in 2005 bei 3,5%. Europäisch gerechnet wären das 2,3%. Und das, obwohl die USA täglich 2 Mrd. Dollar aus dem Ausland geliehen bekommt. im März 2006 waren das alleine 62 Mrd. Dollar Handelbilanzdefizit. 2006 werden sie wohl die 800 Mrd. Grenze knacken und bald jährlich die Billionen Schulden-Grenze. Weltweit gibt es weit über 2 Billionen Staatsabnleihen, allein China mit Hongkong hält schon knapp 1 Billion. Und sie stützen damit auch die amerikanische Konjunktur, hauptsächlich deshalb, damit sie selber ordentlich dorthin exportieren können (10 mal mehr als US-Importe) um damit ihre eigene Konjunktur antreiben zu können. Sie stecken alle im klassischen Gefangenen-Dilemma, wie Volkswirtschafter das nennen.


Diese gegenseitige Stützung ist wieder mal gefährdet. Peking will eigene Aufschwungskräfte entwickeln und den Binnenmarkt stärken, auch weil sich schon Überkapazitäten im Wohnungsbau oder der Autoindustrie entwickeln . In der Sonderprovinz Guangdong hat die Regierung die Mindestlöhne um 17 bis 42% erhöht. Das heißt aber auch, dass China in Zukunft weniger US-Anleihen kaufen wird und Amerika die Zinsen weiter erhöhen und nicht mehr derartig über seine Verhältnisse wird leben können. Das heißt auch, dass der Wirtschaftsaufschwung in China von 9,5 auf 7,5% abgedämpft werden soll. Der Anfang des Konjunktur-Downs wird gemacht.

Täglich suchen 2 Billionen Dollar rund um den Erdball nach lukrativen Anlagemöglichkeiten. Das komplizierte, fragile Weltwirtschaftssystem wird nicht nur von dem gegenseitigen Gefangenen Dilemma bedroht, sondern auch von den sog. Heuschrecken und Spekulanten, wie 98  in der Ostasien-Krise durch den Spekulant Soros. Die Heuschrecken, Hedgefonds und Private Eqity-Häuser, bei Bankern genannt „Master of the universe“, kontrollieren heute schon 2 Billionen Dollar. Die Private Eqity-Häuser kaufen Firmen, entlassen tausende Arbeiter, verschulden die Firma und verkaufen dann das Gerippe. Wir kennen das von Texas Pacific Group bei Gate Gourmet und bei Grohe. Diese Heuschrecken lehren den Kollegen in Deutschland auch das Streiken. Das Haus Blackstone hat alleine durch den „Kauf und Wiederverkauf der Höchst-Tochter Celinese gleich 2,5 Mrd. Dollar Profit“ (8) gemacht. So wird heute bis 40% Rendite gemacht, nicht mit den Peanuts der Profitproduktion. Das Zeitalter ist schon lange vorbei. Das wurde schon in den 90ern vom Shareholder-Value Kapitalismus abgelöst und heute sind es die „Masters of the universe“

Es heißt aber auch für Deutschland,  dass das heute schon erreichte Handelsbilanzdefizit mit China noch größer werden wird. Japan konnte aufgrund besserer Qualität und Marktkenntnisse deutsche Waren verdrängen und somit seine Konjunktur wieder auf über 5% erhöhen. Aber der Weg nach unten wird auch sie erfassen. China selber, das sind 2 Gesellschaften. Auf dem Land fehlt der Mittelstand. Da kann man keine weitere Entwicklung mehr erwarten.

Die Marktwirtschaft ist aber immer wie ein Schneeballsystem entsprechend des Rationalisierungsgrades von der Ausweitung abhängig. (9) Da der Arbeiter relativ zum Bruttosozialprodukt immer mehr verarmt,

blieben nur die nichtkapitalisierten Räume. Und was kommt nach China?

Indien, da fehlt jede Infrastruktur und lässt auch das strenge tief verankerte Kastensystem keine Entwicklung in der Breite zu.
Afrika, da sorgt schon Europa und dessen Kompradoren dafür, dass die Öl-, Diamanten- und Kobaltgewinne nicht zu seiner Entwicklung genutzt wird.

Lateinamerika, für deren Entwicklungsverhinderung ist der CIA, die ITT und die United Fruit Company  zuständig.
Russland, das erledigt die bis in die Staatsspitze reichende Mafia schon vorbildlich.
Welcher Markt aber kommt nach China?

Am Anfang hatte das Kapital die Produktivität explosionsartig vorangetrieben. Aber am Ende steht es sich selber im Weg. Der Plan für die U-Bahn von Los Angelas liegt ganz legal bei Ford im Safe. Weil die europäischen Tonbänder mehr rauschen, mussten die Japaner ein künstliches Rauschen einbauen. Und jetzt sind sie wie ein Taschendieb dabei, und nehmen ihren Kunden weltweit ihr Geld im Eiltempo ab. Denkt dran: Autos kaufen keine Autos.
 
Vorgestern: Der Krankenkassenbeitrag für die Unternehmer wird auf 6% festgefroren. Den Rest zahlen die Kleinen.
Gestern Der CDU-Sozialexperte schlägt vor, den Kündigungsschutz ganz abzuschaffen und die Arbeitslosen sollen sich wie vor 45 jeden Tag beim Arbeitsamt melden.

(Ausnahmsweise ein sehr guter Vorschlag. Alle 40.000 Kölner Arbeitslose melden sich gemeinsam zum arbeiten im Büro des Amtsvorstehers und wenn das nichts fruchtet alle 5.000.000 zum arbeiten im Bundestagshaus.)
Und heute das mit dem Krieg für Rohstoffe und die Kleinen sollen immer zahlen.

Die Rohstoffpreise steigen überproportional. Das ist nachteilig für die sonstige Industrie. Deshalb ist die Preisfestsetzung der Strompreise durch Hessens Ministerpräsident Koch nur der Anfang. Auch international wird die Energieindustrie immer mehr vom Staat, dem ideelen Gesamtkapitalisten, kontrolliert. Das geht hin bis zur Verstaatlichung auch in Europa. In Kriegszeiten wie jetzt im Rohstoffkrieg wird zunehmend auch die wichtige Schwerindustrie verstaatlicht (z.B. Roosevelt). Also, das mit den Verstaatlichungen, das wird die Bourgeoisie schon selber machen. Das ändert nichts. Es ändert sich erst, wenn die Arbeiterbasis in den Betrieben gemeinsam international solidarisch nach ihren Bedürfnissen, und nicht nach den blinden Marktgesetzen (10) produziert.

Die kapitalistische marktwirtschaftliche Globalisierung wird vom Lohn nichts mehr übrig lassen Schon seit 1980 erhöht sich lt. DGB der reale Nettolohn nicht.

In den USA kann sich der Arbeiter schon ab 1970 nur noch den gleichen Warenkorb leisten.

Jetzt aber geht er in den kontinuierlichen Sinkflug über.


2005 fiel der Reallohn um 1,1%. Wenn ich aber die 1€-Jobber, die Praktikanten, die Gratisarbeiter, die „Illegalen“, den ganzen prekären Bereich einbeziehe und das pro Std. rechne, komme ich gut und gerne auf ein Minus zwischen 5-10%. Wir, die wir nichts zu verkaufen haben, außer unserer Arbeitskraft haben von der wildgewordenen globalisierten Marktwirtschaft nichts mehr zu erwarten. Null, null.

Wenn ich mir die Trendkurve beim Wirtschaftswachstum, die Kurve der Ölpreise, das Leistungsbilanzdefizit der USA und die Dollarblase, die Rohstoffkriege – und das haben wir ja jetzt mit dem Weißbuch offiziell -  die niedrige Renditen au der Produktion, die Marktgrenzen, die Arbeitslosen von 6-7 Millionen, den Lohnraub und die Klassenkämpfe von Frankreich bis Chile vergegenwärtige, dann sieht man das schwächste Land schon innerhalb der nächsten 10 Jahre fallen. Das Schwächste muss  nicht das Ärmste sein. Im Gegenteil. Deutschland z.B. ist schwach, gerade weil es so produktiv ist. Wenn ich in der Industrie nur 4% Personalkosten habe, dann bedeutet eine 25%ige Kürzung der Löhne zwar für den Arbeiter ein Desaster, für VW aber nur eine Kosteinsparung und eine Umsatzgewinnsteigerung von 1%. In Deutschland gab es schon 2 unvollendete Revolutionen, 1918 und 1989 und einen Aufstand 1953. Das letzte Land wird wohl in 20 Jahren fallen.

Das Überproduktionsgesetz

Da mit zunehmender Produktivität die Waren immer kapitalintensiver werden, ergibt sich auf der anderen Seite eine relative Verarmung der Arbeiter und damit auch der Käufer. Die Nachfrage wird immer geringer und das Kapital tätigt entsprechend immer weniger Erweiterungsinvestitionen  Aus diesem Grunde wohnt der Marktwirtschaft die oben dokumentierte Tendenz des sinkenden Sozialproduktes inne, die nur mit einem Weltkrieg erneuert werden könnte.

Da diesmal ein Weltkrieg auf Grund des 35mal die Erde zerstörerischen Atomarsenals die Selbstvernichtung der Menschheit wäre, scheidet diese Alternative als Möglichkeit aus. Mit China sind aber in absehbarer Zeit die Grenzen des Marktes erreicht. Und die kapitalistische Produktsionsweise mit der „erweiterten Produktion“ wird verunmöglicht.

Mit der Frage der Grenzen des Marktes befasst sich Rosa Luxemburg  In ihrer Antikritik sieht sie aufgrunddessen ein dramatische Ende: »Der Imperialismus ist ebensosehr eine geschichtliche Methode der Existenzverlängerung des Kapitals, wie das sicherste Mittel, dessen Existenz auf kürzestem Wege objektiv ein Ziel zu setzen. Damit ist nicht gesagt, das dieser Endpunkt pedantisch erreicht werden muss. Schon die Tendenz zu diesem Endziel der kapitalistischen Entwicklung äußert sich in Formen, die die Schlussphase des Kapitalismus zu einer Periode der Katastrophen gestalten.«. (11)

Ihr Biograph Paul Fröhlich zitierte sie mit einem öfters in ihren Referaten geäußerten Satz, der diese Feststellung kurz und bündig zusammenfasst;

»Der Kapitalismus müsse in Todeszuckungen geraten, längst bevor die ihm immanente Tendenz auf Erweiterung des Marktes auf die objektive Schranke gestoßen sei« (12)

In dem nach dem "Kapital" wichtigsten ökonomischen Buch des Marxismus, "Die Akkumulation des Kapitals" untersucht sie, wo der Überschuss auf Grund der schwindenden Nachfrage auftritt.

Sie untersuchte den Warenkreislauf bei der erweiterten Produktion, die sie wie folgt erklärt:

»Wir kennen schon die historische Eigentümlichkeit der erweiterten Reproduktion auf kapitalistischer Basis: Sie muß sich darstellen als Kapitalakkumulation, dies ihre spezifische Form und Bedingung zugleich. Das heißt, die gesellschaftliche Gesamtproduktion - die auf kapitalistischer Basis eine Produktion von Mehrwert ist - kann nur in dem Sinne und in dem Maße jeweilig erweitert werden, wie das bisherige tätige Kapital der Gesellschaft einen Zuwachs aus dem von ihm produzierten Mehrwert erhält. Die Verwendung eines Teils des Mehrwerts - und zwar eines wachsenden Teils - zu produktiven Zwecken statt zur persönlichen Konsumtion der Kapitalistenklasse oder zur Aufschatzung - dies ist die Basis der erweiterten Reproduktion unter kapitalistischen Produktionsverhältnissen..« (13)

Sie unterteilt auf der Grundlage der Arbeitswertwertlehre von Marx nach der klassischen Methode, die Produktion in Konsumgütesektor und Produktionsmittelsektor aufzuteilen. Dabei stellte sie fest, dass bei der erweiterten Produktion eine Überproduktion sich immer im Konsumgütesektor ergibt.

Sie geht bei ihrer Analyse der Überproduktion in dem Konsumsektor von einer steigenden Kapitalzusammensetzung aus, der zunehmende Kapitalintensivierung der Waren  Dieser Überschuss im Konsumsektor hatte auf den Konjunkturverlauf keinerlei negativen Auswirkungen, weil er auch immer in den Produktionsmittelsektor mit seiner entsprechenden Unterproduktion übertragen werden konnte. Der Marmeladenfabrikant legte seine Gewinne wegen der mangelnden Mehrnachfrage nach Marmelade einfach in einer Maschinenfabrik an, die Erdbeersortiermaschine herstellte und entließ die alten Erdbeersortierarbeiterinnen, die jetzt zu wenig ALG II erhielten, um sich noch Erdbeermarmelade leisten zu können.
 
In dem Moment aber, wenn die organische Zusammensetzung des Kapitals weltweit rückläufig ist, die Waren lohnintensiver werden, dann tritt der Überproduktion im Produktionsmittelsektor auf, aber natürlich auch im Konsumsektor. Wenn die Anlageinvestitionen schneller fallen als die Löhne, wird in beiden Sektoren auf Halde produziert, da der Produktionsmittelsektor Arbeiter entlassen muss, die nun auch weniger konsumieren. Von jedem Arbeitsplatz im Produktionsmittelsektor hängen anders als im Konsumsektor, gleich 3, 4, 5 weiter ab. Nun kann der Überschuss nicht mehr in den Konsumsektor übertragen werden, sondern nur noch in den Export. Diesen Umstand habe ich in meinem Buch „Rosa Luxemburg, die Grenzen des Marktes und die Todeszuckungen des Kapitalismus.“ und der dazugehörigen CD (14) dargelegt. Wenn dieser Fall weltweit eintritt, würde der „Point of no Return“ erreicht werden, an dem wir uns von der Zivilisation verabschieden könnten. Ich sage bewusst würde, denn ich bin zutiefst überzeugt davon, dass weltweit die Arbeiterklasse angesichts der zunehmenden Todeszuckungen der Marktwirtschaft ihre historische Mission auch dieses mal erfüllen, auch wenn sie davon noch nichts weiß, dass das ihr Wille bald sein wird. Auch 1914 ist sie mit Hurra in den Krieg gezogen und haben 1918 den Kaiser davongejagt.

Dieser Fall ist keineswegs so unwahrscheinlich und fern. Laut dem "Statistisches Bundesamt" (15) ist die Wachstumsrate der Investitionen nach einer langen Stillstandsphase seit 1991, in der noch nicht mal die notwendigen Ersatzinvestitionen getätigt wurden, im Krisenjahr 2001 dann vollends ins Minus abgestürzt, um 2005 gerade noch die Nullkurve zu erreichen. Das ersetzt aber immer noch lange nicht die abgeschriebenen Anlagen.
 

Wohlgemerkt, das ist jetzt nur Deutschland, und das konnte noch mit Exportsteigerung kompensiert werden. Aber ab 2001 waren schon mehrere Länder davon betroffen. Auch die USA.wurden von einem Produktionsmittelrückgang betroffen.

Hier konnte die Wachstumsrate sich im Gegensatz zu Deutschland auf den alten Stand von 10% retten, aber das nur auf Kosten des riesigen Leistungsbilanzdefizits, das über kurz oder lang platzen wird. Auch in China zeigten sich erste Überkapazitäten. Wenn sie qualitativ aufgeholt haben, werden sie hier entsprechend aggressiv auftreten. Überall im Internet stolpere ich über die Lenovo-Werbung, und das ist erst der Anfang. Wenn China an seine Marktgrenze kommt, wird der Weltmarkt zusammenbrechen und dann wird es nicht mehr lange dauern, dass wir in unseren Städten wie nach dem Krieg Kartoffeln anbauen. Ich spreche nicht von den Zeiten, wo der Mensch sich in eine intelligente Vakuumenergie verwandelt hat und durch ein Wurmloch in das nächste Universum umzieht, weil unseres vor dem nächsten Urknall erstmal zusammenschrumpft. Nein, ich rede hier von den nächsten 10-30 Jahren.

Es ist nicht Aufgabe dieses Artikels, jeden zum Kartoffelanbau mit Kübeln von der Gärtnerei auf dem Balkon zu animieren, obwohl das besonders für Hartz 4-Familien schon heute nicht falsch ist.

Nein, jetzt ist jeder ernsthaft gefordert. Die Herrschenden kriegen nichts mehr hin und reden wie in der DDR von den nächsten 10 Jahren, dass es dann wieder aufwärts gänge. Mit dem Weißbuch beweisen sie doch, dass sie selber an ihr Humangesülze nicht mehr glauben, und uns in die Barbarei zu Mad Max ballern wollen. Glaube ihnen nichts mehr. Wir können uns nur auf uns selber verlassen.

Wehren wir uns! Im Betrieb, in der Schule, der Uni, auf den Behörden, überall. Organisier Dich in der Gewerkschaft, aber trau der Führung nicht. Organisier Dich politisch. Am Besten hier im Netzwerk der linken Opposition (16) um die Berliner WASG herum. Davor hat die Bourgeoisie eine Höllenangt, dass ein Sprachrohr der Ausgenommenen entsteht. Dazu brauchst Du noch nicht mal in der WASG sein.

Wir sind Millionen, die haben nur abgehalfterte Millionäre.

Fußnoten:
1 C.J. Campbell. http://www.geologie.tu-clausthal.de/Campbell/vortrag.html
2 junge welt vom 29_03_2003 - http://www.jungewelt.de/2003/03-29/004.php
4 Capital 13/2006, S. 18
5 http://www.wdr.de/tv/monitor/beitragsuebersicht.phtml
* Berliner Bezeichnung für das Bundeskanzlerinamt.
6 Bundesarbeitsministerium - http://www.bmas.bund.de/BMAS/Redaktion/Binaer/Statistiken/2004/Stb1_

_2.xls,property=blob,bereich=bmas,sprache=de,rwb=true.xls
7 Wirtschaftswoche Nr. 21, 22.5.2006, S.200
8 managermagazin 3/2006, S. 40
9 Vgl. Norbert Nelte: „Marxistische Wirtschaftstheorie, leicht gemacht“.
http://www.kein-blut-fuer-oel.de/marktende/BUECHER/NORBERT10.PDF
10 Der Betrieb kennt bei der Produktion seine Kunden noch nicht.
11 Rosa Luxemburg: „Antikritik”, S. 361
12Paul Frölich: "Rosa Luxemburg, Gedanke und Tat", Frankfurt 1967, S. 198
13 http://www.marxists.org/deutsch/archiv/luxemburg/1913/akkkap/kap06.htm
14 http://www.marktende.de.vu/
15 http://www.destatis.de/indicators/d/lrvgr03jd.htm

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