Stoppt die Aufweichung des Flächentarifvertrages der IGM

Norbert Nelte - 26.12.2008 - Klassenkampf

Wie lange wollen wir uns die Verarschung der DGB-Bonzen noch gefallen lassen? Erst hat die IGM 8% Lohnerhöhung gefordert, nun gibt sie klein bei, und schließt mit 1,24 bis 2,85% ab. Der Tarif läuft über 18 Monate und zwar ist er so kompliziert, dass die wirkliche Lohnerhöhung keine Sau errechnen kann. Jedenfalls liegt der Abschluss weit unter 2007 und weit unter der Inflationsrate für Arbeitnehmerhaushalte, besonders Familien, und dieser große Reallohnverlust nach einer Warnstreikwelle mit 600.000 Kollegen. Der unklare Betrag kommt dadurch zustande, dass der 2. Schritt über 2,1% vom 1. Mai 2009 bis in den Dezember 09 verschoben werden kann (kann) und die Einmalzahlung von Mai bis Dezember 09 entfallen können. Davon werden die Betriebe aber reichlich Gebrauch machen, was dann zu einem Abschluss nahe an die 1,24% heranführen wird. Die von der IGM genannten 4,2% ist nichts anderes als bewusste Irreführung.

Die Einmalzahlungen gehen nicht in den folgenden Abschluss mit hinein, es kumuliert sich dann nur knapp 1% dazu. Wir kennen die Verschleierung von Preisen von den windigen Marken, um den Preisvergleich zu erschweren. Erst waren es Kaffee 500g für 6,25, dann 400g für 5,40 und schon brauchst Du einen Taschenrechner für den Preisvergleich. So ausgebufft sind schon lange auch die Sozialdemokraten. Wenn sie durchschaubare Verträge machen würden, wären die Kollegen vielleicht in der Urabstimmung dagegen.

Der Sinn eines Flächentarifvertrages ist, dass wir auch in schwächeren Firmen den gleichen Lohn durchsetzen können wie in den stärkeren. Mit der Öffnungsklausel ist nun das erste Mal der Sinn eines Flächentarifvertrages durchbrochen worden und damit der Dumpinglohn sanktioniert. So können gut gehende Betriebe durch eine Billigkonkurrenz kaputt gewirtschaftet werden. Zahlt ein Unternehmen wirklich seinen Arbeitern 2,85% mehr, dann kann es schnell von der Billigkonkurrenz, die nur 1,24% mehr Lohn bezahlt, vom Markt gefegt werden.

Dieser Vertrag kann nur mit einem Nein bei einer Urabstimmung bedacht werden, dafür müssen jetzt die Kollegen abteilungsweise die Betriebsräte in ihren Büros bedrängen, sonst bedeutet es das freiwillige Ende des Flächentarifes.

Die Mitglieder fragen sich jetzt wieder, wofür sie denn gekämpft haben und werden wieder massenweise aus der Sterbeversicherung austreten. Nur das ist genau das, was die Konzernbosse wollen. Wir haben keine andere Alternative. Wir linken Arbeiterinnen und Arbeiter sind nicht wegen den korrupten Bonzen in der Gewerkschaft, sondern wegen der Basis. Es waren die Vertrauensleute der IGM bei Opel Bochum, die den wilden Streik organisiert haben. Bei der IGM haben sie lange gemeinsam gearbeitet, gekämpft und Vertrauen zueinander aufbauen können und so können wir bei einer Ausweitung der Kämpfe dann auch die reformistischen durch revolutionäre Funktionäre auswechseln. Unabhängige Gewerkschaften können nur für einzelne wenige Berufsgruppen erfolgreich sein und Pilotabschlüsse tätigen, aber für die Masse der Kollegen geht nur die Einheitsgewerkschaft.

Wir hatten in Köln am 21.10. von der NLO eine Veranstaltung zur Finanzkrise gemacht, auf der auch ein Vertrauensmann der IGM zugegen war, der auch an der Tarifverhandlung in NRW mit teilnahm, kein Funktionärstyp. Er meinte zu unserem mit Zitaten, Zahlen und Fakten fundierten Bericht, wir übertreiben. Er kannte nur die Haltung der IGM, obwohl die Dramatik der Finanzkrise schon seit dem Frühjahr 08 doch feststeht, im 2 Quartal hatten wir schon eine Wirtschaftsschrumpfung um 0,4%. Aber noch am 31.10. sagte IGM-Chef Huber zur Bild-Zeitung „Die Arbeitnehmer sind wütend, weil sie trotz Aufschwung weniger in der Tasche haben, während Manager und Kapitalbesitzer massiv profitiert haben… Wir brauchen satte Einkommenszuwächse, sie schaffen neue Kaufkraft, die mehr Konsum auslöst und damit Wachstum und Wohlstand stärkt.“ Angeblich hatte die IGM lt. Spiegel bei der Aufstellung der 8%-Foderung noch nichts von der Krise gewusst. Da haben sie nur dicke Backen gemacht und die Mitglieder verwirrt. Nun geben sie die Rezession zu und nach ihrer Logik, nach der in schlechten Zeiten die Tarife von den Geschäften der Arbeitgeber abhängen soll, gibt es dann nur 1,24%. Nun wird unser IGM-Besucher die Kapitulation wie eine Naturkatastrophe hinnehmen.

Wir Arbeiter sagen aber, dass die Tariferhöhung mindestens unsere Inflationsrate plus die Produktivitätssteigerung betragen muss, unabhängig davon, wie es dem Kapital geht. Sie haben Jahrzehnte immer fette Gewinne gemacht und uns dabei erklärt, dass sie ja auch das Risiko in schlechten Zeiten tragen würden. Jetzt sind die schlechten Zeiten da, aber plötzlich sollen doch wir Arbeiter das Risiko tragen.

Verlangt Urabstimmung. Besteht auf dem Flächentarifvertrag. Für den Murks brauchen wir doch keine Gewerkschaft, die Hubertmafiosis machen mit diesem Machwerk sich selber überflüssig. Belagert Euer Betriebsratbüro und verlangt eine Neuverhandlung und einen sofortigen Flächenwarnstreik. Es ist schon die Höhe, 1,24% mehr für den Lohn bei Hunderten von Milliarden für die Banken und Riesen Gehälter für die Vorstände.

Norbert Nelte
Internationale Sozialisten

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