Die Globalisierung und die Kollegen bei Opel, Mahle und Conti

Norbert Nelte - 31.05.2009 - Klassenkampf

Die Übernahme von Conti durch Scheffler und von Opel vielleicht durch Fiat und die Weltwirtschaftskrise wird auf die deutschen Kollegen Auswirkungen haben, die dem hiesigen Kapital sowie der sozialdemokratischen Gewerkschaftsführung nicht gefallen werden. Die Globalisierung wirkt sich nicht nur positiv mit der internationalen Arbeitsteilung für das Kapital aus, sondern auch positiv mit der Anpassung der Radikalisierung für die deutschen Arbeiter, sie werden sich nicht mehr so schnell alles gefallen lassen. Turiner Verhältnisse in Rüsselsheim oder französische in Hannover. Die Globalisierung bringt nicht nur dem Kapital billige Löhne, sondern auch den Arbeitern gleiche Kampferfahrungen.

Besonders deutlich wird das bereits bei dem internationalen Reifenkonzern Continental. Die Internationalität  oder Continentalität gibt es zwar schon lange bei Conti, die Weltwirtschaftskrise bringt es aber mit sich, dass jetzt schlagartigartig viele Konzerne ausgeblutet werden. Bei Conti werden gleichzeitig das LKW-Reifen-Werk in Hannover-Stöcken mit 900 Beschäftigten und das Werk in Clacroix in Frankreich mit 1.000 Kollegen geschlossen. Das hat dazu geführt, dass beide eine gemeinsame Kundgebung in Hannover am 23.4. durchgeführt haben, auf der beide Gesamtbetriebsräte die bei www.LabourNet.de dokumentierten Reden gehalten hatten.

Die Rede von dem deutschen DGB-Reformisten Werner Bischoff ist wie üblich müde, wie ein sachlicher Protokollant ohne eigene innere Beteiligung gehalten worden, fad und farblos wie ein Berichterstatter des Vorstands. Er spricht als typischer Vermittler und neutraler Dritter von der „Sorge der Menschen“ und gibt ansonsten nur gute Ratschläge, dass der Vorstand bitte schön mit Verantwortung handeln solle. Geschenkt, das wird den Arbeitplatz der Conti-Kollegen auch nicht retten.

Der französische CGT-Gesamtbetriebsrat Xavier Mathieu dagegen redet mit dem „Herz“ als Betroffener mit Wut und Kampfeswillen. Es lohnt sich, hier einige Sätze zu zitieren.

„…Wir fordern, dass kein Mitarbeiter von Continental entlassen und auf die Straße geworfen wird. Dieser Antrag ist genau der, den ihr in Deutschland an den Vorstand gerichtet habt. Dieser Antrag ist ein Ultimatum!

Die heutige Demonstration ist nicht das Ende, sie ist kein Begräbnis erster Klasse, sie ist der Anfang. Wir haben uns mobilisiert und jeden Tag mehr Unterstützung erhalten. Wenn man uns nicht anhört und unsere schwarz auf weiß schriftlich vorgelegten Forderungen erfüllen will, ist unsere Antwort auf den Krieg, den uns die Aktionäre erklärt haben, der Gegenangriff der Werktätigen. Wir haben nichts zu verlieren. Die Opfer, die dieser Kampf von uns fordern wird sind nichts gegen die Opfer, die uns für den Rest unseres Lebens von unseren Bossen und ihren Handlangern, ihren offenen und versteckten Verbündeten aufgezwungen werden.


Natürlich wissen wir nicht, wie dieser Kampf, den wir vor uns haben, ausgehen wird. Aber wir werden ihn kämpferisch bis zum Ende unserer Kräfte führen. Was auch immer geschehen wird, wir können die Steine, die man uns in den Weg legen wird, überwinden. Und glaubt mir, es werden viele Steine sein, ganze Felsbrocken. Aber wenn wir unseren Kampf bis zum Ende führen, gewinnen wir etwas, was keiner uns mehr nehmen kann.

Ich spreche von unserer Würde, der Würde der Werktätigen, von aufrechten Frauen und Männern, die ihrem Schicksal die Stirn bieten. Wir werden für den Rest unseres Lebens in den Spiegel schauen können, ohne uns zu schämen. Sie wollten uns das Rückgrat brechen und wie die Schafe zur Schlachtbank führen. Aber nein, sie haben es mit kämpfenden Werktätigen zu tun, die ihrem Schicksal die Stirn bieten.

…Wir schwören, dass wir alles tun werden, um unserer gemeinsamen Hoffnung gerecht zu werden. Nieder mit den kriminellen Aktionären, die uns ins elende Schicksal schicken wollen. Es lebe die Continentale Solidarität in Deutschland und in Frankreich.

Die Leute hinter uns, die Aktionäre, reden nur mit ihrem Geld, wir reden mit unserem Herzen.
Vielen Dank an Alle!“


Entsprechend haben die Kollegen aus Clacroix schon einen konsequenten Kampf hinter sich, wobei der Besetzung des Schwesterwerkes im französischen Saargemünd am 6. Mai den vorläufigen Höhepunkt bildet.
„Der Aachener Betriebsratsvorsitzende von Continental, der auch Vorsitzender des europäischen Konzernbetriebsrates ist, wird in der Presse zitiert, er wolle in der durch die Betriebsbesetzung in Sarreguemines angespannten Lage keine Gespräche mit den Besetzern führen: «So etwas sind wir nicht gewohnt“.


Es wird Zeit, dass auch die deutschen Bonzen ihren Arsch aus dem Sessel kriegen und sich an aktive Kampfmaßnahmen gewöhnen. Lange Zeit wird ihnen dazu nicht mehr bleiben, die mexikanischen Kollegen von Continental in Jalisco, Mexiko, Reifenwerk Euzkadi in El Salto sind seit 2005 schon viel weiter. Bei ihrem Kampf gegen die Betriebsschließung fand der Gewerkschaftsführer Jesús Torres Nuño eine ganz einfache bestmögliche Lösung für den Konflikt:

„Wenn die Continental der Meinung ist, aus dieser Fabrik sei nichts rauszuholen, dann sollen sie sie doch uns überlassen, wir machen dann daraus eine Kooperative“.

Heute führen sie alle kollektiv ihre Reifenfirma in Selbstverwaltung, blieb noch die Abschaffung des brutalen Marktes mit seiner blöden Konkurrenz. Die Arbeiter wollen doch gar keine Konkurrenz zueinander machen, sondern Solidarität, aber alle gemeinsam werden wir das auch noch schaffen.

Das lodernde Feuer der Conti-Arbeiter (Bild oben) künden von der Geburt der neuen Ära, in der der neue Mensch seine Geschichte selber macht und in der wir uns alle mit Anstand und Würde in die Augen schauen können.

Gleichzeitig laufen die Kämpfe bei dem Autozulieferer Mahle gegen die Betriebsschließungen in Alzenau bei Hanau mit 424 Kollegen und in Argentinien, Rosario mit 490 Kollegen. Mahle stellt Zylinder her. In Colmar werden auch 130 Leute gefeuert und das Werk in Peran mit 120 soll auch geschlossen werden. In Argentinien soll das Werk nach Brasilien verlegt werden und die Kollegen dort haben es schon am besetzt.

Hier ergeben sich ebenso wie bei Conti viele internationale Solidaritätsaktionen wie die in Frankreich Kerzenaktion mit den Kollegen in Argentinien.

Diese übernationalen Kämpfe sind noch nicht mal zu Ende geführt worden, da deuten sich schon die nächsten an. Bevor der Vertrag zwischen Opel und Fiat geschlossen wurde, wird eine Abordnung der Turiner Fiat-Kollegen mit den Opelanern zusammentreffen. Für heute ist eine Großdemonstration in Turin angekündigt. Und am Mittwoch war ein Treffen zwischen den Italienern und den Vertretern der Opel-Belegschaft. Drei der vier bei Fiat vertretenen Gewerkschaften werden am Mittwoch in Frankfurt mit ihren Opel-Kollegen zusammentreffen.“

Die Turiner haben doch schon eine lange Erfahrung mit einem Arbeiterrat und für heute ist schon eine kämpferische Großdemonstration geplant, bevor die Entlassungen überhaupt feststehen. Da muss sich der Gesamtbetriebsratsvorsitzender Klaus Franz warm anziehen mit seinem Vorschlag, die Löhne zweistellig zu kürzen. Die Bochumer haben dies bereits abgelehnt.

Durch den Kontakt mit den ausländischen Kollegen erfahren die deutschen Kollegen auch mehr über die Kämpfe ihrer Klassengeschwister, die kaum hier in den Zeitungen stehen. En Generalstreik nach dem anderen in Griechenland, Frankreich und zahllosen anderen Ländern, Aufstände trotz diktatorischem Verbot in Ägypten, China, und afrikanischen Ländern. Betriebsbesetzungen in Argentinien nach der 2001-Welle jetzt bei Mahle in Rosario, in Italien in Mailand bei dem Autoimpoteur INNSE und Officine von Bellinzona, in der Schweiz Borregaard-Attisholz bei Solothurn, in Spanien bei IVECO Suzzara und Holcim Torredonjimeno, (siehe Labournet-Dokumentation) in Slowe- nien, in Griechenland, Brasilien  und und und, in England bei Ford-Visteon in Belfast, aber auch schon in Deutschland bei dem Fahrradwerk Lonestar/StrikeBike oder Druckerei  Koenig & Bauer, Berlin. Die meisten Betriebsbesetzungen sind zwar inzwischen wieder beendet worden, zum großen Teil wegen Erfolg, sie zeigen aber auch die Perspektive auf. Bei Ford-Visteon ging die Polizei gegen die besetzenden Vertrauensleute vor mit der Androhung von Strafe und der Enteignung ihres Häuschens, die Häuschenbesitzer müssen sich in solchen Ländern zurückhalten oder 10 Jahre vorher die Bude auf den Ehepartner oder die Geschwister übertragen.

Manchmal, wie GM mit Opel oder eben Continental in Mexiko, sind die Kapitalisten ganz froh, den Betrieb und damit auch die Verantwortung los zu sein, er hat sich schließlich schon 10 mal amortisiert, also die ursprüngliche Investitionssumme floss über die Gewinne schon 10 mal zurück, ca. alle 7 Jahre. Außerdem ist die durchschnittliche Profitrate mit 1-2% so niedrig, dass sich eine weitere Produktion für die Profitmacher des Kapitals nicht mehr lohnt, sehr wohl aber für die Arbeiter. Sie stellen keine Waren her für den Markt, die bringen wegen dem Überangebot und der geringen Nachfrage wirklich kein Gewinn mehr. Autos werden z.T. schon mit 40% Rabatt verkauft. Die Arbeiter stellen in Absprache mit den anderen Betrieben Gebrauchsgüter her, die auch wirklich benötigt werden.

Alle langfristig besetzten Betriebe können dann auch international schon einen Verband gründen, wo alle Produkte solidarisch an alle Mitglieder und Freunde verkauft werden. Die Bourgeoisie wird uns zwar dann mit ihrer spaltenden Zollpolitik dazwischen fahren wollen, aber ein gemeinsamer Kampf der Arbeiterräte wird sie schon in der Übergangsphase der Doppelherrschaft zurückdrängen können.
Es bleibt keine andere Möglichkeit mehr. Trotz Abwrackprämie und Kurzarbeit ist das Bruttosozialprodukt im 1. Quartal 2009 um 3,8% gegenüber Vorjahr abgestürzt, soviel, wie noch nie, weltweit, In Lettland sogar um 15%, es gibt kein Halten mehr, der „Point of no Return“ wurde schon im 1. Quartal 2009 überschritten.

Für uns Arbeiter eröffnet sich mit den Betriebs-Besetzungen aber unsere Seite der Globalisierung.

Hoch die internationale Solidarität
Besetzt Betriebe.
Selbstverwaltung statt Lohnkürzung

Norbert Nelte
Internationale Sozialisten

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