Finanzkrise 1.3. US-Handelsbilanzdefizit gegenüber China

Norbert Nelte - 21.06.2010 - Finanzkrise

Im Wesentlichen sahen die revolutionären Linken in den 70ern die Profitrate anfangs des neuen Jahrtausends gegen Null tendieren und damit auch das langsame Ende des kapitalistischen Systems. Die Herrschenden wollten dem entgegentreten und so wuchs die Kaufkraft der Löhne schon in den 70er der USA nicht mehr weiter. In Deutschland setzte dieser Angriff auf die Arbeiter mit Kohl 1982 ein. Seither ist der Warenkorb des Durchschnittslöhners gleich geblieben.

1995 wurde das Internet eingeführt und somit konnte in Sekunden ein weltweiter Preisvergleich durchgeführt werden. Die Transportcontainer waren schon 1959 eingeführt worden, mit denen die Frachtraten um 90% und mehr fielen. Zusammen ergab das die Globalisierung, den weltweite Warenaustausch.

1995 wurden in China auch 3 kapitalistische Sonderzonen eingeführt. Sie wurden sehr schnell auf viele große Städte übertragen, so dass schon 1999 der KFZ-Bestand in China sich verfünffachte. 2001 trat China dem IWF bei, was der Wirtschaftsleistung Chinas noch einmal einen Schub versetzte.

2002 exportierte China in die USA schon mehr als das Fünffache dessen, was die USA nach China exportierte (siehe Grafik oben). Das sind die von Bucherin so hoch gepriesenen „gewaltigen Möglichkeiten der kapitalistischen Ausbreitung in den nichtkapitalistischen Raum“ Je mehr nämlich die Metropolen in den nichtkapitalistischen Raum exportieren, umso schneller exportieren diese dann auch in die kapitalistischen Länder zurück, und zwar zu Dumpingpreisen. So wurden in China bis zu 30% Profite in der Produktion erwirtschaftet. Inzwischen sind das aber auch schon weniger.

Die chinesischen Wanderarbeiter wohnen mit Kind im Rohbau oder in 10-Bett-Zimmern, der Lohn langt dann noch zum Essen und eine kleine Unterstützung für die Familie, dann ist Schluss.

Diese Löhne können die bürgerlichen Demokratien gar nicht mehr unterbieten, da wird es schon 100 Revolutionen geben, aber sie versuchen es dennoch, siehe Griechenland. Bei 3 Jobs bekommen die Kollegen dort die Hälfte von Deutschland bei gleichem Lebensstandard und trotzdem wollen Brüssel, der IWF und die ganze Bagage denen noch 15% wegnehmen. Sie sagen, klar, der Staat muss sparen, darauf gibt es nur eine Antwort: klar, das zeigt, dieses Wirtschaftssystem hat abgewirtschaftet, es ist nicht mehr für den Menschen da und muss weg, es war noch nie für den Menschen da, aber jetzt ist es für alle tödlich.

Als China in Deutschland den Metrorapid bestellte, mussten die Pläne glich mitgeliefert werden und flink konnten die Chinesen das nachbauen. 2008 auch wieder mit 150 Airbus-Flugzeugen. Der Produktionsbetrieb musste natürlich in China stehen. Und es gibt kein weiteres Land, wo die Metropolen noch hinliefern könnten. Wenn das chinesische Land entwickelt werden würde, dann bekommt Shanghai keine Billiglöhner mehr und es wäre gleich zu Ende, und wohin sollten das Durf auch expandieren? Und wenn Afrika entwickelt werden würde, dann bekämen die europäischen Kapitalisten keine billigen Rohstoffe mehr und die Profitrate wäre noch magerer.

So hatte China schon 2007 alle amerikanischen Industrieprodukte übernommen. Die Waschmaschinen und Kühlschränke liefert Haier, die Computer lenovo, alle Fotoapperate kommen aus China, alle Produkte bei WAL-MART, sogar die Grabsteine. Der 13. größte Autokonzern gleich hinter BMW heißt Changan mit einem Wachstum 2008 von 63% und dann kommt Schanghai Automotives mit 49% Wachstum. Die USA ist schon deindustriealisiert, die ehemaligen Industriebetriebe rosten vor sich hin (Video Detroit). Nur die Rüstungsindustrie und alles was dran hängt wegen der garantierten Staatsaufträge brummt.

Das Leistungsbilanzdefizit der USA liegt schon jährlich bei einer Billionen Dollar. Und die Arbeitslosenzahl bei 20%. Nur die offizielle Statistik liegt um die 10%, da ab 1 Std. in der Woche Beschäftigung (In Deutschland noch 15 Std.) schon als Beschäftigung gerechnet wird. In New York z.B. ist jeder 5. schon von den Suppenküchen abhängig.

Die gesamten US-Staatsschulden betragen 13,091 Billionen Euro offiziell, die inoffizielle mit den Kommunen, den Staaten und dem Beamtenpensionsfond betragen 74.834 Billionen Euro (19.06.10, 14.30 Uhr) (Zum Vergleich. BIP Welt = 56 Billionen Euro). Diesen Betrag können die USA nie zurückzahlen. 2009 waren das offiziell 83,1% und 2010 werden das 94,4% sein, vom BIP nur Washington, das ist weitaus schlimmer als Griechenland, denn bei deren 134% sind die Kommunen mit dabei.

Die vereinigten Staaten haben schon immer über ihre Verhältnisse gelebt. Die Rohstoffe wurden immer in Dollar abgerechnet. Wenn die Türkei Öl kaufen wollte, musste sie sich erst einmal Dollar leihen. Alle Staaten hatten auch ihre Währung mit amerikanischen Staatsanleihen abgesichert. Mit beiden ist nun Schluss. China allein hatte für 2 Billionen Dollar US-Staatsanleihen besessen. Das nannte man das gegenseitige Gefangendilemma. China musste diese Anleihen kaufen, weil sie 50% in die USA exportierte. Nur so konnten sich die Amerikaner einen höheren Lebensstandard leisten, als sie eigentlich herstellten. Sie mussten also chinesische Waren kaufen. So exportierte China 2009 für 337.8 Mrd. Dollar Waren in die USA und umgekehrt nur 69,7, nur alleine mit China bedeutet ein Handelsbilanzdefizit von 268 Mrd. Dollar.

2010 aber braucht China das Geld der US-Staatsanleihen für die afrikanischen Projekte, um von dort die Rohstoffe geliefert zu bekommen. Inzwischen besitzt China nur noch 1 Billionen Dollar und wurde von Japan auf Platz 2 verdrängt. Jeden Tag muss die USA 2,6 Milliarden Dollar geliehen bekommen, sonst wird die Regierung nicht mehr die Arbeiter ruhig halten können.

Da immer mehr Staaten auf andere Währungen setzen und die USA das Geld für Staatsanleihen und Rohstoffe nicht mehr aus dem Ausland geliehen bekam, musste sie Anfang 2008 das Geld plötzlich für den Endverbraucher verknappen. Gleichzeitig wurden die Preise der Grundnahrungsmittel der  3. Weltländer in Afrika, Haiti oder Ägypten erhöht. Durch Spekulanten wurden diese wie immer noch höher getrieben. Nachdem aber im April bis Juni 2008 hier die ersten Hungeraufstände drohten, gab es einen Fond über 500 Millionen der Uno und man versuchte dieses damit vorerst zu beruhigen.

In der Vergangenheit konnte man ein Auto in den vereinigten Staaten kaufen, brauchte das aber wegen der billigen Zinsen erst nach einem Jahr anfangen, langsam abzubezahlen. In jedem Geldbeutel befanden sich unendlich viele Kreditkarten. Für die Rückzahlung der einen besorgte man sich einfach eine neue. Damit war Anfang 2008 aber Schluss. Durch die Minderung der Staatskredite stiegen die Zinsen und die Arbeiter mussten ihren Konsum gewaltig zurückschrauben.

2008 Tent city 3. Welt Hungeraufstände

Norbert Nelte

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