Kapitalismus geht, Betriebe ohne Boss kommen.

Norbert Nelte - 15.08.2013 - Basisdemokratie

Die Widersprüche des Kapitals haben sich schon weltweit dermaßen gleichzeitig zugespitzt, dass in mindestens 6 Staaten von  den Beschäftigten die Betriebe in Selbstverwaltung übernommen wurden, in Argentinien, Griechenland, Spanien und Mexiko sowie ein Einzelbeispiel in den USA. Marx sah in der selbständigen Organisation der Produktion durch die Arbeiter in Genossenschaften einen ersten Schritt zum Kommunismus. Diese Erscheinungsform, dass gleichzeitig in mehreren Ländern von den Arbeitern Betriebe in Selbstverwaltung erkämpft wurden, gab es auch schon nach 1917.

Als 1917 in Russland die Betriebe von den Arbeiten erobert wurden, inspirierte das auch die Kollegen in anderen Ländern, 1918 in Finnland, 1918/19 in Deutschland, 1919 in Ungarn und 1919/20 Italien. Also, denkt mancher: „Das gab es schon einmal, ging aber ganz schnell wieder vorbei“.

Bei genauerer Untersuchung dieser Bewegung stellen wir aber fest, dass diese am Anfang des Kapitalismus standen und gegen ihren Willen die Aufgaben der Bourgeoisie übernehmen mussten, die diese versäumt hatten, damit der Kapitalismus auch funktionierte.

2013 aber ist der Kapitalismus schon lange überreif und schon lange auf seine objektive Schranke gestoßen. Er hat seine von Marx beschriebene klassische Phase der Produktion von Mehrwert im produktiven Gewerbe bereits seit Mitte der 1990er hinter sich und befindet sich mit seinen Staatsschulden, Rezessionen, der Verengung der Märkte und dem Raub der Lohnanteile über den Finanzsektor, bereits in der Phase der Todeszuckungen des Kapitalismus.
Es bedarf nur noch der revolutionären Faust, die den ersten Dominostein  zum Umfallen bringt und in den Ländern der erwachenden Zivilisation rund ums Mittelmeer warten viele Fäuste, die die letzte Herrschaftsgesellschaft auf den Müllhaufen der Geschichte werfen wollen.

I. Die Frage der Ausreifung des Systems

Es gab innerhalb der revolutionären Arbeiterbewegung zwei Grundcharaktere - oft in der gleichen Partei - um die Frage des Zeitpunktes der Revolution. Die einen wollten am liebsten bei jeder Gelegenheit zuschlagen, die anderen sahen, dass erst nach Vollendung der Reife des Kapitalismus dieser zum Sturz gebracht werden könne.
Die beiden herausragenden Vertreter der letzten Strömung sind Friedrich Engels und Rosa Luxemburg.

1. Friedrich Engels:
»Es ist das Schlimmste, was dem Führer einer extremen Partei widerfahren kann, wenn er gezwungen wird, in einer Epoche die Regierung zu übernehmen, wo die Bewegung noch nicht reif ist für die Herrschaft dieser Klasse, die er vertritt, und für die Durchführung der Maßregeln, die die Herrschaft dieser Klasse erfordert ... Er findet sich notwendigerweise in einem unlösbaren Dilemma: was er tun kann, widerspricht seinem ganzen bisherigen Auftreten, seinen Prinzipien und den unmittelbaren Interessen seiner Partei, und was er tun soll, ist nicht durchzuführen. Er ist, mit einem Wort, gezwungen, nicht seine Partei, seine Klasse, sondern die Klasse zu vertreten, für deren Herrschaft die Bewegung gerade reif ist. Er muss im Interesse der Bewegung selbst die Interessen einer ihm fremden Klasse durchführen und seine eigene Klasse mit Phrasen und Versprechungen, mit der Beteuerung abfertigen, dass die Interessen jener fremden Klasse ihre eigenen sind. Wer in diese schiefe Stellung gerät, ist unrettbar verloren.«
(Friedrich Engels: "Der deutsche Bauernkrieg", MEW 7, Berlin 1960, S.400+401.)

2. Rosa Luxemburg wird noch klarer:

In ihrer Schrift „Sozialreform oder Revolution?“ äußert sie sich ganz unmissverständlich:
„Ohne Zusammenbruch des Kapitalismus ist die Expropriation der Kapitalistenklasse unmöglich“
Rosa Luxemburg, Sozialreform oder Revolution, S. 42, Zweiter Teil, 4. Der Zusammenbruch

Sie zeigt aber auch in der Antikritik, dass dieser Reifungsgrad schon in der  Schlussphase  des  Kapitalismus, dem Imperialismus, nach der Verengung der Märkte ganz schnell kommen werde:

„Schon die Tendenz zu diesem Endziel  der  kapitalistischen  Entwicklung  äußert  sich  in  Formen,  die  die Schlussphase  des  Kapitalismus  zu  einer  Periode  der  Katastrophen  gestalten.“ (Antikritik S. 361 nach Cliff)

Sie sagt also, dass dieser Zusammenbuch schon vor dem rechnerischen Ende mit Katastrophen kommt. Und dieses rechnerische Ende ist jetzt, wo nach Adam Riese die durchschnittliche Profitrate in der Produktion schon weit unter dem Finanzmarktzins gefallen ist.

Ihr Biograph Paul Fröhlich zitiert aus dem Gedächtnis ihre immer „wiederholte Betonung der Schlussphase“.
»Verschiedene der Kritiker, und besonders Bucharin, glaubten, einen wirksamen Trumpf gegen Rosa Luxemburg auszuspielen, indem sie auf die gewaltigen Möglichkeiten der kapitalistischen Ausbreitung in den nichtkapitalistischen Raum hinwies. Die Schöpferin der Akkumulationstheorie hat diesem Argument bereits die Spitze abgebrochen durch die wiederholte Betonung, der Kapitalismus müsse in Todeszuckungen geraten, längst bevor die ihm immanente Tendenz auf Erweiterung des Marktes auf die objektive Schranke gestoßen sei,« (Paul Frölich: "Rosa Luxemburg, Gedanke und Tat", Frankfurt 1967, S. 198)

Marx dagegen spricht bei dem tendenziellen Fall der Profitrate im 3. Band des Kapitals von einem langsamen Einschlummern.

Die Erfahrungen heute am Beginn 3. Jahrtausends und die vergeblichen Bemühungen aller revolutionären Sozialisten in der Vergangenheit zeigen, dass die Einschätzung von Luxemburg richtig war und jetzt nach dem Ende des klassischen Kapitalismus mit der Profitproduktion im Produktionsbereich der Schritt in die Arbeiterstaat und dann, wenn die wesentlichen Länder alle Arbeiterstaaten sind, in die herrschaftslose Zeit gemacht werden kann.
Sicher wird noch der Zwischenschritt über den Übergang mit  der Arbeitergesellschaft notwendig sein, aber auf Grund des weltweiten Gleichklangs der Finanzkrise werden wir diesen Übergang der basisdemokratischen Arbeiterherrschaft zu einem Land ohne Staat, Geld, und Parteien in ein, zwei Generationen überwinden, das, was Marx Kommunismus nennt.

Sind da nicht zu viele Überzeugungen notwendig, mögen die meisten Menschen denken, ist der Mensch mit seinem Geiz und Egoismen nicht ganz anders gestrickt.

II. die Betriebe ohne Boss

Nein, nein, nein. Wir sind bereits in der glücklichen Lage, auf Hunderten von praktischen Beispielen zurückgreifen zu können. Der Marxismus denkt schon historisch materialistisch. Die Widersprüche des Kapitals zwingen die Arbeiter, die Betriebe ohne Boss zu besetzen. Wenn der alle entlassen will und mit dem Geld durchbrennt, dann geben sie acht, dass der Boss nicht die Maschinen abholt und werden dann den Betrieb ohne Boss und basisdemokratisch weiter führen.

Sie müssen also von Anfang an automatisch die 3 Grundprinzipien der Basisdemokratie durchführen:

  1. Der Sprecherräte sind an die Basisbeschlüsse gebunden.
  2. Sie sind jederzeit wieder abwählbar.
  3. Sie bekommen den gleichen Lohn wie ihre Kollegen.

Und genau diese Prinzipien haben die Kollegen schon in hunderten Betrieben ohne Boss (hier im Internet belegt) Also dass ist schon automatisch passiert, die Betriebe sind schon längst über die Anfänge hinaus und sind schon oft legalisiert. Da ist zuerst Argentinien zu nennen.

Argentinien
In Chile unter dem Diktator Pinochet wurde schon 1974 der erste neoliberale Test von den Chicago Boys, den Schülern von Milton Friedman, gestartet. Dies hat dann der Diktator Jorge Rafael Videla ab 1976 in Argentinien fortgeführt. Nachdem der Test für das Kapital unter den Diktaturen erfolgreich verlief, haben sie das dann ab 1983 mit bürgerlichen Demokratien unter Raúl Alfonsín und ab 1989 mit Carlos Menem weitergeführt. Unter den Demokraten verarmte 2/3 der Bevölkerung erst richtig, zogen vom Eigenheim in die Mietwohnung und von der Mietwohnung in die Slums.

Fernando de la Rua war der letzte Präsident ab 1999 der langen Reihe von neoliberalen Diktatoren und Präsidenten. 2001 wollte er alle Bankkonten einfrieren lassen. Die Arbeiter hatten nun genug und protestierten aufgebracht vor dem  Präsidentenpalast, so dass er mit dem Helikopter floh. 27 Demonstranten  wurden dabei brutal von der Polizei umgebracht. Danach folgten einige peronistische Interimspräsidenten. In dieser Zeit flohen viele Kapitalisten aus dem Land und die Arbeiter erkämpften sich 200 selbstverwaltete Betriebe, schon bevor 2003 Néstor Kirchner von der sozialdemokratischen Fraktion der peronistischen Partei Staatspräsident wurde.
Als 2008 die Weltwirtschaftskrise ausbrach, wuchs der Umfang der Betriebe auf 300 an. Sie stellen inzwischen schon ein umfangreiches Wählerpotenzial dar – 2003 schon 15.000 Kollegen -, so dass die bürgerliche Politik gezwungenermaßen auf die Arbeiter der selbstverwalteten Betriebe Rücksicht nehmen muss, das sind inzwischen mit Familien  hunderttausend Wählerstimmen. Diesen frühen  neoliberalen Tests des Kapitals haben wir Arbeiter auch frühe Erfahrungen mit der Selbstverwaltung zu verdanken.

Die selbstverwalteten Betriebe schlossen sich zu dem Bündnis „Betriebe ohne Boss“ zusammen (Der Bericht der Lateinamerikanachrichten ist von August 2008) und die Koordination wurde inzwischen von der Kachelfabrik Zanon mit 470 Kollegen übernommen, heute „Fabrik ohne Boss/ohne Patron“, Fasinpat.
Bei der Besetzung 2001 waren es nur 270  Kollegen. Dass sie selber dann 200 Kollegen eingestellt haben, zeigt, dass sie bereits besser und nachhaltiger produzieren können, als der alte Kapitalist. Die Betriebe ohne Boss produzieren neben Kacheln auch Hundfutter, Schuhe, Kupferrohre, Stahlketten oder betreiben eine Werft, Druckerein oder ein Hotel. „Das Hotel B.A.U.E.N ragt mit seinen 20 Etagen und 140 Zimmern mitten im Zentrum von Buenos Aires an der stark befahrenen Kreuzung Avenida Corrientes/Avenida Callao in den diesigen Himmel“ (Lateinamerikanachrichten) . Sie halten regelmäßig Betriebsversammlungen ab mit basisdemokratischen Abstimmungen. Die Kollegen hätten das bestimmt nicht gemacht aufgrund, dass sie jemand überredet hätte, aber ihr Betrieb wurde dicht gemacht, da mussten sie ihn praktisch besetzen. „Wir waren eine Vaterfigur gewöhnt, und auf einmal bist du Waise“ ebda.

2012 führten die selbtverwalteten Betriebe schon eine Messe für Produkte genossenschaftlicher Betriebe in Argentinien durch. Die Betriebe müssen sich im Kapitalismus noch gegen die Kapitalisten beweisen und sich selber ausbeuten, wobei sie aber schon geringere Verwaltungskosten und Werbung haben. Ende der 70er Jahre sind  aber dennoch alle Versuche um die Uhrenfabrik LIP in Besancon gescheitert, aber doch nur deshalb, weil allgemein die Wirtschaft noch aufwärts ging. Jetzt dagegen geht alles rückwärts, deshalb sind die Kollegen aus den selbstverwalteten Betrieben besser auf die künftige akute Krise vorbereitet, als die mit einem Kapitalisten, sagen die Kollegen und ihr Anwalt in dem Video. Die Kapitalisten entlassen zuerst die Kollegen, während die Kollegen ohne Boss die Mindereinnahmen auf alle verteilen und die Produktpatte ausweiten bzw. den Export erhöhen können, eine Maßnahme, die z.B. die Baustofffirma VioMe aus Griechenland im Balkan-Raum vorhat.

Der Kampf der Kollegen schaltet den Schalter um und schon merkt man, dass die Arbeiter selber das Fachwissen haben und nicht der Boss. Letztlich merken sie, dass die Selbstverwaltung das Normale ist, mit Boss, das ist nur pervers.

Sie müssen sich „in einer Welt zurechtfinden, wo alle eine Stimme haben und jeder das Gleiche verdient.“ Bis hierher lief alles spontan, auch wenn bei dem einen oder anderen Betrieb eine trotzkistische, internationalistische oder anarchistische Gruppe beratend den Kollegen beiseite standen, im Wesentlichen aber liefen die Kämpfe spontan ab. Auch der  nächste Schritt lief schon wie selbstverständlich automatisch ab, nämlich die nationale und internationale Vernetzung. Wir sind schon mit einem Schritt in der Zukunft, ohne dass es die meisten gemerkt haben. Die internationale Verflechtung zeigt die Ausweitung. Nach der akuten Finanzkrise 2008/9 wuchsen nicht nur die „Betriebe ohne Boss“ in Argentinien von 2 auf 300, sondern sie weiteten sich auch international aus.

Brasilien
In dem  Viome Artikel vom Viome Kollektiv wird darauf hingewiesen, dass “das Beispiel Argentinien sich in Südamerika ausbreitet“. Leider hatten sie kein Link dazugesetzt und ich hatte im Internet nur das Heft vom DGBgefunden, es ist eine dankbare Aufgabe für portugiesisch oder spanisch Sprechende. Die Meldungen müssen also mit Vorsicht gelesen werden, auch deshalb, weil der Sprecherrat der Jesus Gonçalves, 44, Chef der Kooperative Unipol, einer Kühlerfabrik im südbrasilianischen Joinville genannt wird.

Chef und gleichberechtigt, das geht doch gar nicht. Entweder das mit dem Chef hat der „Kooperative“ wirklich die „Berater“ aufgeschwatzt, oder, was eher anzunehmen ist, der DGB setzt wie bei sinen eigenen Koops „Sprecher“ mit „Chef“ gleich.

In Brasilien gibt es danach landesweit rund 130 selbstverwaltete Fabriken. Unisol wurde 2000 im Umfeld der Metallarbeitergewerkschaften im Großraum São Paulo gegründet, da sie vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit stammt. Das gleiche gilt für Uruguay und Bolivien??

Mexiko
Von dem Hannoveraner Reifenkonzern Continental in Mexiko aber wissen wir mehr. Im Dezember 2002 verlangt Continental: zur Erhöhung der Produktivität:

  • 12 Stunden pro Tag ohne Überstundenbezahlung arbeiten,
  • keinen freien Tag in der Woche, also keinen Sonntag haben,
  • an der Maschine warten, bis der nächste Kollege kommt. Wenn er nicht kommt, dann müssen wir einfach bleiben und eine doppelte Schicht, ohne Sonderbezahlung machen.
  • als Arbeiter und Gewerkschafter bereit sind, diese Änderungen zu akzeptieren. Wir wollen aber nicht zurück in die den Frühkapitalismus.
  • Löhne wie in der tschechischen Republik und Portugal akzeptieren, da die Firma behaupten kann, wir hätten schon europäische Löhne. Bald werden wir auch hören, dass unsere chinesischen Kollegen, die gleiche Arbeit, die wir machen, nur für 3 Dollar pro Tag verrichten.

Am 10. September schließt dann die Firma, weil die Kollegen natürlich nicht zu diesen Bedingungen bereit waren, zu arbeiten. Erst kämpften sie für den Erhalt der Firma und nahmen sie am 18.1.2005 in Besitz und 600 Kollegen produzierten ab Juli selber. Conti musste 2 1/2 Jahre Löhne nachzahlen und mit diesem Geld konnten sie die halbe Firma als Kooperative TRADOC kaufen und zur anderen Hälfte gehört Conti nun der mexikanischen Firma Llanti Systems, die für die Kunden sorgt.

Seitdem wird jeder, der die „Corporación de Occidente S.A. de C.V.“ betritt freudig mit den folgenden Worten begrüßt: „Fühl dich hier wie zu hause, jetzt können wir das ja sagen, jetzt ist das nämlich unsere Fabrik“.
Was darüber hinaus noch für Mexiko erwähnenswert ist, sind die Aktivitäten der Lehrer in Oaxaca, Michoacán und Guerrero. In diesen drei Staaten hat Mexiko nicht mehr die Polizeigewalt, sondern die Bürgermiliz „Policia Comunitaria“ die die Lehrer bei ihrem Streik unterstützt und gegen die Paramilitärs des Staates kämpft. In Oaxaca hatten de Lehrer schon 2006 einen Aufstand unter der Führung des Arbeiterrates APPO angeleitet. Diese Erfahrungen sind noch zu jung, um bei der neuerlichen akuten Krise vergessen zu sein. Hier gilt es auch, dass man die genauen Gründe kontrolli eren muss.

Griechenland

In Griechenland fing die Bewegung zaghaft nach der Überschuldung des Staates 2012 an. Da im Gesundheitsbereich die Krise sich am schärfsten zeigte, ist es auch kein Zufall, dass in Kikles in der Nähe von Thessaloniki im Februar 2012 erst ein Krankenhaus besetzt wurde „Alles wird durch eine Arbeiterinnen Generalversammlung entschieden. (workers general assembly)“. Die Kollegen erhielten zum Schluss kaum mehr Lohn und die Patienten müssen ihr Medizin und Bettwäsche mitbringen. Die Kollegen dort haben aber das Krankenhaus hauptsächlich deshalb besetzt, weil die Bedrohung durch die Krise „gegen die Unter- und Mittelschichten Europas, Asiens, Amerikas, Afrikas, der ganzen Welt“ gerichtet ist.
Damit wissen die Kollegen aber auch, dass es sich um das letzte Szenarium des Kapitalismus handelt und auch, dass es eine Selbstverständlichkeit ist, dass die selbstverwalteten Betriebe sich gegenseitig helfen.

Im November folgte dann eine Zeitung als Genossenschaft und am 12. Februar der Baustoffbetrieb VioMe auch nicht zufällig in Saloniki. Die Kollegen haben schon ab Mai 2011 keinen  Lohn mehr bekommen.

Wie selbstverständlich wird  auch wie überall „Gleicher Lohn“ vorausgesetzt und natürlich kollektive Entscheidungen. Also wir sehen, dass die 3 Bedingungen für die Arbeiterräte bereits in der frühen Form der Streik- und Sprecherräte sich automatisch ergeben, wie wir das in unseren Schriften dargelegt haben.
Der VioMe-Sprecherrat hält auch den Kontakt zu Zanon in Argentinien und sie wollen  auch dafür sorgen, dass in ganz Griechenland die Selbstverwaltung sich etabliert. Die Vollversammlung fordert:

„Wir fordern alle ArbeiterInnen, alle Arbeitslosen und all diejenigen, die am eigenen Leib die Krise erfahren haben, dazu auf, die Arbeiter von Vio.Me zu unterstützen. Jetzt, da sie daran gehen, in der Praxis zu beweisen, dass wir, die ArbeiterInnen, es auch ohne Bosse schaffen! Wir fordern sie auf, am Kampf teilzunehmen und den Kampf zu organisieren, wo immer sie arbeiten, mit Versammlungen, direkter Demokratie – ohne Bürokraten!“ (www.biom-metal.blogspot.gr)

Dabei ist klar, dass sich auch für andere einsetzen, also auch die Lizenzen und Patente für alle Arbeiterländer freigeben werden.

Am 5.2013 wurde der staatliche Fernsehsender ERT geschlossen und 2.730 Journalisten abrupt gekündigt, wahrscheinlich, weil im staatlichen Fernsehen zu viel Gewicht auf die Sichtweise der linken Oppositionsgruppe Syriza gelegt wurde. 1.300 sollen später wieder eingestellt werden und der Rest will im Internet weiter machen. Hier kann sich auch etwas Interessantes entwickeln.

Spanien

Am 4. März 2012 besetzten 500 Landarbeiter einen Großgrundbesitz in Spanien, wie es zuhauf in der portugiesischen Nelkenrevolution 1974 durchgeführt wurde. Leider hat Labournet diese Meldung unkommentiert wieder gelöscht, weshalb es sich unserer Kenntnis entzieht, was daraus geworden ist. Aber immerhin gab es schon einen Versuch.

Spektakulär sind in Spanien die Mieterkomitees PAH in allen Städten. Sie kämpfen gegen die Zwangsräumungen vor Ort, aber haben auch öfters Bankfilialen oder einen leerstehenden Wohnblock besetzt. Unter dem Druck dieser Mieterkomitees haben auch 2 linke Landesregierungen die Banken verstaatlicht, die zwangsräumen wollte.

Dir Arbeiterrat in der portugiesischen Nelkenrevolution 1974 hatte auch die Preise und Mieten kontrolliert. Dieses war Ausdruck seiner beginnenden Doppelherrschaft. Aber, wie wir in unserer Schrift über die Arbeiterräte im 5. Kapitel über Portugal betonen, „mussten hier alle Aufgaben der Bourgeoisie von den Anfängen des Kapitalismus erst nachgeholt werden“, da hier ab 1920 Faschismus herrschte. Deshalb konnte das revolutionäre Portugal erst einmal vom CIA und Willy Brandt leicht in das Fahrwasser der EU noch geputscht werden.

Heute aber am Ende des Kapitalismus ziehen die Mieterkomitees PAH  die Arbeit der künftigen Sprecherräte der Betriebe ohne Boss vor und zwingen die linken bürgerlichen Richter auch schon mal für die Mieter zu urteilen.
Eine Korporative ist noch bekannt von einer Zeitung. Eine Zeitung setzt aber auch nicht so viele Kämpfe voraus wie ein Stahlbetrieb, da her mit einer Handvoll Redakteure und etwas Organisationstalent eine Zeitungsredaktion gegründet werden kann.

USA
Am 9.5.2013 kauften 17 Arbeiter die „New Word Windows“ Cooperative. Jeder Arbeiter, der dort arbeiten will, muss aber erst einmal 1.000 Dollar bezahlen. Das artet so aus, wie in einem Dorf in China, wo das ganze Dorf Fabrikbesitzer und Millionär ist und die aus dem Nachbardorf für einen Euro arbeiten dürfen, also nur Privilegierte. Da ist doch der Vergleich mit Argentinien von Naomi Klein etwas unpassend.

Italien
Von ursprünglich 330 Arbeitern einer Recycling Fabrik, die gefeuert wurden, hat eine Gruppe den Betrieb besetz und sie fangen mit dem Namen RI-Maflow wieder an und planen, diese auf 2-300 innerhalb von 2 Jahren wieder auszubauen.

Der Grundstock für die nächste akute Krise ist auch in Europa gelegt. Dann kann neben Lateinamerika auch hier eine starke Union der Arbeiterrätestaaten entstehen. Brauchen wir untereinander dann noch Grenzen? Brauchst Du Grenzen?

Arbeiterräte heißt auf persisch übrigens „Schoras“ und auf russisch „Sowjets“, nur dass Stalin 1928 die Sowjets in der Sowjetunion verboten hatte, um seinen reaktionären, arbeiterfeindlichen 5-Jahresplan mit Gefängnisarbeit und Umzugsverbot durchzusetzen, zeigen, dass es damals mit 2,5% Anteil der Arbeiterklasse an der Gesamtbevölkerung noch zu wenig Arbeiter gab. Das kann uns heute mit 85% Arbeiterklasse in Europa nicht mehr passieren.

Das objektive Interesse des Arbeiters ist international. Was hätte der Wolfsburger VW Kollege mit 20,- Euro Std.-Lohn davon, wenn sein südafrikanischer Kollege nur 5 Euro die Stunde verdient? Nichts, nur ein Dumping-Auto das ihm den Arbeitsplatz wegnimmt. Also ist sein objektives Interesse, dass weltweit alle für gleiche Arbeit den gleichen Lohn bekommen. Dieses objektive Interesse hat sich jetzt bei den Arbeitern nach dem Kampf für die Betriebe ohne Boss durchgesetzt. Und  damit gibt es dann keine globalen Ungleichgewichte mehr. Und ohne Profit wird auch alles in den Wirtschaftskreislauf zurückfließen. Mit der Überproduktion sind auch für immer die Wirtschaftskrisen gebannt.

Die meisten Kooperativen sagen zwar jetzt, gleicher Lohn für alle, das macht sie bei uns revolutionäre Linke auch sympathisch, aber wenn das mehr und mehr die Massen ergreift, werden besonders die Großbetriebe eher „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ postulieren, wobei beispielsweise bei den Räten 1917 – 1924 in Russland Lenin empfahl, nur Lohnunterschiede von 80% für die Putzleute, 100% für die Facharbeiterinnen und 120% für die Leitungsfunktionen einzuführen, mehr nicht. In der freien Gesellschaft gibt es sowieso kein Geld mehr und damit auch keine Lohnunterschiede. Damit ist jetzt der Anfang gesetzt. Lernt argentinisch.

Norbert Nelte
Internationale Sozialisten

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