Die Selbstverwaltung ist nicht mehr zurückzudrängen

Norbert Nelte - 6.11.16 - Basisdemokratie

Bei dem Kongress der Selbtverwalteten Betriebe in Saloniki hat sich gezeigt, dass sie nicht mehr zurückzudrängen sind (Workers Economy in Thessaloniki I – Selbstverwaltung und Würde). Karl Marx wies darauf hin, dass das der erste Schritt zum Sozialismus ist. Die Zukunft steht schon fest gemauert mitten unter uns. In Argentinien versucht ja der von Amerika ausgesuchte neoliberale Präsident Mauricio Macris mit aller Macht, die Betriebe ohne Bosse kaputt zu machen.

Die Betriebe haben mit Stromerhöhungen bis 700% und Gaserhöhungen bis 1300% zu kämpfen. „Die Gasrechnung der Fliesenfabrik Zanon in Neuquén verteuerte sich von Februar/März bis AprilMai von 700 000 Pesos auf acht Millionen.“ (labournet/ila 398 Sept. 2016) „Verschiedene Richter erklärten "Enteignungen von Betrieben für verfassungswidrig“. (ebda.) Die Herrschaften meinten natürlich die Enteignung der Enteigner sei verfassungswidrig, nicht die Enteignung der Arbeiter, das ist legal.

Das Geld für die Maschinen legt ja die Bank in der Regel vor. In dem Produkt, welches der Arbeiter produziert, sind im Verkaufspreis die Abschreibungskosten und die Zinsen für die Bank mit einkalkuliert. Also die Abzahlungen an die Bank leisten ja die Arbeiter, nicht der Boss. Aber die Bank schreibt das Geld den Bossen gut, nicht den Arbeitern. Es geschieht bei uns eine ständige Rechtsverletzung. Es soll doch Leistung honoriert werden.
Bei den Erhöhungen sind auch Grenzen gesetzt, da sie damit auch die Profitbetriebe gefährden können. Und außerdem muss Macris auch Rücksicht nehmen auf die 1,2 Millionen Wählerstimmen der Trotzkisten. Er müsste schon die direkte faschistische Keule rausholen, wenn er die Fabriquas sine Patron zurückdrängen wollte.

Unter Macris stiegen die Demonstrationen massiv an. Seit langem haben sich die großen Gewerkschaften auf einen Demotermin sich geeinigt. Aber die Anzahl der besetzten Betriebe stieg von 300 in 2008 auf 367 heute an. Bei 60.000 Arbeiterinnen sind das 167 pro Betrieb, also das sind schon in der Regel größere Betriebe.
In Frankreich dagegen handelt es sich besonders noch 2014 eher um Kleinbetriebe mit durchschnittlich 16 Kollegen, davon fast die Hälfte im Dienstleistungsbereich mit noch kleineren Betrieben. Im Dienstleistungsbereich braucht man ja weniger Kapital. Die Betriebe wurden als Kollektive vor 2014 gegründet. Erst einmal dachten sie, dass es dabei bleiben wird und dachten noch nicht an ihre politische verantwortungsvolle Aufgabe als Alternative zu dem niedergehenden Kapitalismus und verknüpften sich noch nicht mit den Selbstverwalteten  Betrieben: Deshalb konnten sie in meinem Bericht vom 15.8.2013
„Kapitalismus geht, Betriebe ohne Boss kommen“ noch gar nicht auftauchen.

Inzwischen hat sich aber etwas in Frankreich verändert. Die Welt-N24 berichtete darüber am 28.5.2016 „Der verrückte Sieg der französischen Tee-Rebellen“. Unilever hatte vor vier Jahren eine Tee-Fabrik Fralib mit 76 Beschäftigten im südfranzösischen Gémenos geschlossen, ohne die Arbeiter ordentlich zu kündigen, und die Teemarke Lipton wurde nach Polen ausgelagert. Die Kollegen erschienen aber jeden Tag auf der Arbeit und bewachten abwechselnd die Maschinen, dass sie niemand abholte. 4 lange Jahre. Nun zahlte Unilever 19,26 Millionen Euro, wovon die Arbeiter sich eine Fabrik aufbauten, was sie als Kollektiv führen. Das nun diese Firma zur „Association pour l´Autogestion“ (Verband für Selbstverwaltung) dazustieß und der militante Kampf gegen das neue Arbeitsgesetz, das ähnlich wie bei uns das Hartz VI sich auswirken wird, sah der Verband seine gesellschaftspolitischen Aufgaben und koordinierte sich eng mit Vio.me und Fasinpat (Ex-Zanon.

Nun gibt es die Selbstverwalten Betriebe schon in 16 Ländern, die da wären:

            Amerika         Argentinien
                                   Brasilien
                                   Bolivien
                                   Uruguay
                                   Mexiko
                                   USA
            Europa           Griechenland
                                   Serbien
                                   Italien
                                   Spanien
                                   Frankreich
            Afrika            Algerien
            Asien             Türkei
                                   Syrien

Hier fehlen noch zwei zu 16. Wer kann da weiterhelfen? Das müssten schon über 1.000 Betriebe mit weit über 100.000 Arbeitern sein.

In Mexiko ist der deutschen Continental-Tochter übrigens das gleiche passiert wie Fralib von Unilever. Conti hatte am 10.9.2002 die Firma geschlossen und per Aushang am Schwarzen Brett alle Kollegen entlassen. Hier gingen die Kollegen auch weiter zur Arbeit und bewachten die Maschinen, dass sie nicht abtransportiert wurden. Hier gab es nach 21/2 ein Gerichtsprozess, und sie erhielten so viele Millionen, das sie mit 600 Arbeitern mit ihrem Kollektiv TRADOC die halbe Firma kauften. Übrigens ist da bis jetzt die größte selbstverwaltete Firma.

Die andere Hälfte hat die Firma „Llanti Systems“ gekauft, die den Vertrieb übernimmt. Jetzt produzieren sie sogar Lastwagenreifen für Continental. „Die Umstellung von der früheren Hierarchie im Arbeitsalltag auf die Arbeitsorganisation in einer Kooperative ist nicht einfach, Luis Alberto Nuñez verrät jedoch warum es bei TRADOC erstaunlich wenig Probleme gibt: „Ohne den Streik wäre das anders gewesen. Jetzt wissen wir zu schätzen, was wir hatten, was wir verloren haben und was wir jetzt haben. Jetzt fühlt sich jeder dafür verantwortlich, dass unser Projekt voranschreitet.“ (labournet)

Die Konzerne aber wollen daraus nichts lernen. Sie werden immer wieder die Kollegen rausschmeißen ohne ordentliche Kündigung, aber nicht mehr lange werden sie dafür zahlen müssen, dann gibt es auch kein Geld mehr dafür und dann nicht mehr lange, dann wird es auch keine Entlassungen mehr geben, weil, die Betriebe werden uns allen gehören, die ganze Stadt, das ganze Land, die ganze Welt.

Marceo hat doch schon Schwierigkeiten in einem Land, die Fabriken ohne Patrons zurückzudrängen. Wie wollen sie das in 16 Ländern schaffen? 1917-1921 waren das gerade 6 Länder, die Selbstverwatete Betriebe und Arbeiterräte (Sowjets) hatten. Da standen wir mit dem Kapitalismus noch am Anfang. Nun stehen wir am Ende, die Bourgeoisie signalisiert schon aus allen Medien, dass überschuldet ist und niemand mehr weiß, wo es zum Aufschwung geht. Keine andere Alternative bietet sich mehr an. Nach dem nächsten Crash wird sich das verhundertfachen. Wollen sie dann Krieg gegen uns machen? Dann müssen sie auf jede französische Stadt eine Bombe werfen.

Und im Kriegsgebieten wachsen wir auch. Wie der Bericht vom 2. Tag des Kongessesr die Selbstverwalteten Betriebe zeigt. Es muss ziemlich ergreifend gewesen, wie eine Stimme aus Rojava über Video-Liveschaltung mitten aus dem syrischen Kriegsgebiet in der Kongress mit dabei war.

„Eine Vertreterin des „Women‘s Economy Committee of Rojava“ sprach während einer Video-Liveschaltung über die Situation der Selbstverwaltung im syrischen Kanton Rojava und die konkrete Umsetzung einer auf den Prinzipien von Basisdemokratie und Ökologie basierenden Wirtschaft für eine ganzen Region.“
(Linke Zeitung)

Mitten im Kriegsgebiet wird die Zukunft gebaut. Wie wollen die Herrschenden die Basisbewegung noch aufhalten?

Norbert Nelte
Internationale Sozialisten

Kapitalismus geht, Betriebe ohne Boss kommen

Übersicht über die selbtverwalten Betriebe

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