Das gleichgewichtige Wirtschaftssystem der Arbeiterräte

Norbert Nelte - 12.7.2013 - Basisdemokratie

Wir haben am 15.6.13 in dem Artikel „Kapitalismus geht, Betriebe ohne Boss kommen“ über die 450 selbstverwalteten Betriebe in 9 Ländern berichtet. Heute wollen wir uns mit der Frage beschäftigen, werden die Betriebe ohne Boss auch unabhängig von der Frage der Gerechtigkeit auch eine wirtschaftliche Alternative zu der maroden Weltwirtschaft aufzeigen
Das objektive Interesse des Arbeiters ist

international. Was hätte der Wolfsburger VW Kollege mit 20 Euro Std.-Lohn davon, wenn sein südafrikanischer Kollege nur 5 Euro die Stunde verdient? Nichts, nur ein Dumping-Auto, das ihm den Arbeitsplatz wegnimmt. Also ist sein objektives Interesse, dass weltweit alle für gleiche Arbeit den gleichen Lohn bekommen. Dieses objektive Interesse hat sich jetzt bei den Arbeitern nach dem Kampf für die Betriebe ohne Boss durchgesetzt.

Bei seiner Europareise in Griechenland bei dem selbstverwalteten Baustoffbetrieb Vio.Me hat das Mitglied vom Sprecherrat von dem selbstverwalteten Keramikbetrieb aus Argentinien Fasinpat/ex Zanon Raul Godoy gesagt: „Wir sagen es immer, schrieben es sogar in die Statuten unserer Keramikgewerkschaft, dass die ArbeiterInnenklasse keine Grenzen kennt. Dies jedoch am eigenen Fleisch mitzubekommen, mit ArbeiterInnen in politischer Aufruhr, ist eine enorme Erfahrung.

it einem Lohtarifgebiet in der Welt gäbe es dann keine globalen Ungleichgewichte mehr. Und ohne Profit wird auch alles wieder in den Wirtschaftskreislauf zurückfließen. Keine Kapitalisten mehr, die wie jetzt in deren eigene Krise auf ihrem Raubprofit sitzen und ihn nicht wegen mangelnder Raubprofitaussichten wieder reinvestieren.

Mit der unterlassnen Überproduktion sind auch für immer die Wirtschaftskrisen gebannt. Die selbstverwalteten Betriebe werden nicht versuchen, mit einer Marktausweitung den Kollegen den Arbeitsplatz wegnehmen. Warum auch, sie machen ja kein Profit und lassen sich auch nicht von einem Wettrüsten treiben. Sie produzieren einfach planvoll

Mit dem Arbeiterräteparlament allein schon wird die richtige Wirtschaft ohne Profit und Ungleichgewichte in der Welt geschaffen, konservative Parteien hätten dann ausgespielt, endlich wirkliche Gleichheit für alle Menschen, alle.

Die meisten Kooperativen sagen zwar jetzt, gleicher Lohn für alle, das macht sie bei uns revolutionäre Linke auch sympathisch, aber wenn das mehr und mehr die Massen ergreifen wird, werden besonders die Großbetriebe eher noch erst „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ postulieren, wobei beispielsweise bei den Räten 1917 – 1924 in Russland Lenin empfahl, nur Lohnunterschiede von 80% für die Hilfsarbeiter, 100% für die Facharbeiterinnen und 120% für die Leitungsfunktionen einzuführen, mehr nicht. In der freien Gesellschaft gibt es sowieso kein Geld mehr und damit auch keine Lohnunterschiede.

Wir müssen die Aussagen der Kollegen von der Werft ohne Boss in Argentinien zu Ende denken: „Wenn wir weniger haben, teilen wir auch das“. Die Kapitalisten rationalisieren jedes Jahr um durchschnittlich 3,3%, um die Konkurrenz abzuhängen. Entsprechend werden Arbeiter entlassen oder der Markt wird um 3,3% ausgeweitet. Deshalb sagt der IWF, wenn weniger als ein Wirtschaftswachstum von 3,3% erreicht ist, dann ist das praktisch eine Wirtschafts -schrumpfung.

Nun rationalisieren die selbstverwalteten Betriebe selbstverständlich auch, da, wo sie konstantes Kapital oder Kosten einsparen, z.B. mit modernern  Maschinen Strom sparen. Nur sie arbeiten dann jeder entsprechend weniger. Hä, ist das jetzt hier Hütchenspieler-zauberei? Wo bleibt das ganze Geld beim Kapital, wir haben doch gelernt, wenn man rationalisiert, dann wird man billiger und erobert die Märkte der Konkurrenz, das ist doch logisch.
Falsch gelernt, denn der Konkurrent rationalisiert auch und vor diesem Schritt schalten die Professoren einfach das Denken aus. Erst macht unser Kapitalist Zusatzgewinne, richtig (A Alt 2). Doch wenn die Konkurrenz auch rationalisiert, setzt sich der geringere alte Wert nach der Rationalisierung als neuer Durchschnittswert durch (Ende 7) und der neue geringere Wert bringt weniger Gewinne, die Profitrate sinkt von der erhofften 53,8% dann auf 23,1%

Der Arbeiter ist in der Tat die einzige Quelle des Mehrwerts, und der sitzt jetzt auf der Straße. Er kostet dem Kapitalist weniger Lohn als er Werte schaffen kann. Das kann keine Maschine, denn wenn sie es könnte, kann ja der Konkurrent auch die Maschine kaufen, auf z.B. 1 Euro Gewinn verzichten und den Vorkapitalisten unterbieten. Nein, die Maschinen kosten für allen Kapitalisten das gleiche, bleiben also konstant.

Aber die Kollegen ohne Boss entlassen sich ja nicht, zahlen sich das gleiche Geld wie vorher. Sie sparen von vornherein den parasitären Wasserkopf ein, die Verwaltungsmanager, die nur dafür da sind, um die Arbeiter anzutreiben oder einzusparen. Sie nutzen den Solidaritätskreis wie auch die anderen Betriebe ohne Boss für den Verkauf, da brauchen sie keine Public Relation oder teure Werbung oder einen großen Vertreterstamm, nur Informationen wie Kataloge. Denkbar wäre auch ein gemeinsamer Katalog und gemeinsame Vertreter aller Betriebe ohne Boss.

Mit ihren gleichen Löhnen für gleiche Arbeit und dem Austausch der Betriebspatente installieren die Kollegen ohne Boss schon zumindest innerhalb der selbstverwalteten Betriebe das künftige Monopol einer wirklich sozialistischen planvollen Gesellschaft, die ja auch gleiche Löhnen für gleiche Arbeit durchsetz und das gemeinsame Wissen für alle verwaltet.
Hier regt sich bei vielen im Kapitalismus erzogenen Menschen ein weiterer starker Protest, niemand würde ja dann noch etwas erfinden. Nun fragen wir, wofür ist es lohnender, zu erfinden? Für das schnöde Geld oder für die Anerkennung der Kollegen, wenn einem der sonstige Lebensunterhalt gesichert ist? Der Mensch erfand am Anfang seiner Entwicklung in der Stammesgesellschaft ohne Geld die größten Erfindungen der Menschheit überhaupt: das Feuer, die Speerspitze und die Metallurgie.

Die Wirtschaftspolitik im sozialistischen Weltstaat ist, wo notwendig, von den Arbeiterräten basisdemokratisch zentralisiert, damit die Betriebe sich nicht gegenseitig Konkurrenz machen und ein gemeinsamer Lohn festgelegt werden kann. Ganz wichtig ist die Zentralisierung auch, um festzustellen, in welchen Gebieten aus einem gemeinsamen Topf  noch Industrieentwicklung betrieben werden muss, um die Disparitäten (Verschiedenheiten) auszugleichen, z.B. eine Traktorfabriken, Stahlwerke, Eisenbahnfabriken usw. in Afrika, Anatolien, Afghanistan usw. Aber was man dezentral lösen kann, wie die Kulturpolitik, sollte man auch dezentral lassen. Aber wenn Angola z.B. ein Theater in Luanda haben will, dann geht das aus dem gemeinsamen Topf.

Die zusätzliche Zeit, die die Kollegen weniger arbeiten, werden sie sinnvoll einsetzen, da sie jetzt auch über die Zeit bei der Arbeit verfügen, wo sie sich als Mensch eigentlich vom Tier unterscheiden. Sie werden kreativ, wie das der Sprecher von Fasinpat, Raul Godoy (Link 44) in dem Video sagt und können sich als Mensch schon etwas mehr entfalten. Im Kapitalismus aber muss der Kollege sich noch gegen die Kapitalisten behaupten, die seine noch abhängigen Kollegen bis zum Ausbrennen hetzen. Außerhalb des Betriebes stößt der Kollege außerdem noch auf weitere Widersprüche, die ihn auch noch von seinem endgültigen Menschsein entfremden. Aber wenn seine Räte auch die politische  Macht erobern, wird er jegliche Entfremdung abwerfen und ganz zu sich als Mensch finden.

In der eingesparten Zeit wird er das machen können, was er schon immer auch wollte, beispielsweise Archäologie studieren oder Geschichte. Die eine wird eine Operngesangsausbildung absolvieren oder Buchhaltung studieren. Es wird keine Unterscheidung mehr in Kopf- und Handarbeitern geben. Die Menschen werden mehrere Berufe haben und ihre Superhirne werden endlich auch voll in Anspruch genommen. Im Kapitalismus wird das Hirn von vornherein auf den kurzfristigen Profit getrimmt und dabei einseitig verbildet. Ohne Profit kann er frei, praktisch ziellos brainstorming betreiben und kommt somit auf geniale Ideen, Letztlich in der freien Welt ohne Geld, im wirklichen Kommunismus werden alle Menschen Genies sein wie Einstein. Dann werden das Wissen und die Produktivkräfte geradezu explodieren, Arbeit und Hobby sind nicht mehr zu unterscheiden.

Die vernetzten Betriebe ohne Boss in Argentinien haben sich einen Sprecherrat gewählt. Dieser Sprecherrat  wird, wie die die Mieterkomitees PAH in Spanien auch die Mieten und Preise kontrollieren und, je mehr Kämpfe um den Erhalt der Arbeitsplätze dazukommen, zu der bürgerlichen Regierung eine „Doppelherrschaft“ ausüben, wahrscheinlich noch in diesem Jahrzehnt. An dem Tag, wo die Bürgerlichen angesichts der unlösbaren Krise resigniert aufgeben, langt wie in Leipzig ein gemeinsamer Spaziergang aller Kollegen und der Kapitalismus liegt auf dem Müllhaufen der Geschichte.

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