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Lenin: Aprilthesen und Testament

Über die Aufgaben des Proletariats in der gegenwärtigen Revolution, "Aprilthesen" 1)

Wladimir Iljitsch Lenin - 11.9.2017 - Basis4demokratie

Zum 100. Jahrestag der russischen Revolution


Erst am 3. April nachts in Petrograd eingetroffen, konnte ich in der Versammlung vom . April mein Referat über die Aufgaben des revolutionären Proletariats natürlich nur in meinem eigenen Namen und unter Hinweis auf meine ungenügende Vorbereitung halten.

Das einzige, was ich tun konnte, um mir und ehrlichen Opponenten die Arbeit zu erleichtern, war die Ausarbeitung schriftlich formulierter Thesen. Ich habe sie vorgelesen und den Text Gen. Zereteli überreicht. Ich habe sie sehr langsam und zweimal vorgelesen: zuerst in der Versammlung der Bolschewiki, sodann in der Versammlung der Bolschewiki und Menschewiki.

Ich veröffentliche diese meine persönlichen, nur mit ganz kurzen erläuternden Bemerkungen versehenen Thesen, die in meinem Referat viel eingehender entwickelt wurden.
Thesen


1 In unserer Stellung zum Krieg, der von Seiten Russlands auch unter der neuen Regierung Lwow und Co. - infolge des kapitalistischen Charakters dieser Regierung - unbedingt ein räuberischer, imperialistischer Krieg bleibt, sind auch die geringsten Zugeständnisse an die "revolutionäre Vaterlandsverteidigung" unzulässig.

Einem revolutionären Krieg, der die revolutionäre Vaterlandsverteidigung wirklich rechtfertigen würde, kann das klassenbewusste Proletariat seine Zustimmung nur unter folgenden Bedingungen geben: a) Übergang der Macht in die Hände des Proletariats und der sich ihm anschließenden ärmsten Teile der Bauernschaft; b) Verzicht auf alle Annexionen in der Tat und nicht nur in Worten; c) tatsächlicher und völliger Bruch mit allen Interessen des Kapitals.

In Anbetracht dessen, dass breite Schichten der revolutionären Vaterlandsverteidiger aus der Masse es zweifellos ehrlich meinen und den Krieg anerkennen in dem Glauben, dass er nur aus Notwendigkeit und nicht um Eroberungen geführt werde, in Anbetracht dessen, dass sie von der Bourgeoisie betrogen sind, muss man sie besonders gründlich, beharrlich und geduldig über ihren Irrtum, über den untrennbaren Zusammenhang von Kapital und imperialistischem Krieg aufklären, mus man den Nachweis führen, dass es ohne den Sturz des Kapitals unmöglich ist, den Krieg durch einen wahrhaft demokratischen Frieden und nicht durch einen Gewaltfrieden zu beenden.

Organisierung der allerbreitesten Propaganda dieser Auffassung unter den Fronttruppen.
Verbrüderung.


2. Die Eigenart der gegenwärtigen Lage in Russland besteht im Übergang von der ersten Etappe der Revolution, die infolge des ungenügend entwickelten Klassenbewusstseins und der ungenügenden Organisiertheit des Proletariats der Bourgeoisie die Macht gab, zur zweiten Etappe der Revolution, die die Macht in die Hände des Proletariats und der ärmsten Schichten der Bauernschaft legen muss.

Dieser Übergang ist gekennzeichnet einerseits durch ein Höchstmaß an Legalität (Russland ist zur Zeit von allen kriegführenden Ländern das freieste Land der Welt), anderseits dadurch, dass gegen die Massen keine Gewalt angewandt wird, und schließlich durch die blinde Vertrauensseligkeit der Massen gegenüber der Regierung der Kapitalisten, der ärgsten Feinde des Friedens und des Sozialismus.

Diese Eigenart fordert von uns die Fähigkeit, uns den besonderen Bedingungen der Parteiarbeit unter den unerhört breiten, eben erst zum politischen Leben erwachten Massen des Proletariats anzupassen.


3. Keinerlei Unterstützung der Provisorischen Regierung, Aufdeckung der ganzen Verlogenheit aller ihrer Versprechungen, insbesondere hinsichtlich des Verzichts auf Annexionen. Entlarvung der Provisorischen Regierung statt der unzulässigen, Illusionen erweckenden "Forderung", diese Regierung, die Regierung der Kapitalisten, solle aufhören, imperialistisch zu sein.


.Anerkennung der Tatsache, daß unsere Partei in den meisten Sowjets der Arbeiterdeputierten in der Minderheit, vorläufig sogar in einer schwachen Minderheit ist gegenüber dem Block aller kleinbürgerlichen opportunistischen Elemente, die dem Einfluss der Bourgeoisie erlegen sind und diesen Einfluss  in das Proletariat hineintragen - von den Volkssozialisten und Sozialrevolutionären bis zum Organisationskomitee (Tscheidse, Zereteli usw.), Steklow usw. usf -

Aufklärung der Massen darüber, dass die Sowjets der Arbeiterdeputierten die einzig mögliche Form der revolutionären Regierung sind und daß daher unsere Aufgabe, solange sich diese Regierung von der Bourgeoisie beeinflussen läßt, nur in geduldiger, systematischer, beharrlicher, besonders den praktischen Bedürfnissen der Massen angepasster Aufklärung über die Fehler ihrer Taktik bestehen kann.

Solange wir in der Minderheit sind, besteht unsere Arbeit in der Kritik und Klarstellung der Fehler, wobei wir gleichzeitig die Notwendigkeit des Übergangs der gesamten Staatsmacht an die Sowjets der Arbeiterdeputierten propagieren, damit die Massen sich durch die Erfahrung von ihren Irrtümern befreien.


5. Keine parlamentarische Republik - von den Sowjets der Arbeiterdeputierten zu dieser zurückzukehren wäre ein Schritt rückwärts -, sondern eine Republik der Sowjets der Arbeiter-, Landarbeiter- und Bauerndeputierten im ganzen Lande, von unten bis oben.

Abschaffung der Polizei, der Armee, der Beamtenschaft. 2)

Entlöhnung aller Beamten, die durchweg wählbar und jederzeit absetzbar sein müssen, nicht über den Durchschnittslohn eines guten Arbeiters hinaus.


6. Im Agrarprogramm Verlegung des Schwergewichts auf die Sowjets der Landarbeiterdeputierten.

Konfiskation aller Gutsbesitzerländereien.

Nationalisierung des gesamten Bodens im Lande; die Verfügungsgewalt über den Boden liegt in den Händen der örtlichen Sowjets der Landarbeiter- und Bauerndeputierten. Bildung besonderer Sowjets von Deputierten der armen Bauern. Schaffung von Musterwirtschaften aus allen großen Gütern (im Umfang von etwa 100 bis 300 Desjatinen, je nach den örtlichen und sonstigen Verhältnissen und nach dem Ermessen der örtlichen Institutionen) unter Kontrolle der Landarbeiterdeputierten und für Rechnung der Gesellschaft.


7 Sofortige Verschmelzung aller Banken des Landes zu einer Nationalbank und Errichtung der Kontrolle über die Nationalbank durch den Sowjet der Arbeiterdeputierten.


8. Nicht "Einführung" des Sozialismus als unsere unmittelbare Aufgabe, sondern augenblicklich nur Übergang zur Kontrolle über die gesellschaftliche Produktion und die Verteilung der Erzeugnisse durch den Sowjet der Arbeiterdeputierten.


9. Aufgaben der Partei :
   a) sofortige Einberufung des Parteitags;
   b) Änderung des Parteiprogramms, in der Hauptsache in folgenden Punkten:
       1.  Imperialismus und imperialistischer Krieg;
       2.  Stellung zum Staat und unsere Forderung eines "Kommunestaates"3)
       3.  Berichtigung des veralteten Minimalprogramms;
   c) Änderung des Namens der Partei. 4)

10. Erneuerung der Internationale.
Initiative zur Gründung einer revolutionären Internationale, einer Internationale gegen die Sozialchauvinisten und gegen das "Zentrum" 5) .

Damit der Leser verstehe, warum ich den "Fall" ehrlicher Opponenten gesondert, als seltene Ausnahme, hervorzuheben genötigt war, bitte ich ihn, den obigen Thesen folgenden Einwand des Herrn Goldenberg gegenüberzustellen: Lenin »hat die Fahne des Bürgerkriegs inmitten der revolutionären Demokratie aufgepflanzt« (zitiert im 'Jedinstwo' 6) des Herrn Plechanow, Nr. 5).

Eine Perle, nicht wahr?

Ich schreibe, lese vor, erkläre des langen und breiten: »In Anbetracht dessen, daß breite Schichten der revolutionären Vaterlandsverteidiger aus der Masse es zweifellos ehrlich meinen ..., daß sie von der Bourgeoisie betrogen sind, muss man sie besonders gründlich, beharrlich und geduldig über ihren Irrtum aufklären ...«

Die Herrschaften von der Bourgeoisie aber, die sich Sozialdemokraten nennen, die weder zu den breiten Schichten noch zu den Vaterlandsverteidigern aus der Masse gehören, haben die Stirn, meine Ansichten wie folgt wiederzugeben und zu interpretieren: »... die Fahne [!] des Bürgerkriegs [vom Bürgerkrieg ist weder in den Thesen ein Wort enthalten, noch war davon im Referat die Rede!] inmitten [!!] der revolutionären Demokratie aufgepflanzt [!]«
.
Was ist das? Wodurch unterscheidet sich das von einer Pogromhetze? - von der 'Russkaja Wolja'? 7)

Ich schreibe, lese vor, erkläre des langen und breiten:
»Die Sowjets der Arbeiterdeputierten sind die einzig mögliche Form der revolutionären Regierung, und daher kann unsere Aufgabe nur in geduldiger, systematischer, beharrlicher, besonders den praktischen Bedürfnissen der Massen angepasster Aufklärung über die Fehler ihrer Taktik bestehen ...«


Die Opponenten einer gewissen Sorte aber interpretieren meine Ansichten als Aufruf zum "Bürgerkrieg inmitten der revolutionären Demokratie"!!

Ich habe die Provisorische Regierung angegriffen, weil sie weder einen baldigen noch überhaupt einen Termin für die Einberufung der Konstituierenden Versammlung festsetzte und mit bloßen Versprechungen davonzukommen trachtet. Ich habe nachzuweisen versucht, daß ohne die Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten die Einberufung der Konstituierenden Versammlung nicht gesichert, ihr Gelingen unmöglich ist.

Und man unterstellt mir, ich sei gegen die baldigste Einberufung der Konstituierenden Versammlung!!!

Ich würde dies als "Fieberphantasien" bezeichnen, hätten mich nicht Jahrzehnte politischen Kampfes gelehrt, die Ehrlichkeit von Opponenten als seltene Ausnahme zu betrachten.
Herr Plechanow hat in seiner Zeitung meine Rede als "Fieberphantasie" bezeichnet. Sehr gut, Herr Plechanow! Doch wie plump, ungeschickt und begriffsstutzig sind Sie in Ihrer Polemik! Wenn ich in meiner Rede zwei volle Stunden lang wie im Fieber phantasierte, warum duldeten dann Hunderte von Zuhörern diese "Fieberphantasie'? Weiter. Warum widmet Ihre Zeitung der Wiedergabe einer "Fieberphantasie" eine ganze Spalte? Fürwahr, das reimt sich nicht, das reimt sich bei Ihnen ganz und gar nicht.

Es ist natürlich viel leichter, zu schreien, zu schimpfen, zu jammern, als den Versuch zu machen darzulegen, zu erklären, sich zu erinnern, wie Marx und Engels in den Jahren 1871, 1872 und 1875 über die Erfahrungen der Pariser Kommune und darüber urteilten, was für einen Staat das Proletariat braucht. 8)

Herr Plechanow, der ehemalige Marxist, erinnert sich anscheinend nicht gern des Marxismus.
Ich habe die Worte Rosa Luxemburgs zitiert, die am . August 191 die deutsche Sozialdemokratie einen »stinkenden Leichnam« genannt hat. Die Herren Plechanow, Goldenberg und Co. aber sind "gekränkt" ... um wessentwillen? - um der deutschen Chauvinisten willen, die Chauvinisten genannt wurden!

Die armen russischen Sozialchauvinisten, Sozialisten in Worten, Chauvinisten in der Tat, sie sind ganz durcheinander geraten.

Geschrieben am 4. und 5. (17. und 18.) April 1917. Veröffentlicht am 7. April 1917 in der 'Prawda' Nr. 26. Unterschrift: N. Lenin

Das Testament Lenins 9)

Vor fünf Jahren, als Lenin auf dem Sterbebett lag und nicht mehr sprechen konnte, schrieb er einen Brief, in dem er den unvermeidlichen Kampf zwischen Trotzki und Stalin voraussagte, die Charaktere der beiden Männer analysierte und die Maßnahmen anriet, die die Partei ergreifen müsste, um eine Spaltung zu vermeiden. Der fast unheimliche politische Scharfsinn Lenins zeigt sich nirgendwo klarer, als in diesem kurzen Brief, den man sein Testament an die Partei genannt hat. Der Brief wurde von Stalin und den mit ihm in der Macht Befindlichen in einem Geldschrank verschlossen und für nicht vorhanden erklärt, denn er enthielt eine sehr scharfe Kritik an Stalin und den Rat, ihn von seiner beherrschenden Stellung eines Generalsekretärs der Partei zu entfernen. Trotzdem ist es nicht gelungen, die letzte Meinungsäußerung des toten Führers der russischen Revolution ganz zu unterdrücken. Heimlich wurden Abschriften des Briefes in russischen Kommunistenkreisen verbreitet und vorgelesen, obgleich die Verfolgungen wegen solchen Vorlesens und Verbreitens sehr streng waren. Der hier wiedergegebene Text ist durchaus vollständig genau und zuverlässig.
Testament

Unter einer Festigung des Zentralausschusses, von der ich schon früher sprach, verstehe ich Maßnahmen, die eine Spaltung verhindern sollen, soweit solche Maßnahmen überhaupt getroffen werden können. Denn der Weißgardist in 'Russkaja Mysl' (ich glaube es war S.E. Oldenburg) hatte natürlich durchaus Recht, als er in seinem Spiel gegen Sowjetrussland in erster Linie auf die erhoffte Parteispaltung und in zweiter Linie auf ein Auseinandergehen durch ernstliche Meinungsverschiedenheiten in unsere Partei setzt.

Unsre Partei stützt sich auf zwei Klassen, deshalb ist ihre Erschütterung möglich, und wenn es zu keiner Einigung zwischen diesen beiden Klassen kommt, ist sogar ihr Zusammenbruch unvermeidlich. In einem solchen Falle wäre es zwecklos, irgendwelche Maßnahmen zu ergreifen oder überhaupt über die Festigung des Zentralausschusses zu debattieren. In einem solchen Falle könnten keine Maßnahmen eine Spaltung verhindern. Aber ich hoffe, dass das ein noch zu weit in der Zukunft liegendes und auch zu unwahrscheinliches Ergebnis ist, um jetzt darüber zu reden.

Ich denke heute an eine Festigung als Garantie gegen eine Spaltung in naher Zukunft und will hier eine Reihe von Betrachtungen von rein persönlichem Charakter anstellen.
Ich glaube, dass die Hauptursache zu den gegenwärtigen Gefahren und auch der Schlüssel zu einer neuen Festigung bei solchen Mitgliedern des Zentralausschusses wie Stalin und Trotzki liegen. Die Beziehungen zwischen ihnen enthalten nach meiner Meinung gut die Hälfte der Spaltungsgefahr. Diese Gefahr kann natürlich vermieden werden, und sie könnte nach meiner Ansicht um so leichter vermieden werden, wenn man die Mitgliederzahl des Zentralausschusses von fünfzig auf hundert erhöhte.

Genosse Stalin hat dadurch, dass er Generalsekretär geworden ist, eine gewaltige Macht in seinen Händen vereinigt, und ich bin durchaus nicht sicher, dass er es immer verstehen wird, diese Macht mit genügender Behutsamkeit zu benutzen. Auf der anderen Seite besitzt Genosse Trotzki, wie sich in seinem Kampf gegen den Zentralausschuss in der Frage des Volkskommissariats für Straßenbauten zeigte, nicht nur ausgezeichnete Fähigkeiten - persönlich ist er ganz bestimmt der befähigtste Mann im jetzigen Zentralausschuss -, sondern auch ein weitreichendes Selbstbewusstsein und eine Überschätzung der behördlichen Reglung der Wirtschaft.

Diese Verschiedenheiten der beiden begabtesten Führer des jetzigen Zentralausschusses könnten ganz gegen deren Willen zu einer Spaltung führen, und wenn unsere Partei keine Maßnahmen dagegen ergreift, kann diese Spaltung ganz unerwartet eintreten.
Ich will nicht weiter die andern Mitglieder des Zentralausschusses in bezug auf ihre persönlichen Eigenschaften charakterisieren. Ich will nur daran erinnern, dass die Oktoberepisode Sinowjews und Kamenews natürlich kein Zufall war, dass man sie aber ebenso wenig wie die frühere Nichtzugehörigkeit Trotzkis zum Bolschewismus zu persönlichen Angriffen ausschlachten darf.

Von den jüngeren Mitgliedern des Zentralausschusses möchte ich einige Worte über Bucharin und Pjatakow sagen. Diese sind nach meiner Meinung die befähigsten Kräfte unter diesen Jüngsten, aber in Bezug auf sie darf man folgendes nicht vergessen: Bucharin ist nicht nur der wertvollste und stärkste Theoretiker der Partei, sondern kann auch ganz offen als ihr Favorit betrachtet werden. Trotzdem dürfen seine theoretischen Ansichten nur mit dem größten Zweifel als völlig marxistisch angesehen werden, denn es steckt in ihm ein Stück von einem Scholastiker, und er hat nie die Dialektik gelernt (Ich glaube, er hat sie niemals ganz verstanden).

Pjatakow hinwieder ist ein zweifellos willensstarker und begabter Mann, aber viel zu sehr dem Verwaltungswesen und der behördlichen Seite der Dinge ergeben, als daß man sich in einer ernsthaften politischen Frage auf ihn verlassen könnte.

Natürlich sind diese Bemerkungen nur in Hinsicht auf die augenblickliche Zeit und für den Fall gemacht worden, daß die beiden befähigten und ehrlichen Mitarbeiter keine Gelegenheit finden, ihr Wissen zu ergänzen und ihre Einseitigkeit zu verbessern.

Den 25. Dezember 1922.

Nachschrift; Stalin ist zu rücksichtslos, und wenn dieser Fehler auch in den Beziehungen unter uns Kommunisten erträglich ist, so wird er ganz unerträglich im Geschäftszimmer des Generalsekretärs. Darum schlage ich den Genossen vor, einen Weg zu finden, Stalin von dieser Stellung zu entfernen und sie einem andern Manne zu geben, der sich aber in jeder Beziehung nur dadurch von Stalin unterscheiden darf, dass er besser ist als er - nämlich geduldiger, loyaler, höflicher, aufmerksamer gegen Genossen, nicht so launisch usw. Diese Dinge mögen wie unwichtige Kleinigkeiten erscheinen, aber in Hinsicht auf die Verhinderung einer Spaltung und in Hinsicht auf die oben geschilderten Beziehungen zwischen Stalin und Trotzki sind sie keine Kleinigkeiten, oder sie sind solche Kleinigkeiten, die eine entscheidende Bedeutung gewinnen können.

Den 4. Januar 1923,     Lenin.     

Fußnoten                                                                    

1. Der Artikel "Über die Aufgaben des Proletariats in der gegenwärtigen Revolution", der in Nr. 26 der 'Prawda' vom 7. April 1917 mit der Unterschrift N. Lenin erschien, enthält die berühmten Aprilthesen W.I. Lenins, die er am . (17.) April 1917 in zwei Versammlungen (einer Versammlung bolschewistischer und einer gemeinsamen Versammlung bolschewistischer und menschewistischer Delegierter der Gesamtrussischen Beratung der Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten) im Taurischen Palast verlas. Der Artikel wurde von den bolschewistischen Zeitungen 'Sozial-Demokrat' (Moskau), 'Proletari' (Charkow), 'Krasnojarski Rabotschi' (Der Arbeiter von Krasnojarsk), 'Wperjod' (Vorwärts) (Ufa), 'Bakinski Rabotschi' (Der Arbeiter von Baku), "Kawkasski Rabotschi" (Der kaukasische Arbeiter) (Tiflis) und anderen nachgedruckt.


2. D.h. Ersetzung des stehenden Heeres durch die allgemeine Volksbewaffnung.

3 Das heißt eines Staates nach dem Vorbild der Pariser Kommune.

4. Statt "Sozialdemokratie", deren offizielle Führer in der ganzen Welt den Sozialismus verraten haben, indem sie zur Bourgeoisie übergingen (die "Vaterlandsverteidiger' und die schwankenden Kautskyaner"), müssen wir uns Kommunistische Partei nennen.

5.Als "Zentrum" bezeichnet man in der internationalen Sozialdemokratie die Richtung, die zwischen den Chauvinisten (= "Vaterlandsverteidigern") und den Internationalisten schwankt, nämlich: Kautsky und Co. in Deutschland, Longuet und Co. in Frankreich, Tschcheidse und Co. in Russland, Turati und Co. in Italien, MacDonald und Co. in England usw.


6.'Jedinstwo' (Die Einheit) - Zeitung, Organ der extrem rechten Gruppe der menschewistischen Vaterlandsverteidiger mit G.W. Plechanow an der Spitze, erschien in Petrograd von März bis November 1917 als Tageszeitung. Im Dezember 1917 und Januar 1918 wurde sie unter dem Namen 'Nasche Jedinstwo' (Unsere Einheit) herausgegeben. Die Zeitung unterstützte die Provisorische Regierung und trat für die Koalition mit der Bourgeoisie ein. In ihrem Kampf gegen die Bolschewiki griff sie nicht selten zu Methoden der Boulevardpresse, gegen die Lenin wiederholt in der Presse auftrat.


7. 'Russkaja Wolja' (Russischer Wille) - bürgerliche Tageszeitung, die vom zaristischen Innenminister A.D. Protopopow gegründet und von den Großbanken finanziert wurde; sie erschien ab Dezember 1916 in Petrograd. Nach der Februarrevolution führte sie eine Verleumdungskampagne gegen die Bolschewiki. Lenin nannte sie »eine der niederträchtigsten bürgerlichen Zeitungen« (Werke, Bd.25, S.306).

Am 25. Oktober (7. November) 1917 wurde sie vom Revolutionären Militärkomitee verboten.

8. Siehe Karl Marx/Friedrich Engels, MEW, Bd. 18, Berlin, S. 95/96, Bd. 17, Berlin 1968, S. 335-350, Bd. 19, Berlin, 1962, S. 6/7, Bd. 33, Berlin 1966, S. 205/206 und 209.


9. Trotzki Schriften: "Programm und Plattform der Linken Opposition im Kampf gegen die Stalinfraktion", Dortmund 1977, S. 163

 

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